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Jennifer L. Armentrout - „Schattendunkel“

Obsidian 1

ISBN: 9-783-55158-331-4

Klappentext:

Ein dunkles Geheimnis scheint über dem winzigen Städtchen zu liegen, in das die siebzehnjährige Katy gerade erst umgezogen ist. Im umliegenden Gebirge sollen merkwürdige Lichter gesehen worden sein, leuchtende Menschengestalten ... Viel schlimmer findet die leidenschaftliche Buchbloggerin Katy jedoch, dass die nächste Bibliothek meilenweit weg ist und sie kein Internet hat. Bis sie beschließt, bei ihren Nachbarn zu klingeln und ein Junge die Tür öffnet, so düster und geheimnisvoll wie der Ort selbst: Daemon Black.

Inhalt:

Kate ist mit ihrer Mutter aufs Land gezogen. Das ist erst einmal kein großes Problem, da man auch auf dem Land lesen und bloggen kann. Doch die Mutter hätte gern, dass Kate unter Leute kommt. Da erscheint es ganz praktisch, dass nebenan auch zwei junge Leute leben.

Kate sucht den Kontakt zu den Geschwistern und findet in den Mädchen eine gute Freundin. - Doch im Laufe der Zeit wird einiges seltsam. Die Geschwister leben ohne Eltern, Geld ist kein Problem und das Mädchen löst sich immer mal wieder kurz auf. Der Junge ist unheimlich schnell und kann mindestens 15 Minuten unter Wasser bleiben.

Die beiden sind nicht von dieser Welt, nicht allein und haben ihre Feinde mitgebracht.

Leseprobe:

… »Ash und ich sind nicht zusammen«, sagte er schließlich. »Wir waren mal ein Paar, aber jetzt sind wir nur noch befreundet. Und bevor du fragst, nein, wir sind nicht so befreundet, auch wenn sie auf meinem Schoß saß. Ich kann dir auch nicht sagen, warum sie es getan hat.«

»Warum hast du es zugelassen?«, fragte ich und hätte mich im nächsten Moment am liebsten selbst dafür geohrfeigt. Es ging mich nichts an und es war mir auch egal.

»Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Vielleicht einfach, weil ich ein Kerl bin? Ist das Grund genug?«

»Nicht wirklich«, sagte ich und schaute zu Boden. Ich konnte kaum noch meine Füße sehen.

»Hab ich mir gedacht«, antwortete er. Sein Gesicht war nicht zu erkennen und somit war es unmöglich festzustellen, was er dachte. Daemons Augen und Mund waren oft nicht einer Meinung. »Auf jeden Fall … tut mir das in der Kantine leid.«

Seine Entschuldigung überraschte mich so sehr, dass ich vor Schreck über einen Stein stolperte. Er fing mich wie selbstverständlich auf und ich spürte seinen warmen Atem an meiner Wange, bevor er sich wieder aufrichtete. Meine Haut prickelte, dennoch trat ich einen Schritt zur Seite. Seine Entschuldigung war wie eine kalte Dusche. Ich war mir nicht sicher, was schlimmer war: wenn er gar nicht bemerkt hätte, wie beschissen er sich verhielt, oder dass er genau wusste, was er mir angetan hatte.

»Kat?«

Ich sah ihn an. »Du hast mich vor der ganzen Schule gedemütigt.«

»Ich weiß –«

»Nein, das glaube ich nicht.« Ich schlang die Arme um mich und setzte mich wieder in Bewegung. »Und du gehst mir echt auf die Nerven. Ich werde nicht schlau aus dir. Einmal bist du ganz nett und dann wieder das größte Arschloch unter der Sonne.«

»Aber ich habe Bonuspunkte.« Er schloss zu mir auf und leuchtete immer gerade weit genug vor meine Füße, dass ich abstehende Wurzeln und Steine erkennen konnte. »Habe ich doch, oder? Vom See und von unserer Wanderung. Bekomme ich auch welche für den Abend, als ich dich bei der Bücherei gerettet habe?«

»Deine Schwester verteilt Bonuspunkte.« Ich schüttelte den Kopf. »Ich nicht. Und wenn ich es täte, hättest du die meisten inzwischen längst wieder verloren.«

Einen Moment lang war er still. »Das ist hart. Echt.«

Ich blieb stehen. »Warum reden wir eigentlich miteinander?«

»Es tut mir wirklich total leid.« Er atmete lange aus. »Du hast es nicht verdient, wie wir uns benommen haben.«

Ich wusste nicht, wie ich darauf regieren sollte. Er klang ehrlich und fast traurig, aber er hätte ja durchaus die Wahl gehabt, sich anders zu verhalten. Ich überlegte, was ich sagen sollte, und entschied mich dann für etwas, was er wahrscheinlich nicht unbedingt hören wollte.

»Das mit deinem Bruder tut mir leid, Daemon.«

Wie angewurzelt blieb er in der Dunkelheit stehen. Er schwieg so lange, dass ich mir nicht sicher war, ob er je antworten würde. »Du hast keine Ahnung, was mit meinem Bruder passiert ist.«

In mir zog sich alles zusammen. »Ich weiß nur, dass er verschwunden ist –«

Daemons Arme hingen schlaff herunter. Er öffnete eine Hand und schloss sie dann wieder. In der anderen hielt er nach wie vor die Taschenlampe, die nach unten leuchtete. »Das ist schon eine Weile her.«

»Letztes Jahr«, präzisierte ich vorsichtig. »Stimmt’s?«

»Stimmt. Kommt mir nur schon viel länger vor.« Als er sich abwandte, wurde ein Teil seines Gesichts vom Mondlicht erhellt. »Wie hast du eigentlich von ihm erfahren?«

Ich fröstelte in der kühlen Luft. »In der Schule wurde darüber geredet. Ich bin nur neugierig, warum ihr ihn oder das Mädchen vorher noch nie erwähnt habt.«

»Hätten wir es tun sollen?«

Ich sah ihn an und versuchte seinen Gesichtsausdruck zu lesen, doch das Licht des Mondes reichte dafür nicht aus. »Ich weiß nicht, aber ich finde, es klingt nach einer ziemlich großen Sache, und darüber spricht man doch.«

Daemon ging weiter. »Wir reden eben nicht gern darüber, Kat.«

Ich musste zugeben, dass das verständlich war. Nur mit Mühe konnte ich mit ihm Schritt halten. »Ich will wirklich nicht neugierig sein, aber –«

»Ach nein?« Er klang gereizt und bewegte sich ruckartig. »Mein Bruder ist weg. Eine arme Familie wird ihre Tochter wahrscheinlich nie mehr wiedersehen und du beschwerst dich, dass dir niemand davon erzählt hat?«

Ich biss mir auf die Lippen und kam mir total schäbig vor. »Tut mir leid … aber alle tun so geheimnisvoll. Ich weiß zum Beispiel nichts über deine Familie. Deine Eltern habe ich noch nie gesehen. Und Ash hasst mich abgrundtief, ohne dass ich eine Ahnung hätte, warum. Seltsam ist auch, dass zwei Sets Drillinge zur selben Zeit hierhergezogen sind. Ich habe dir gestern Spaghetti über den Kopf gekippt und nicht mal Ärger dafür bekommen. Das ist einfach seltsam. Dee hat einen Freund, den sie noch nie erwähnt hat. Der ganze Ort ist sonderbar. Die Leute sehen Dee an, als wäre sie entweder eine Märchenprinzessin oder als hätten sie Schiss vor ihr. Michstarren die Leute ebenfalls an. Und –«

»Du tust ja so, als würden all diese Dinge zusammenhängen.« …