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Peter S. Beagle - „Das letzte Einoren“

ISBN: 330-8-952-047

 

Klappentext:

Dies ist die phantastische Geschichte einer großen Suche: Das letzte Einhorn, ein Geschöpf von ursprünglicher Anmut, verläßt seinen in ewigem Frühling blühenden Fliederwald, begibt sich auf die Landstraße, dringt in die Zeit, um das -Schicksal seiner entschwundenen Artgenossen zu erkunden. Auf der abenteuerlichen Expedition wird es begleitet von Schmendrick, einem drittklassigen Zauberer, und von Molly Grue, der ehemaligen Lagergefährtin eines verhinderten Edelräubers. Das seltsame Trio muß bald erkennen, daß die Erkundungsfahrt nicht ohne Kampf und äußerste Gefahr beendet werden kann. Es gilt, dem Roten Stier zu begegnen, der unter König Haggards verfluchtem Schlosse haust…

 

Inhalt:

Ein einsames Einhorn lebt in seinem Wald und bewirkt so, dass in dem Wald ewiger Frühling herrscht und kein Jäger je ein Tier des Waldes erlegt bekommt.

Doch das Einhorn vermisst seine Gefährten und macht sich eines Tages auf den Weg, diese zu finden.

Unterwegs durchsteht das Einhorn so manche Gefahren. Zum Beispiel wird es von der Besitzerin einer Mitternachtsmenagerie gefangen genommen und dann zusammen mit anderen seltsamen Tieren ausgestellt. - Doch der Zauberer steht dem Einhorn bei und befreit es. Zusammen ziehen sie weiter.

In einem Wald stoßen sie auf eine Räuberbande. Dort verscherzt es sich der Zauberer und kann sich mit einem Trick wieder befreien. Die Frau des Hauptmannes der Bande geht mit ihnen und auf einem Schloss finden sie das lang ersehnte. In diesem Schloss lebt der rote Stier und hält die Einhörner im Meer gefangen.

Das Einhorn wandelt als liebliche Jungfrau durch die Mauern des Schlosses und verdreht dem jungen Prinzen den Kopf. Dabei vergisst es, was es selber eigentlich ist und somit ist auch seine eigene Zurückverwandlung in Gefahr.

 

Leseprobe:

… Der König sagte: „Von seiner Unfähigkeit brauche ich nicht überzeugt zu werden. Ein einziger Bilck verrät sie mir, so wie mir ein einziger Blick sagt, dasß du einer der großen Magier dieser Welt bist.“ Mabruk blähte sich, strich seinen prächtigen bart und zog die gütigen Brauchen hoch.

„Aber das bedeutet mir nichts“, furh der König fort. „In der Vergangenheit hat du jedes Wunder vollbracht, das ich von dir verlange – doch hast du damit nur erreicht, daß ich den Geschmack an wundern verloren habe. Für deine kräfte ist keine Aufgabe zu groß – doch wenn das Wunder vollbracht, hat sich nichts geändert. Ich denke, große Macht kann mri nicht geben, was immer ich mir wirklich wünsche. Ein Meistermagier hat mich nicht glücklich gemacht, ich will sehen, was ein unfähiger zustande bringt. Du kannst gehen, Mabruk.“ Er entließ den alten Zauberer mit einem Kopfnicken.

Mabruks Maske der Freundlichkeit schwand, wie ein Funke, der auf Schnee fällt, und mit demselben Geräusch. Sein ganzes Gesicht ward wie seine Augen. „So leicht jagt man mich nicht davon“, sagte er sanft, „nicht aus einer Laune heraus, und sei es eines Königs Laune, und nicht um eines Narren willen. Hüte dich, Haggard! Mabruk ärgert man nicht ungestraft!“

Ein Wind erhob sich in der dunklen Kammer. Er kam von allen Seiten, drang druchs Fenster, durch die halbgeöffnete Tür, doch sein Ursprung war die gekrümmte Gestalt des Hexenmeisters. Kald und widerlich war dieser Wind, ein feuchter, zischender Sumpfwind, der hierhin und dorthin sprang, wi ein spielerisches Tier, das plötzlich die Hinfälligkeit der Menschen entdeckt. Molly Grue suchte Schutz bei Schmendrick, dem es sichtbar unbehaglich zumute war. Prinz Lir bewegte sein Schwerd in der Scheide auf und ab.

Sogar König Haggard wich vor dem triumphierenden Grinsen des alten Mabruk einen Schritt zurück. Die Wände des Raumes schienen zu tauen und zu zerlaufen, das sternenbesetzte Gewand des Hexenmeisters weitete sich zur unendlichen, heulenden Nacht. Mabruk sprach kein wort, doch der Wind begann ein böses, grunzendes Heulen, als er an Stärke zunahm. Im nächsten Augenblik mußte er sichtbar werden, mit einem Donnerschlag Gestalt annehmen. Schmendrick öffnete den Mund, doch wenn er einen Gegenzauber versuchte, so blieb dieser unhörbar und ohne Wirkung.

In dem Dunkel sah Molly Grue, wie die Lady Amalthea in der Ferne am Fenster sich wandte undn eine Hand ausstreckte, an welcher Ring- und Mittelfinger von gleicher Länge waren. Das Mal auf ihrer Stirn leuchtete wie eine Blume.

Der Wind verschwand, als ob er nie geweht, die steinernen Wände umgaben sie wieder, und nach Mabruks Nacht wirkte die düstre Kammer jetzt mittäglich heiter.

Der Zauber kroch beinahe am Boden, starrte die Lady Amalthea an. Sein weises, gütiges Gesicht sah aus wie das Gesicht eines Ertrunkenen, sein Bart fiel schütter vom Kinn wie abgestandenes Wasser. Prinz Lir nahm ihn beim Arm.

„Komm, Großväterchen“, sagte er nicht unfreundlich, „da hinaus, so. Ich werde dir einen Empfehlungsbrief schreiben.“

„Ich gehe“, reif Mabruk, „nicht aus Furcht vor dir, du Klumpen alten Teiges, noch aus Angst vor deinem undankbaren, verrückten Vater, und schon gar nicht eures neuen Zauberers wegen, viel Glück wünsch` ich euch mit dem.“ Seine Augen begegneten den wölfischen Augen des Königs, und er lachte meckernd.

„Haggard, um nichts in der Welt möch` ich an deiner sTelle sein!“ sagte er. „Du hast dein Verderben zur Vordertür hereingelassen, doch ich bin sicher, dasß es auf einem anderen wege gehenw ird. Ich würde mich genauer ausdrücken, doch steh` ich nicht mehr in deinen Diensten. Das ist jammerschade, denn eine Zeit wird kommen, wo nur ein Meister dich wird retten können – und in jener Stunde wird Schmendrik deiine stüze sein! Leb wohl, armer Haggard, leb wohl!“

Lachend verschwand er, doch sein Frohlocken hielt sich noch lange in den Ecken und Winkel der Kammer, wie der Geruch von Rauch oder der von altem, kalten Staub.

„So“, sagte der König im gruaen Mondlich; er kam langsam auf Molly und Schmendrick zu, seine Schritte waren geräuschlos, sein Kopf wackelte beinahe spielerisch hin und her. „Rührt euch nicht!“ befahl er dann. „Ich will eure Gesichter sehen.“

Sein Atem raspelte wie ein Messer am Schleifstein, als er die beiden musterte.

„Näher“, brummte er, „kommt näher, noch näher! Ich möchte euch ganz genau sehen.“

„Dann mach ein Licht an“, sagte Molly Grue. DieGelassenheit der eigenen Stimme, jagte ihr mehr Angst ein als das Wüten des alten Hexenmeisters. >Um ihretwillen mutig zu sein, da ist leicht<, dachte sie, >aber wenn ich einmal anfagen, um meinetwillen mutig zu sein, wo soll das enden?< „Ich mache nie Licht“, erwiderte der König. „Was wäre der Nutzen von Licht?“

Er wandte sich von ihnen ab, wobei er vor sich hinmurmelte: „Das eine Gesicht ist so gut wie ohne Arg, beinah töricht, doch nicht töricht genug. Das andere Gesicht iwe wie mein eigenes, und das beduetet Gefahr. Das alles habe ich schon am Tor gesehen, warum ließ ich sie nur herein? Mabruk hat recht, ich bin alt geworden, kindisch und leichtsinnig. Und doch, wenn ich in ihre Augen blcike, dann sehe ich nichts aus mich selbst.“ ...