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Wolfgang Hohlbein - „Die Moorhexe“

ISBN: 4-404-13421-4

Klappentext:

Eine Jahrtausendflut hat es an Land gespült, in einer einzigen sturmdurchpeitschten Nacht. Und als das Meer sich zurückzog, blieb es als Gefangener im Moor zurück – ein Wesen aus den lichtlosen Tiefen des Ozeans, älter als die Menschheit selbst: die Moorhexe. Und diese Moorhexe wartet, erfüllt von unendlicher Gier nach Leben und grenzenlosem Hass. Dann schuf sie die Falle, eine perfekte tödliche Falle, die auf ihre ahnungslosen Opfer wartet: das Haus am Moor. Ein Horrorroman der Extraklasse, böse und doch poetisch.

Inhalt:

Eigentlich wollten die beiden auf dem Land glücklich werden. Mit einem Haus und Hof. Dazu ein paar Tieren wollten Liz und Stefan der Großstadt entfliehen. Und zunächst sieht es auch so aus, als könnte ihnen das gelingen. Einzig die Einwohner des Dorfes scheinen die beiden nicht zu mögen und Liz geht auf offene Konfrontation. Damit begeht sie jedoch einen schweren Fehler. Das jedoch stellt sie erst fest, als es fast zu spät ist.

Das Grauen beginnt mit fürchterlichen Albträumen, die Liz aber so real erscheinen. Plötzlich beginnt die ganze Umgebung komisch zu werden. Seltsame Laute, furchterregende Schatten und der Hund ist nur noch hysterisch.

Das Grauen nimmt seinen Lauf und Liz ist darin gefangen. Sie will dem Ding jedoch nicht klein bei geben und kämpft.

Leseprobe:

… „Du siehst schrecklich aus“, sagte Stefan nach einer Weile. „Warum gehst du nicht schlafen?“ Er sah auf die Uhr. „Der Tag ist ohnehin fast vorbei.“

Liz machte eine Handbewegung, als wollte sie seine Worte beiseiteschieben. „Wie kommst du mit deinem Buch voran?“, fragte sie.

„Der Roman?“ Stefan blickte flüchtig auf den Stapel beschriebenen Papiers, der sich im Auffangkorb seines Druckers angesammelt hatte. „Gut. Ich denke, in zwei, drei Tagen bin ich fertig.“ Er lächelte, aber irgendetwas an seiner Freundlichkeit war unrecht. Liz glaubte überdeutlich etwas Falsches, Heimtückisches hinter seinem Lächeln zu fühlen. Mein Gott, dachte sie, was geschieht mit mir?

Aber sie konnte sich nicht  dagegen wehren. Das Gefühl war zu stark. Plötzlich, von einer Sekunde auf die andere, widerte er sie an. Ein Gefühl des Abscheues, des Ekels wallte in ihr empor. Seine Worte schienen wie hohn in ihren Ohren zu klingen, und allein seine Nähe war ihr mit einem Mal fast unerträglich. Sie musste ihre ganze Willenskraft aufbieten, um nicht aufzuspringen und aus dem Zimmer zu rennen.

Auch Stefan schien die Veränderung zu bemerken. „Was hast du?“ fragte er.

„Nichts“, sagte sie ausweichend. „Ich … fühle mich nicht wohl, das ist alles.“

„Na ja, das ist auch nicht weiter verwunderlich“, murmelte Stefan, nachdem er sie eine Weile schweigend beobachtet hatte. „Hast du deine Tabletten genommen?“

Sie nickte, hob verlegen die Hand und schüttelte den Kopf.

„Aha“, machte Stefan. „Und was bedeutet das jetzt?“

„Dass ich sie nicht genommen habe, was sonst?“, antwortete sie bissig. „Ich brauche keine Tabletten. Schließlich bin ich nicht krank.

Stefan lächelte resignierend. „Hätte ich mir  eigentlich denken können“, murmelte er.

„Aber das spielt ja nun auch keine Rolle mehr. Die Hauptsache ist, du fühlst dich besser. Du fühlst dich doch besser, oder?“

„Das weiß ich noch nicht so genau“, gestand Liz, die sich der Tatsache vollkommen bewusst war, dass sie nicht nur leichenblass sein musste sondern auch am ganzen Leib zitterte. Warum, zum Teufel, stellte er solche dummen Fragen? Er wusste ganz genau, was mit ihr los war!

„Es tut mir leid, was heute morgen passiert ist“, sagte er plötzlich. Die Worte kamen so unvermittelt, dass sie einen Moment brauchte, um überhaupt zu begreifen, worüber er sprach. „Du hattest völlig recht, wenigstens, was Peter angeht.“ Er lächelte verlegen, als wüsste er nicht genau, wie er fortfahren sollte. Worauf wollte er hinaus?

„Ich habe mich vorhin mit ihm unterhalten. Ziemlich lang sogar. Eigentlich ist er ein ganz netter Kerl. Ein wenig verschlossen, aber im Grund ganz prima. Wusstest du, dass er eine Tochter hat?“

Liz sah überrascht auf, nickte. „Das hat er dir erzählt?“

„Warum? Stimmt es nicht?“

„Doch, doch“, sagte Liz hastig. „Ich... wundere mich nur, dass er es dir erzählt hat.“

„Und warum sollte er nicht?“ gab Stefan beleidigt zurück. „Du weißt es ja schließlich auch, oder? Du wusstest es sogar vor mir. Ohne es für nötig zu halten, mich darüber zu informieren.“

Liz überging den vorwurfsvollen Ton in seiner Stimme, als hätte sie ihn nicht gehört. „Ich habe den armen Kerl auch ganz schön unter Druck gesetzt, um die Wahrheit aus ihm heraus zu bekommen“, sagte sie. „Ich bin mir ziemlich mies dabei vorgekommen, wenn ich ehrlich sein soll.“

Stefan grinste. „Das hatte ich gar nicht nötig“, sagte er überlegen.

„So?“

Er schüttelte den Kopf. „Nein. Wenn sich zwei Männer wirklich  verstehen, dann haben sie keine Geheimnisse voreinander.“

„Und gleich wirst du mir erzählen, dass es wahre Liebe sowieso nur unter Männern gibt“, seufzte Liz. „Du bist ganz schön chauvinistisch heute Abend.“

„Wieso? Nur weil ich die Wahrheit sage?“ Stefan lachte, ließ sich zurücksinken und starrte aus zusammengekniffenen Augen gegen die Decke. „Aber jetzt mal im Ernst, Liebling – warum hast du mir nichts davon gesagt?“

Liz zögerte sekundenlang. Sie war verwirrt. Wieso erwähnte er das Mädchen jetzt? …