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Natalie Babbit - "Das Gebetbuch des Teufels"

ISBN: 3-446-16585-1

 

Klappentext:

Warum eigentlich wollen alle Leute ins Paradies? Längst hat es sich unter Insidern herumgesprochen, dass dort nur gepflegte Langeweile herrscht, während in der Hölle buchstäblich der Teufel los ist. Natalie Babbits wunderbare - übrigens sehr menschlich anmutende - Teufelsgeschichten sind er beste Einstig in die Unterwelt.

 

Inhalt:

Nein, es sind keine Gebete die den Teufel herbeirufen. Vielmehr handelt es sich um Kurzgeschichten, die sich um den Teufel und seine Taten drehen.

Hier sind die Titel: Wünsche; Eine überaus hübsche Dame; Die Harfen des Himmels; Das Teufelskind im Körbchen; Nässe; Ein Palindrom; Asche; Perfekt; Die Rose und der Unterteufel; Die Macht der Sprache; Die Wahrsagungen der Madame Organza; Gerechtigkeit; Der Soldat; Eine Bootsfahrt; Wie Akbar nach Bethlehem zog; Der Wegweiser; Lektionen; Fall und Aufstieg eines Mannes namens Tauchbein; Eine deutliche Sprache; Das Ohr

Im Anhang findet man noch eine Bibliographie von Schreiberin und Illustratorin.

Und damit war es das auch schon mit diesem Büchlein.

 

Leseprobe:

"Nicht dass ich mich in der Regel auch nur einen Deut um Kinder kümmerte", versuchte er sich vor sich selbst zu rechtfertigen. "Aber dieses Mädchen! Man stelle sich vor, was aus ihm wird, wenn es heranwächst - eine Frau, deren einziger Fehler darin besteht, dass sie keine Fehler hat."

Der schiere Gedanke daran brachte ihn in Harnisch. Also stellte er eine Liste von Ma?nahmen zusammen, von denen er hoffte, sie würden Angelika genügend zusetzen, dass sie, wenn alles nach Wunsch verlief, ihre Engelsgeduld verlöre.

"Wenn sie erste ein paar Mal die Geduld verloren hat", sagte der Teufel, "es ist aus, so jemand wird nie wieder perfekt."

Es stellte sich jedoch heraus, dass dieses Unterfangen viel schwieriger war, als der Teufel gedacht hatte. Er verpasste ihr die Windpocken, dann einen brennenden Augenausschlag durch giftigen Efeu und tausende Mückenstiche, doch sie kratzte sich nie - es schien sie nicht einmal zu jucken. Er richtete es ein, dass eine Kuh auf ihre Lieblingssuppe trat, doch sie vergoss keine einzige Träne. Statt dessen verzieh sie der Kuh sofort und in aller öffentlichkeit und sagte, dass es ihr nichts ausmache. Als nächstes sorgte der Teufel dafür, dass wochenlang ihr Kakao zu heiß und ihre Hafergrütze zu kalt war. Doch auch das schlug fehl und ärgerte sie überhaupt nicht. Wahrscheinlich, je schlimmer die Dinge waren, desto mehr schien Angelika sie zu mögen, da sie ihr Gelegenheit boten zu zeigen, wie perfekt sie war.

Jahre verstrichen. Der Teufel hatte es mit jeder Ma?nahme auf seiner Liste probiert, bis auf eine einzige, und Angelika bewahrte noch immer ihre Engelsgeduld, und ihre Manieren waren immer noch besser als die aller anderen.

"Nun, einerlei", sagte der Teufel, "denn was ich jetzt noch in petto habe, wird seine Wirkung tun. So viel ist sicher!"

Und er wartete geduldig auf den geeigneten Augenblick.

Als dieser Augenblick eintrat, hatte die letzte Maßnahme des Teufels tatsächlich die gewünschte Wirkung. Sie war ein regelrechter Volltreffer. Danach verlor Angelika mindestens einmal am Tag die Geduld, manchmal sogar noch häufiger, und nach einer Weile hatte sie ihre Geduld so oft verloren, dass sie nie wieder perfekt wurde.

Und wie hatte er das angestellt? Ganz einfach! Er hatte nur dafür gesorgt, dass sie einen perfekten Ehemann bekam, ein perfektes haus und dann - ein gutes bis mittelprächtiges Kind.