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Jim Butcher – Grabesruhe“

ISBN: B-004-X2X46-8

Klappentext:

Wo die Polizei nicht weiterweiß, kommt er ins Spiel: Harry Dresden, der Privatdetektiv mit den besonderen Fähigkeiten. Er musste es schon mit einer ganzen Reihe unheimlicher Gegner aufnehmen - von skrupellosen Vampiren und düsteren Dämonen bis zu gigantischen Skorpionen. Doch nichts von alldem hat ihn auf die Gefahr vorbereitet, der er sich nun stellen muss: Überall in Chicago werden Menschen von Geistern attackiert, die nur ein Ziel kennen - Rache an allen Lebenden. Kann Harry sie aufhalten?

Inhalt:

Harry Dresden ist ein Dedektiv der besonderen Art. Da, wo die Polizei die Gegebenheiten als übersinnlich abtut, fängt Dresden erst an. Zusammen mit seinem Freund Michael, dessen Schwert und Ritterrüstung, machen sie den Geistern der Stadt das untote Dasein schwer.

Ein „Alptraum“ hat die Stadt heimgesucht und gefährdet Menschenleben. Bei der Jagd nach ihm bekommen es Harry und Michael nicht nur mit Vampiren, sondern auch mit Harry seiner Patentante Lea zu tun, die Harry unbedingt besitzen möchte.

Leseprobe:

… Es ist schwer, Menschen zu finden, und besonders, wenn sie nicht gefunden werden wollen.

Es ist sogar sehr schwer, dass laut manchen Schätzungen Jahr für Jahr in den Vereinigten Staaten eine siebenstellige Zahl an Menschen spurlos verschwindet. Die meisten dieser Menschen werden nie gefunden.

Ich wollte nicht, dass Lydia auf diese Weise in die Statistik einging. Entweder sie gehörte zu den Bösen und hatte mich übers Ohr gehauen, oder sie war ein Opfer und brauchte meine Hilfe. Im ersten Fall wollte ich sie zur Rede stellen – ich habe was gegen Leute, die mich anlügen und versuchen, mich in Schwierigkeiten zu bringen. Falls das Zweite zutraf, so war ich vermutlich der Einzige in ganz Chigago, der ihr helfen konnte. Möglicherweise war sie von einem sehr großen und kräftigen Geist besessen, der mir, verzeihen Sie das platte Wortspiel, inzwischen entschieden auf den Geist ging.

Lydia hatte Vater Forthill zu Fuß verlassen, und ich  nahm nicht an, dass sie viel Geld besaß. Falls sie nicht irgendwo etwas aufgetrieben hatte, hielt sie sich wahrscheinlich immer noch in der Umgebung von Bucktown und Wicker Park auf, also lenkte ich den blauen Käfer in diese Richtung. Eigentlich ist der wagen überhaupt nicht mehr blau. Biede Türen waren ersetzt worden, nachdem Krallen sie zerfetzt hatten, und auch die Kofferraumhaube hatte gelitten, als etwas Heißes ein Loch hineingebrannt hatte.

Mein Automechaniker Mike, der den Käfer meist ganz gut in Schuss hält, hatte keine Fragen  gestellt, sondern Ersatzteile von andersfarbigen Volkswagen besorgt. Der blaue Käfer war jetzt eigentlich blau, rot, weiß und grün. Seinen Namen hatte er allerdings behalten.

Während ich fuhr, musste ich mich zwingen, ruhig zu bleiben, so gut ich es eben vermochte. Wie bei anderen Magiern gehen alle möglichen technischen Geräte in meiner Nähe vor allem dann kaputt, wenn ich aufgeregt, wütend oder ängstlich bin. Fragen Sie mich nicht warum. Deshalb übte ich mich in mediativer Versenkung, bis ich mein Ziel, ein Parkplatz am Wicker Park, erreicht hatte.

Eine steife Brise ließ meine Mantelaufschläge flattern, als ich ausstieg. Auf einer Straßenseite begannen einige hohe Häuser und zwei Wohnblocks golden zu schimmern, als die Sonne im Westen unterging. Unterdessen griffen die Schatten der Bäume im Wicker Park wie schwarze Finger nach meiner Kehle. Nur gut, dass mein Unterbewusstsein kaum auf Symbole anspricht. Einige Leute, meist Jugendliche oder Mütter mit Kindern, waren im Park unterwegs.

Auf der Straße liefen Geschäftsleute herum, die vermutlich die zahlreichen schicken Restaurants, Pubs oder Cafes besuchen wollten.

Ich holte ein Brocken Kreide und eine Stimmgabel aus meiner Exorzismustasche. Dann sah ich mich um, hockt mich auf den Gehweg und zeichnete auf dem Beton einen Kreis um mich herum, den ich mit meiner Willenskraft verschloss, sobald er vollendet war.

Ich spürte ein leises Knistern, als die Sperre aufgebaut war und die magischen Energien des Ortes bündelte und aufstaute.

In der Magie kommt man nicht weit, wenn man hastig arbeitet und pfuscht. Die Tricks, die man mal eben aus dem Ärmel schüttelt, weil irgendein bösartiges Wesen einem ins gesicht springen will, nennt man Beschwörungen. Ihre Bandbreite ist begrenzt, und sie sind schwer zu kontrollieren. Ich beherrschte nur zwei Beschwörungen wirklich gut, und meist brauchte ich zusätzlich die Unterstützung künstlicher Brennpunkte, etwa meinen Sprengstock oder andere magische Hilfsmittel. Nur so verlor ich nicht die Kontrolle über den Spruch und jagte mich auch nicht versehentlich zusammen mit einem sabbernden Monster selbst in die Luft.

Der größte Teil der Magie erfordert außerdem eine Menge Konzentration und harte Arbeit. Das ist der Bereich, in dem ich wirklich gut bin – die Thaumaturgie. Die Thaumaturgie ist ein Zweig der traditionellen Magie, bei dem es darum geht, symbolische Verbindungen zwischen Gegenständen und Menschen herzustellen und dann genügend Energie hineinzugeben, um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Mit Hilfe der Thaumaturgie kann man eine Menge erreichen, falls man genügend Zeit hat, das Vorhaben ordentlich zu planen, und falls man noch mehr Zeit hat, ein Ritual vorzubereiten, die symbolischen Objekt bereitzustellen und den magischen Kreis zu schließen. Immer vorausgesetzt, Sie haben es mit einem höflichen sabbernden Monster zu tun, das artig wartet, bis Sie fertig sind.

Ich nahm das Schildarmband vom Handgelenk und legte s ins Zentrum des Kreises – das war mein Kanal. Der Talisman, den ich Lydia übergeben hatte, war auf ähnliche Weise konstruiert, deshalb würden die beiden Armbänder miteinander in Resonanz kommen. ...