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Heribert Schwan - „Die Frau an seiner Seite“

ISBN:978-3-453-18175-5

Klappentext:

42 Jahre stand sie an der Seite Helmut Kohls, davon 16 Jahre als Kanzlergattin. Doch dann der Schock: ihr tragischer Freitod. Was verbarg Hannelore Kohl hinter ihrem Lächeln? Was hatte es mit ihre Lichtallergie auf sich?

Heribert Schwan, der bis kurz vor ihrem Tod in engem Kontakt zu Hannelore Kohl stand, zeichnet ein einfühlsames und zugleich erschütterndes Porträt einer starken, aber einsamen Frau.

Inhalt:

Hannelore Kohl, die Frau an der Seite von Altkanzler Helmut Kohl. Eine Frau die so unscheinbar wirkte, es aber laut diesem Buch ist es alles andere.

Man erfährt etwas über ihre Eltern, ihre Großeltern, dann über ihre Kindheit und Jugend. Ganz besonderes Augenmerk wird hier auf ihre Erlebnisse im Krieg und auch in der Nachkriegszeit gelegt. Mit all ihren negativen Begebenheiten und auch den wenigen positiven.

Als es dann an die Zeit mit Helmut Kohl geht, wird es dann teilweise echt zwiespältig. Sie hasste seinen Job, hielt aber verbissen und mit aller Macht zu ihm. Sie verteidigt trotz aller Öffentlichkeit ihre Privatspähre, hielt ihre Söhne aus der Presse raus und wurde da teilweise richtig bissig.

Der politische Aufstieg ihres Mannes war auch für sie nicht immer leicht. Man mag es nicht glauben, aber da gab es wirklich auch Existenzängste.

Leseprobe:

… Die Fotogalerie in seiner Wohnung weist ihn als wichtigsten medizinischen Beistand in den langen Jahren von Helmut Kohls politischer Karriere aus. Im Jahr 1993 kam es zum Bruch zwischen der Kohl-Familie und dem getreuen Leibarzt. Zu diesem Zeitpunkt wurde der Chirurg verdächtig, Hannelore ein falsches Medikamente mit beinahe tödlicher Wirkung verabreicht zu haben, das zu einem langwierigen Krankenhausaufenthalt führte. Der Mediziner weigert sich heute, darüber zu sprechen, hat aber offenbar gute Argumente dafür, nicht der Verursacher der lebensbedrohlichen Krankheit gewesen zu sein.

Woraus Hannelore indes kein Geheimnis machte, war ihre große Liebe zu Tieren. Von Hunden „Dorli“ und „Igo“ und der zugelaufenen Katze wurde bereits berichtet. Als der Schäferhund 1972 starb, war die trau im Hause Kohl riesengroß. Die Söhne, die mit dem Tier aufgewachsen waren, weinten tagelang. Auch Hannelore trauerte um ihren treuen Begleiter, dessen Tod sie schmerzlichst an ihren geliebten Dackel erinnerte, der in einer Leipziger Bombennacht zu Tode gekommen war.

Während sie sich Menschen gegenüber reserviert verhalten konnte, ging sie auf Tiere mit großer Offenheit zu, vor allem auf Hunde. Mit Herrchen und Frauchen konnte sie endlos über Rasse und Zucht von Vierbeinern plaudern. Alles, was ein dichtes Fell hatte, erregte ihr Interesse. Sie ließ sich sogar hinreißen, Löwenbabys zu taufen und übernahm für einen guten Zweck auch die Patenschaft. Vom Posieren mit Kühen oder Pferden während des traditionellen Sommerurlaubs in Österreich hielt sie indes wenig. Zum inszenierten Charakter der Bilder kam, dass die Kühe in ihren Augen schlicht dumm waren. Ähnlich verhielt es sich mit Federvieh. Diese Frau, die Schlangen angstfrei anfassen und sich um den Hals legen lassen konnte, geriet beim Schwimmen im Wolfgangsee in Panik, wenn sich in weiter Enterung ein Schwan näherte. Sie hatte große Angst, von einem solchen Tier angegriffen zu werden, was aber nie passierte, weil sie rechtzeitig aus dem Wasser floh.

Hannelore Kohl liebte und fürchtete, mochte und mied. Das galt nicht nur für Tiere, sondern in besonderem Maße für die Menschen in ihrem Umfeld. Dabei spielten sicherlich auch die Meinungen und Gefühle ihres Mannes eine nicht unwesentliche Rolle. Im Mainzer Regierungskabinett ebenso wie in der Staatskanzlei gab es Mitglieder und Mitarbeiter, die sie schätze und mochte und andere, die sie verachtete und ablehnte. Dieser auffällige Hang zur Schwarz-Weiß-Malerei war ihr ebenso eigen wie ihrem Mann. Dabei gab es zum Teil große Unterschiede, die sich meist in sehr persönlichen Einschätzungen zeigten. Bekanntlich interessierte sich die Ministerpräsidenten-Gattin nur begrenzt für geschichtliche Zusammenhänge. In politischen Analysen und Wertungen folgte sie blind ihrem Mann, ohne dabei große eigene Anstrengungen zu unternehmen. Politische Prozesse interessierten sie allerdings immer dann, wenn sie selbst – vor allem aber ihre Kinder – unmittelbar davon betroffen waren. Ein Beispiel war die Schulpolitik in Rheinland-Pfalz, später ging es um Wehrdinest und Studium. Beim Thema Schule ließ sie kein gutes Haar an Helmuts Kabinettsmittglied Hanna-Renate Laurien. Mit deren Schulpolitik war Hannelore überhaupt nicht einverstanden und legte sich mehrfach im direkten Gespräch mit Laurien an. Mit Bernhard Vogel, damals Kultusminister im Kabinett Kohl, stritt sie ebenso verbissen und erklärte ihm unverhohlen, er habe deshalb schon keine Ahnung von der Materie, weil er weder Frau noch Kinder habe. Hannelore hingegen erlebte denSchulalltag mit allen seinen Schwächen und Unzulänglichkeiten mit nur mittelbar durch ihre Söhne, sondern auch direkt durch ihre über 18 Jahre währende aktive Mitarbeit in Elternbeiräten. Sie verstand sich allein deswegen als Praktikerin, die den oftmals ministerialen Theoretikern Argumente liefern und mit Verve entgegenschleudern konnte, von denen diese in Form und Inhalt so noch nie gehört hatten. Natürlich hatte sie in den Elternbeiräten immer breite Unterstützung, weil man von ihre Reformen und Änderungen zum Besseren erhoffte, die sie als Gattin des Ministerpräsidenten vielleicht durchzusetzen vermochte. Und sie tat alles, was diesbezüglich in ihren Kräften stand. Überliefert wird, dass Helmut Kohl die Anregungen seiner Frau in der Schulpolitik in die Kabinettssitzungen einbrachte und darauf achtete, dass sie ernst genommen und möglichst umgesetzt wurden.

Getreu ihrer Neigung zur Schwar-Weiß-Malerei beurteilte Hannelore die Mitglieder des Kabinetts Kohl durchaus kritisch. Einen guten Zugang hatte sie beispielsweise zu Innenminister Heinz Schwarz und vor allem zu dessen Frau Margret, die über beachtliche intellektuelle Fähigkeiten verfügte. Zu Hannelores „Lieblingen“ zählten auch Johann Wilhelm Gaddun und der breites genannte Kultusminister Bernhard Vogel, den sie allerdings in der Mainzer Zeit nicht immer ganz ernst nahm. Otto Theisen wiederum, der Justizminister, wurde hoch geschätzt und von Hannelore als Spitzenjurist bewundert. Anders Helmut Kohls Freund und Förderer Waldemar Schreckenberger. Der weit über die Grenzen von Rheinland-Pfalz anerkannte Wissenschaftler und Einser-Jurist fiel bei Hannelore glatt durch. Sie hielt ihn einfach für sonderbar. Im Laufe der Jahre entwickelte Kohls Gattin feine Sensoren für Personalentscheidungen, wovon der spätere Bundeskanzler noch häufig profitierten sollte. In Mainz hatte der jüngste Ministerpräsident der Republik eine Truppe von ministrablen Persönlichkeiten um sich geschart, die bundesweit Aufsehen erregten. Für Hannelore galten die meisten als glückliche Wahl. Der Mainzier Regierungssprecher Hennes Schreiner, den Kohl als Redakteur vom hessischen Rundfunk abgeworben und mit viel Macht und gutem Gehalt ausgestattet hatte, gehörte nicht dazu. Sie mochte ihn nicht, wenngleich sie seine fachlichen Qualitäten anerkannte. Schließlich Willibald Hilf, Chef der Staatskanzlei, intellektueller Kopf und einflussreicher Ratgeber des Mainzer Regierungschefs und Patenonkel des jüngsten Kohl-Sohnes. Ihn mochte Hannelore von Anfang an ganz besonders, weil er sich von der Schar der CDU-Fuktioniere abhob, über politisches Geschick und Sensibilität verfügte und einen eigenen Kopf hatte . ...