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Cecilia Ahern - „Ich hab dich im Gefühl“

ISBN: 978-3-596-17318-1

 

Klappentext:

Ein wunderbarer Liebesroman, der im wahrsten Sinne des Wortes von Herzen kommt – denn mit einer Blutspende beginnt die Geschichte von Joyce und Justin. So romantisch, so witzig, so berührend, wie nur Cecilia Ahern es schreiben kann.

 

Inhalt:

Joyce ist gestürzt. Doch von ihrem Vater wird sie gefunden und kann noch gerettet werden. Sie kann gerettet werden, das werdende Leben in ihrem Bauch allerdings nicht. Sie verliert ihr Kind und nicht nur das Kind, sondern auch ihre Ehe. Schon lang ist in der Ehe der Wurm drin und nun will sie alles ändern.

In einem Frisörladen trifft sie auf einen Mann, der ihr seltsam bekannt vorkommt. Jedoch kann sie sich nicht erinnern, ihn jemals gesehen oder gar gesprochen zu haben.

Im Laufe der Zeit entdeckt sie weitere seltsame Sachen. Sie spricht plötzlich drei Fremdsprachen, hat Ahnung von Architektur und der Geschichte bestimmter Gebäude. Weder sie noch ihre Freundinnen können sich erklären, wo dieses Wissen denn so plötzlich her kommt.

Als Joyce dann auch noch die Tochter ihres Lebensretters anruft, im Glauben die Nummer des Arztes ihres Vaters gewählt zu haben, wird alles ganz verwirrend.

Langsam kommt sie dahinter, dass es mit der Bluttransfusion zu tun haben muss und dass der Mann ihr Spender und damit auch ihr Lebensretter ist. Sie spielt ein Spielchen mit ihm und erfüllt ihm ein paar Wünsche, die er seiner Tochter gegenüber mal geäußert hat. Doch als sie sich dann doch am Telefon mal richtig unterhalten scheint alles verloren. Joyce hakt die Sache ab, aber hinter ihrem Rücken wird etwas gemauschelt.

 

Leseprobe:

… „Oh, schau doch, Justin“ flüstert Jennifer neben ihm.

Er schaut. Er kann die Augen nicht von seiner Tochter abwenden, die dort unten mit dem Schwanenschwarm tanzt, perfekt synchron, keine falsche Bewegung. Sie sieht so erwachsen aus, so … wie ist das nur passiert? Es kommt ihm vor wie gestern, dass sie im Park gegenüber von ihrem Haus für ihn und Jennifer herumgehüpft ist, ein kleines Mädchen im Tutu, mit Träumen und Flausen im Kopf, und jetzt … Seine Augen werden feucht, und er sieht Jennifer an, um den Augenblick mit ihr zu teilen, aber sie greife nach Larence` Hand. Schnell schaut er weg, wieder zu seiner Tochter. Eine Träne rollt ihm über die Wange, und er greift in die Brusttasche nach seinem Taschentuch.

 

Im letzten Moment, ehe sie mir vom Kinn tropft, fängt mein Taschentuch die Träne ab.

„Warum weinst du denn?“, fragt Dad laut und reibt an meinem Kinn herum, als sich der Vorhang zur Pause senkt.

„Ich bin so stolz auf Bea.“

„Auf wen?“

„Ach, nichts... ich finde die Geschichte nur so schön. Wie gefällt es dir?“

„Ich glaube, die Jungs haben sich Socken in ihre Strumpfhosten gestopft.“

Ich lache und wische mir über die Augen. „Meinst du, Mum gefällt es auch?“

Er lächelt und iseht auf das Foto hinunter. „Muss wohl so sein, sie hat sich kein einziges Mal umgedreht, seit es angefangen hat. Im Gegensatz zu dir, die du keine Sekunde stillsitzen kannst. Wenn ich gewusst hätte, dass du so scharf auf Ferngläser bist, hätte ich dich schon lange mal zum Vögelbeobachten mitgenommen.“ Er seufzt und schaut sich um. „Die Jungs vom Monday Club werden mir das alles nicht glauben. Donal McCarthy, nimm dich in Acht“, kichert er.

„Vermisst du Mum?“

„Es ist zehn Jahre her, Liebes.“

Es tut mir weh, dass er das Thema so beiläufig abtut. Ärgerlich verschränke ich die Arme vor der Brust und sehe weg.

Dad beugt sich zu mir und knufft mich. „Und jeden tag vermisse ich sie in bisschen mehr als am Tag davor.“

Oh. Sofort habe ich schlechtes Gewissen.

„Es ist wie mein Garten, Liebes. Alles wächst. Auch die Liebe. Und wenn die Liebe jeden Tag größer wird, wie kann man da erwarten, dass das Vermissen irgendwann nachlässt? Alles entwickelt sich, auch unsere Fähigkeit, damit fertigzuwerden. Ich denke, das ist die Richtung, in die wir gehen.“

Ich kann nur ehrfürchtig den Kopf schütteln und darüber staunen, was er manchmal von sich gibt. Philosophische Erkenntnisse und auch andere Dinge. Und das von einem Mann, der mich seinen „Teepott“ genannt hat: „Teepott, kocht er? - Tochter.“

„Und ich dachte immer, du werkelst einfach nur gern herum“, entgegne ich lächelnd.

„Ach, Rumwerkeln ist nicht zu verachten. Weißt du, dass Thomas Berry mal gesagt hat, wenn man im Garten arbeitet, hat man aktiv teil an den tiefsten Mysterien des Universums? Man lernt eine Menge beim Herumwerkeln.“

„Was zum Beispiel?“, frage ich und versuche mein Lächeln zu unterdrücken.

„Na ja, in einem Garten gibt es Unkraut, Liebes. Es wächst da ganz von selbst. Schleicht sich an und erstickt die Pflanzen, di von derselben Erde leben. Wir haben alle unsere Dämonen, unsere Selbstzerstörungsknopf. Sogar im Garten. So hübsch er auch sein mag. Wenn man da nicht rumwerkelt, bemerkt man ihn nur nicht.“

Er mustert mich, ich schaue weg und räuspere mich, obwohl ich keinen Grund dazu habe.

Manchmal wäre es mir lieber, mein Vater würde einfach nur über Männer in Strumpfhosen lachen. …