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Marion Zimmer Bradley - "Das Licht von Atlantis"

ISBN: 3-7857-0384-8

 

Klappentext:

Im Tempel des Lichts dienen die Priesterinnen Domaris und Deoris, bis die Kräfte der Finsternis das Alte Reich bedrohen. Eine geheimnisvolle Bruderschaft will die Macht über die Elemente an sich reißen...

Wie in ihrem großen Roman "Die Nebel von Avalon" gelingt es Marion Zimmer Bradley, aus der mythischen überlieferung eine ergreifende Geschichte zu weben.

 

Inhalt:

Micon ist ein Atlanter. Nach einer krausamen Folterung, von der er sich zwar erholt hat, die aber ihre Spuren hinterlassen hat, sucht er Schutz im Tempel. Dort darf er in der Bibliothek die Schriftrollen studieren.

Das einzige, was ihm noch am Leben erhält, ist der Wunsch nach einem Sohn. Der soll einmal seine Macht und seinen Namen erben.

Deoris wird für ihn aus der Skriptorenschule geholt. Sie soll ihm vorlesen, da Micon blind ist. Zwischen den beiden entwickelt sich eine Freundschaft. Deoris verliebt sich sogar in Micon. Der hat aber ihre große Schwester, Domaris, als Mutter seines Sohnes auserkoren. Diese willigt auch ein und wird nach einiger Zeit schwanger.

Deoris kann die Liebe zwischen Micon und Domaris nicht verstehen. Das Verhältnis zischen den Schwestern wird schlechter. Deoris ist jetzt sehr oft mit Riveda zusammen und Domaris hat bereits eine böse Vorahnung.

Nach der Geburt des Jungen, stirbt Micon. Domaris ist somit wieder frei und der Mann, dem sie versprochen ist, erhebt seinen Anspruch auf sie. Domaris fügt sich dem Gesetzt, doch wirkliche Liebe empfindet sie nicht für Arrath. Sie wird zwei mal schwanger, aber beide Kinder überleben nicht.

Deoris wird indessen immer mehr von Riveda eingenommen. Viele glauben schon an eine Liebesbeziehung zwischen den beiden. Aber Riveda bringt Deoris soweit, dass sie bei seinen schwarzmagischen Ritualen mitmacht. Deoris wendet sich von ihrer Schwester ab und vertieft sich vollkommen in die neuen Lehren.

Bei einem fehlgeschlagenen Ritual wird Deoris lebensgefährlich verletzt.

Sie überlebt es nur, weil Riveda um ihr Leben kämpft. In dieser Zeit erführt Deoris wirkliche Liebe von ihm.

Deoris wird schwanger. Außerdem fliegt alles das auf, was Riveda zu vertuschen versucht hat. Domaris will ihrer Schwester helfen und fällt dabei selber in Unknade.

Bei einer Gerichtsverhandlung wird über das Schicksal der Schwestern entschieden.

Ihre Wege trennen sich und doch finden sie sich wieder.

Mehr sei hier nicht verraten. Da ihr das Buch selber noch lesen sollt.

 

Leseprobe:

Durch die geöffneten Fensterläden leuchteten unaufhörlich die Blitze eines Sommergewitters. Deoris lag auf ihrem Bett und konnte nicht schlafen. Die Gedanken zuckten in ihrem Kopf so ruhelos wie die Blitze. Sie fürchtete sich vor Riveda - und noch hatte sie sich schon seit langem eingestanden, dass er in ihr ein seltsames, intensives Gefühl erweckte, das auch körperlich war. Er war in ihrem Bewusstein festgewurzelt, er war Teil ihrer Welt. So naiv sie war, erkannte Deoris doch vage, dass sie mit Riveda einen Punkt erreicht hatte, an dem es keine Umkehr gab: Ihre Beziehung hatte sich jäh und unwiderruflich verändert.

Deoris glaubte, es nicht ertragen zu können, sich enger an Riveda zu binden. Aber ebenso unerträglich war ihr der Gedanke, ihn aus ihrem Leben streichen zu müssen - das würe nämlich die einzige Möglichkeit gewesen, ihm nicht noch näherzukommen. Verglichen mit dem raschen, scharfen Verstand Rivedas wirkte sogar Rajasta unsicher und wichtigtuerisch... Hatte sie je ernsthaft daran gedacht, in Domaris` Fußstapfen zu treten?

Ein Geräusch unterbrach ihre Gedanken, und sie erkannte Chedans Schritt auf dem Steinboden. "Schläfst du?" flüsterte er. "Oh, Chedan - du?"

"Ich war im Hof, und ich konnte nicht schlafen." Er ließ sich auf die Bettkante nieder. "Ich habe dich den ganzen Tag nicht gesehen. Und dabei ist heute dein Geburtstag - wie alt wirst du?"

"Sechszehn. Das weißt du doch." Deoris setzte sich hoch und schlang die Arme um ihre Knie.

"Ich würde dir ein Geschenk machen, wenn ich ü?sste, dass du es annähmst", murmelte Chedan. Was er meinte, war unmissverständlich, und Deoris fühlte, wie ihre Wangen in der Dunkelheit heiß wurden. Chedan zog sie auf: "Oder willst du aus höherem Ehrgeiz Jungfrau bleiben? Ich habe gesehen, wie Cadamiri dich letztes Jahr bewusstlos von der Seance in Micons Wohnung wegtrug! Ah, was war Cadamiri wütend! Den ganzen Tag war er übelgelaunt, und jeder, der ihn ansprach, bekam eine bissige Antwort. Er würde dir raten, Deoris -"

"Sein Rat interessiert mich keineswegs!" fauchte Deoris, empfindlich getroffen von seiner Neckerei.

Wieder kämpften zwei sich wiedersprechende Impulse in ihr: Sie wollte ihn auslachen, und sie wollte ihn ohrfeigen. Sie hatte sich den freien Sitten und den ungezwungenen Unterhaltungen im Haus der Zwölf nie anpassen können. Die Skriptoren-Schule, in der strengere Vorschriften herrschten, hatte Deoris geprägt, schließlich hatte sie die Jahre, in denen ein Kind am leichtesten zu formen ist, dort verbracht.