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Stephen King - "Das Mädchen"

ISBN: 3-7951-1749-6

 

Klappentext:

"Die Welt hat Zähne. Und mit denen beißt sie zu, wann immer sie will."

Die neunjährige Trisha unternimmt mit ihrem Bruder und ihrer Mutter eine Wanderung. Trisha verlässt kurz den Weg - und verläuft sich im Wald. Hunger und Durst, Mückenschwärme und wilde Tiere, Einsamkeit und Dunkelheit sind nicht ihre einzigen Begleiter...

 

Inhalt:

Trisha macht mit ihrer Mutter und ihrem Bruder einen Wanderausflug. Mutter und Bruder streiten sich lautstark und Trisha kann die beiden nicht zum Zuhören bringen. Sie geht also ins Gestrüpp, ohne dass die beiden etwas mitbekommen. Dabei verirrt sie sich.

Eine Odyssee durch die Wälder beginnt. Sie will wieder zu Menschen finden. Ihr Radio ist die einzige Verbindung zur Zivilisation. Sie hört sich die Spiele der Red Sox an. Und erfährt, dass nach ihr gesucht wird.

Um zu überleben, muss sie sich von den Früchten des Waldes ernähren. Dabei hat sie aber nicht genügend Ausbeute und sie wird immer dünner.

Sie bemerkt auch, dass sie verfolgt wird. Sie nennt dieses Wesen den Gott der Verirrten. Auch vor ihm muss sie nun fliehen.

Kurz bevor es zu spät ist, steht Trisha ihrem Gott Auge in Auge gegenüber. In dem Moment wird sie aber gerettet und sie wacht im Krankenhaus wieder auf.

 

Leseprobe:

Obwohl ihr Verstand jetzt weniger klar war als beim Aufwachen, viel weniger klar, schien sie weiterhin nur die Wahl zwischen zwei Möglichkeiten zu haben: Sie konnte hier bleiben und auf Rettung hoffen oder weiterwandern und versuchen, den Suchtrupps entgegenzugehen. An Ort und Stelle zu bleiben, wäre in gewisser Beziehung vernünftig gewesen, nahm sie an - zum Beispiel um Kräfte zu sparen. Wohin würde sie außerdem ohne den Bach gehen? Völlig ins Ungewisse, das stand fest. Sie konnte sich in Richtung Zivilisation bewegen; sie konnte sich aber auch von der Zivilisation entfernen. Sie konnte sogar im Kreis laufen.

Andererseits ("Zu jedem einerseits gehört ein andererseits, Schatz", hatte ihr Vater ihr einmal erklärt) gab es hier nichts Essbares, es stank hier nach Schlamm und verfaulenden Bäumen und wer weiß was sonst für ekliges Zeug, hier war es hässlich, die ganze Gegend hier war vergammelt. Trisha fiel ein, dass sie die Nach hier würde verbringen müssen, falls sie dablieb und bis Einbruch der Dunkelheit nicht gerettet wurde. Der reinste Horror. Im Vergleich zu diesem Sumpf war die kleine halbmondförmige Lichtung Disneyland gewesen.

Sie stand auf und spähte in die Richtung, die der Bach genommen hatte, bevor er verschwunden war. Vor ihr lag ein Labyrinth aus grauen Baumstämmen mit ihren kreuz und quer abstehenden toten Ästen, aber sie glaubte, dahinter etwas Grünes zu sehen. Ein ansteigendes Grün. Vielleicht ein Hügel. Und mehr Scheinbeeren? He, warum nicht? Unterwegs war sie an mehreren mit roten Beeren überladenen Gruppen von Sträuchern vorbeigekommen. Sie hätte Beeren pflücken und im Rucksack mitnehmen sollen, aber sie hatte sich so sehr auf den Bach konzentriert, dass sie einfach nicht auf diese Idee gekommen war. Aber jetzt war der Bach verschwunden, und sie war wieder hungrig. Nicht dem Verhungern nahe (zumindest noch nicht), aber hungrig sicher.

Trisha machte zwei Schritte vorwärts, trat prüfend auf eine Stelle des weichen Bodens, und ihre schlimmsten Befürchtungen bewahrheiteten sich, als sie um die Kappe ihres Turnschuhs herum prompt emporquellendes Wasser sammelte. Sollte sie sich wirklich dort hineinwagen? Nur weil sie glaubte, die andere Seite zu sehen?

"Dort könnte es Treibsand geben", murmelte sie.

Genau! Bestätigte die kalte Stimme sofort. Ihr Tonfall klang belustigt. Treibsand! Ganz zu schweigen von kleinen rauen Akte-X-Männern mit Sonden, um sie dir in den Hinter zu stecken.

Trisha ging die zwei Schritte zurück, die sie gemacht hatte, und setzte sich wieder. Sie kaute auf ihrer Unterlippe. Die sie umschwirrenden Insekten nahm sie jetzt kaum mehr wahr. Gehen oder bleiben? Bleiben oder gehen?