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Nicholas Evans - "Der Pferdeflüsterer"

ISBN: 3-442-43187-5

 

Klappentext:

Man nennt ihn den Pferdeflüsterer: Tom Booker, der es wie kein anderer versteht, kranke und verstörte pferd zu heilen. Annie hofft, daß er ihrer Tochter Grace und deren Pferd Pilgrim mit seinen magischen Fähigkeiten helfen kann, ein schweres Unfalltraume zu überwinden.

Als Annie dem charismatischen Einzelgänger in Montana begegnet, wird auch sie in seinen Bann gezogen. Sie erkennt, daß nur die Kraft der Liebe alte Wunden heilen kann ...

 

Inhalt:

Grace und ihr Pferd Pilgrim überleben einen schrecklichen Unfall. Allerdings verliert Grace bei diesem Unfall ein Bein und Pilgrim wird scheu und wild. Er verkommt mehr und mehr.

Anne, von Grace die Mutter, will ihrer Tochter helfen und macht sich auf die Suche nach einer Möglichkeit, wie man den beiden helfen kann. Mit der Hilfe ihrer Freundin stößt sie auf Tom Booker. Ein so genannter Pferdeflüsterer.

Sie nimmt Kontakt mit ihm auf. Doch Tom Booker wirft einen Blick auf das Tier und sagt dankend ab. Doch Annie lässt nicht locker und führt mit Grace und dem Pferd zu ihm. So bringt sie ihn doch noch dazu, mit Pilgrim zu arbeiten.

Später ziehen Grace und Annie in das Flusshaus der Farm. Mit Grace geht eine Veränderung vor. Auch Pilgrim verändert sich. Annie lernt ein vollkommen anderes Leben kennen und beginnt wieder zu reiten.

Das Ende sollte happy sein. Aber so ungetrübt ist die Freude nicht.

 

Leseprobe:

... Trotz der vielen Jahre, die Annie in diesem Land gelebt hatte, reagierte sie auf derart offene, religiöse Worte mit einer tiefwurzelnden Zurückhaltung, so dass sie sich etwas unbehaglich fühlte. Doch weit mehr beunruhigte sie, dass diese ihnen völlig unbekannte Frau so klar erkannt hatte, wie sehr sie der Gebete bedurften. Nicht nur Pilgrim und Grace - das wäre noch verständlich gewesen - , sondern auch Annie. Und etwas Derartiges hatte noch niemand zu Annie Graves gesagt.

Unterhalb der Blitze am Horizont erregte eine Bewegung ihre Aufmerksamkeit. Es begann mit kaum mehr als einem zuckenden Pünktchen, wurde zusehends größer und nahm allmählich die flirrende Gestalt eines Trucks an. Dahinter erkant sie jetzt die Türme der Getreideheber und bald auch andere, flache Gebäude, eine Stadt schien aus dem Boden zu wachsen. Ein Schwarm kleiner, brauner Vögel stob vom Straßenrand auf und wurde vom Wind fortgeweht.

Der Truck war jetzt fast auf ihrer Höhe, und Annie sah wie der chromblitzende Kühlergrill größer und größer wurde, bis der Schlepper mit einem plötzlichen Windstoß an ihr vorbeidonnerte, der Wagen und Hänger erzittern ließ. Grace regte sich.

"Was war das?"

"Nichts. Nur ein Lastwagen."

Annie sah im Spiegel, wie Grace sich den Schlaf aus den Augen rieb.

"Dahinten ist eine Stadt. Wir brauchen Benzin. Hast du Hunger?"

"Ein bisschen"

Die Abfahrt führte in einer langen Schleife um eine weiße, einsam aus einem verdorrten Grasfeld aufragende Holzkirche. Davor stand ein kleiner Junge mit einem Fahrrad. Plötzlich erstrahlte die Kirche in hellem Sonnenlicht. Fast rechnete Annie damit, einen Finger aus den Wolken auf die Kirche deuten zu sehen.

Neben der Tankstelle gab es ein Restaurant, und nachdem sie getankt hatten, aßen Grace und Annie wortlos ihre Sandwiches mit Ei und Salat. Umgeben von Männern, auf deren Baseballmützen die Namen von Farmprodukten prangten und die mit gedämpften Stimmen von Winterweizen und dem Preis für Sojabohnen redeten. Soweit es Annie betraf, hätten sie ebenso in einer fremden Sprache reden können. Sie bezahlte die Rechnung und kam wieder an den Tisch, um Grace zu sagen, dass sie auf die Toilette gehen wollte und dass Grace am Wagen auf sie warten möchte.

"Könntest du dich bitte darum kümmern, dass Pilgrim sein Wasser bekommt?" fragt sie. Grace gab keine Antwort. "Grace" Hast du mich verstanden?"

Annie hatte sich über sie gebeugt und merkte plötzlich, dass die Farmer um sie herum verstummt waren. Sie hatte die Konfrontation absichtlich herbeigeführt, bedauerte jetzt aber den plötzlichen Impuls, sie in aller Öffentlichkeit stattfinden zu lassen. ...