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Stephen Dürr - "Zurück ins Leben"

ISBN: 3-404-61556-5

 

Klappentext:

Er ist jung, gut aussehend und erfolgreich - von außen betrachtet, bereitet sich das leben vor dem TV-Schauspieler Stephen Dürr aus wie ein roter Teppich. Und dennoch kämpft er mit Liebeskummer und Einsamkeit, mit Ängsten und Krisen. Es ist ein grauer Tag, an dem sein Leben sich für immer verändert. Sein Vertrauter und Freund, der geduldige Zuhörer, an der sich immer wenden konnte, wenn er jemanden zum Reden brauchte, nimmt sich das Leben. Stephen Dürr stürzt in einen tiefen Abgrund.

 

Inhalt:

Stephen Dürr erzählt in der ich-Perspektive aus seinem Leben. Er beginnt nicht etwa bei seiner Geburt, sondern viel mehr bei seinem ersten Flirt, mit dem er dann auch gleich zusammen kommt.

Dann beginnt der Start seiner Karriere, der Umzug in eine andere Stadt und gleichzeitig auch der Zusammenzug mit seiner großen Liebe.

Mit dem beruflichen Erfolg beschreibt Stephen Dürr aber auch ganz genau, wie es in seinem Privatleben bergab geht.

Auf das Mobbing am Arbeitsplatz geht er nicht genauer ein, er beschreibt aber seine Gefühle die er dann hatte und man kann den Schritt, sein Leben ändern zu wollen in dem Moment sehr gut nachvollziehen.

Er hat sein Leben ändern wollen und ging dazu einen radikalen Schritt. Er macht mit seiner Freundin schluss, kündigt an seinem Arbeitsplatz und hat vor den Neidern doch keine Ruhe. Zu den Niederschlägen im Beruf kommen jetzt noch finanzielle Sorgen und eine Leere in der Zukunft.

Stephen Dürr legt in diesem Buch sein Gefühlsleben vor die Füße seiner Leser. Er beschreibt den Weg in die Krise, die Krise selber und auch den Weg aus der Krise raus sehr genau.

Zum Abschluss kommt noch ein Bekannte von Stephen Dürr zu Wort. Pater Maurus erklärt im Nachgang, warum Stephen so gehandelt hat, wie er es getan hat. Was aus psychologischer Sicht in ihm vorging und auch in anderen Menschen vorgeht, die eine Lebenskrise durchlaufen.

 

Leseprobe:

… Martina hatte sich in den Wochen nach ihrem Selbstmordversuch sehr verändert und war mir gegenüber richtig schweigsam geworden. Sie hatte auch kein Ohr mehr für meine Belange. Bald reagierte sie nicht mal mehr auf meine Anrufe.

Zweimal ersuchte ich nach meinem Auszug vergeblich, sie abends zu besuchen; beide Male öffnete sie mir nicht. Dass sie in der Wohnung war, hatte ich am Licht gesehen, und am zweiten Abend waren sogar Geräusche durch die Wohnungstür gedrungen. Den Haustürschlüssel, den ich nach wie vor hatte, benutzte ich nicht, denn ich mochte kein ungebetener Gast sein.

Ich bin dann noch einmal zu ihr, sie öffnete wieder nicht. Ich machte mir allmählich große Sorgen. Also steckte ich den Schlüssel ins Schloss und öffnete die Tür. Ich betrat die Wohnung und dachte im ersten Moment, dass Martina gar nicht zu Hause sei. Doch kurz darauf fand ich sie im Schlafzimmer. Sie lag im Bett. In dem Moment, als ich im Türrahmen stand, drehte sie sich um und öffnete die Augen. Sie erschrak so sehr, dass sie mich laut anschrie und mich aus der Wohnung werfen wollte. Ich versuchte sie zu beruhigen. Sie sagte, dass ich mich nicht in ihre Wohnung und ihr Leben schleichen solle. Dem wollte ich etwas entgegensetzen, aber da sie beinahe durchdrehte, trat ich den Rückzug an.

Marina forderte mich auf, den Haustürschlüssel auf den Tisch zu legen. Ich warf ein, dass noch einige Sachen von mir in ihrem Keller seien. Sie hörte nicht darauf, was ich sagte. Auch den Wagenschlüssel sollte ich hinlegen. Ich räumte noch in der Nacht den Keller aus und legte ihr gegen ein Uhr morgens beide Schlüssel auf die Fußmatte.

 

Nachdem Martina mich aus ihrem Alltag verdrängt hatte, wurde mir plötzlich klar, dass ich niemand Vertrauuten mehr in meiner Nähe hatte, mit dem ich mich verabreden konnte. Es war eigentlich kaum zu glauben, aber ich lebte und arbeitete seit über zwei Jahren in Köln und hatte nicht mal mehr einen Menschen, mit dem ich mich hätte treffen können. Mit keinem der Kollegen hatte ich noch Kontakt.

Dazu hatte besonders ein Erlebnis beigetragen, das ich ungefähr acht Wochen nach meinem Ausstieg auf dem Studiogelände gehabt hatte. Ich war vor der Arbeit in meinem Büro auf dem Gelände in das Restaurant gegangen, das mittags Treffpunkt sämtlicher Arbeiter aus allen Bereichen war. An einem Tisch entdeckte ich drei Kollegen von Unter uns. Als sie mich sahen, wandten sie sich schnell wieder ab und taten so, als ob sie mich nicht bemerkt hätten. Was geht hier denn ab?, fragte ich mich. Ich wusste nicht, was da sollte. Das Erlebnis setzt mir allerdings so sehr zu, dass ich den Laden ganz schnell wieder verließ. Ich setzte mich in mein Büro und war erst einmal fertig mit den nerven. Das da einige ein Problem mit mir hatten, hatte ich ja schon früh begriffen, aber dass die Kollegen, die bis zum Schluss so getan hatten, als seien sie über mein Fortgehen traurig, nun auch nichts mehr mit mir zu tun haben wollten, versetzte mir einen Stich.

Nachdem ich eine Weile in meinem Büro gesessen hatte, schlug die Traurigkeit in eine Mischung aus Neugier und Wut um, und ich wollte es genau wissen. Ich bin aufgestanden und rüber ins Produktionsbüro gegangen. Dort saß ein ehemaliger Schauspielerkollege von mir, den ich fröhlich begrüßte. Er schaute nur kurz zu mir auf blickte dann, ohne mich eines weiteren Blickes zu würdigen, auf seine Zeitung, faltete sie zusammen und verließ den Raum. Die Mädels am Schreibtisch, die früher immer freundlich gewesen waren, ignorierten mich. Ich bin dann leise gegangen, und mir war klar, das sich dort nichts mehr verloren hatte. Wie heißt es doch so schön: aus den Augen, aus dem Sinne. …