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Nicole Jamet, Marie-Anne Le Pezenne - „Dolmen“

ISBN: 978-3-426-63653-4

Klappentext:

Eine abgeschiedene Felseninsel vor der bretonischen Küste: Die Polizistin Marie Kermeur ist nach Lands´en zurückgekehrt, um zu heiraten. Doch am Vorabend der Hochzeit wird ihr Brautschleier von einer sterbenden Möwe mit Blut befleckt. Ein böses Omen?

Am nächsten Morgen findet Marie am Strand die Leiche ihres Bruders – und nichts ist mehr, wie es war.

Holt die verhängnisvolle Strandräuber-Legende die Inselbewohner wieder ein? Oder spielt jemand mit den Dämonen der Vergangenheit?

Inhalt:

Marie kommt nach Hause, um ihre Hochzeit zu feiern. Doch bereits nach dem Junggesellenabend findet sie am Morgen die Leiche ihres Bruders. Ganz Polizistin beginnt sie umgehend die Ermittlungen, stößt aber im Laufe der Zeit mehr und mehr auf eine Mauer des Schweigens. Keiner will ihr helfen. Man beschimpft sie sogar, wegen ihres „dreckigen“ Jobs.

Marie lässt sich nicht beirren und ermittelt weiter. Sie bekommt Hilfe von einem Experten für Ritualverbrechen. Zunächst hat sie Probleme mit ihrem neuen Vorgesetzten, aber später wird er nicht nur ihr Chef, sondern auch ein enger Vertrauter und Liebhaber. Das stürzt sie in einen tiefen Gewissenskonflikt, da sie ja noch immer mit einem anderen Mann verlobt ist...

Die Aufklärung des Mordfalls bedeutet für Marie aber am Ende ein Trümmerhaufen ihres Lebens. Sie muss ihr Leben neu ordnen und für sich selber einiges klar bekommen.

Leseprobe:

… In Anbetracht der Ausrichtung der vier Scheinwerfer und wenn seine rasche Berechnung von Achsen und Schusswinkeln stimmte, war er jetzt für den Fall, dass wirklich ein Heckenschütze auf ihn lauerte, wenigstens nichts mehr genau in dessen Schussfeld.

Wieder versuchten seine Augen das Dunkel zu durchdringen. Nichts.

Doch dann hörte er ein seltsames Rascheln. Es klang, als würden Seidenstoffe aneinander gerieben. Alle seine Sinne waren angespannt, er versuchte seinen Blick zu schärfen, um die Quelle des Geräuschs zu finden.

Er traute seinen Augen kaum. Eine schimmernde Luftgestalt flog rasch zwischen den Menhiren hindurch, dann über das Hügelgrab, um schließlich direkten Kurs auf den Steilfelsen zu nehmen.

Lucas stieß einen Fluch aus und rannte, ohne sich um etwaige Heckenschützen zu kümmern, dieser gespenstischen Erscheinung nach.

Er kletterte gerade über das Hügelgrab, da sah er sie über die Kante seglen und verschwinden. Als er endlich freie Sicht hatte und mit den Augen den weißen Sand der zwanzig Meter tiefer gelegenen Strandräuberbucht absuchte, hatte sich das Ding in Luft aufgelöst.

Und wieder hörte er in seinem Rücken das Geräusch, es wurde lauter.

Er fuhr herum. Die Gestalt in ihrem schillernden Schleier stürzte sich auf ihn wie ein Geier auf seine Beute. Er schoss mehrmals und wich schließlich unwillkürlich zurück.

Unter seinem Fuß bröckelte der Fels, er geriet aus dem Gleichgewicht und meinte, obwohl er nie an Geister geglaubt hatte, von einem Geist getrieben in die tiefe zu stürzen. Als Letztes sah er noch das flüchtige Bild zweier grüner Augen, ein bleiches Gesicht über einer aufgerissenen, blutenden Kehle, umrahmt von ihm Wind wehenden Haar ...

Seine Lieder flatterten im gleißenden Lich. Das berühmte Licht am Ende des Tunnels, von dem so viele berichten, die dem Tod ganz nahe gewesen sind. Wahrscheinlich war er tot oder zumindest beinah. Allerdings funktionierte sein Gehirn noch und registrierte das Piepen eines Radargeräts und eine halb erstickte Stimme, die gerade etwas sagte: Alles in Ordnung... Sie können ihn bald mitnehmen …

Diese Idioten! Er musste ihnen sagen, dass er nicht tot war, sonst würden sie ihn noch einen Zettel an den großen Zeh binden und ihn in eine Kühlschublade stecken. Er zwang sich, die Augen zu öffnen, um ihre Aufmerksamkeit zu wecken, um ihnen zu sagen, das …

Sein Herz stockte.

Da war sie, die großen grünen Augen sahen ihn an, das lange Haar umrahmte ihr Gesicht …

Er spannte alles Muskeln an und stieß die Gestalt mit beiden Armen von sich weg.

Dann rollte er um die eigene Achse. Wie ihm gleich anschießend klar wurde, zog er den Infusionsständer und das Überwachungsgerät, das er für einen Radarschirm gehalten hatte, mit sich nach unten.

Lucas hockte auf dem gekachelten Boden des Krankenhauszimmers und blickte in Maries überaus erstauntes Gesicht.

„Ein Albtraum...“, stammelte er und richtete sich auf. „Mit wem haben Sie gesprochen?“, fragte er dann misstrauisch.

„Mit dem Arzt. Er ist hinausgegangen, gerade bevor Sie ...“

Sie sahn ihn aufmerksam an.

„Sie sehen aus, als hätten Sie ein Gespenst gesehen.“

„Sind Sie doch nicht nach Plymouth gefahren?“, erwiderte er ablenkend und zog mit einer Grimasse die Infusionsnadel aus seinem Arm.