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A. Lee Martinez - „Eine Hexe mit Geschmack“

Untertietel: Mit doppelter Portion Menschenfleisch

ISBN: 3-492-26655-X

Klappentext:

Sie ist untot. Sie ist eine Hexe. Sie hat keinen Namen, aber eine nervtötende Ente als Schutzgeist. Und unbändigen Appetit auf Menschenfleisch … Doch als die Grundfesten der Welt durch einen wahnsinnigen Zauberer erschüttert werden, ändert sich alles. Denn gemeinsam mit dem Weißen Ritter muss die Hexe alles daransetzen, das Zauberreich zu retten. Sie hat allerdings nicht bedacht, wie appetitanregend der Ritter ist, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes … Nach »Die Kompanie der Oger« legt A. Lee Martinez einen neuen rasanten Spaß vor.

Inhalt:

Sie ist namenlos und lebt im elterlichen Keller. Ein alter Fluch sorgte dafür, dass ein Fluch als das sechste Kind ihrer Eltern, auf ihr lastet. Doch sie kennt kein anderes Leben als jenes im elterlichen Keller, bis zu dem Tag, an dem die Grausige Edna sie aus ihrem Keller holt und mit zu sich nimmt. Von ihr lernt sie, wie man eine richtige und tugendhafte Hexe ist.

Der Fluch stellt sich hierbei als sehr hinderlich heraus. Denn die Hexe ohne Namen ist nicht nur untot, sonder dazu auch noch bildschön und ohne jeden Makel, was für eine gute Hexe ein absolutes Unding ist.

Das wirkliche Leben beginnt für die Hexe ohne Namen aber erst mit dem Tag, an dem die Grausige Edna vom Seelenlosen Gustav grausam ermordet wird. An diesem Tag muss die Hexe ohne Namen mit ihren geerbten Vertrauten, der Ente Molch, auf Reisen gehen, um Rache zu nehmen.

Hier trifft sie auf Menschen in einem Ford, gewinnt Freunde und Begleiter und trifft zudem noch auf den weißen Ritter, in dem sie ihre ganz persönliche Prüfung findet, weil Hexen nicht lieben. Das schickt sich nicht.

Leseprobe:

… Der Troll nahm sein Ohr ab und säuberte es von etwas wachs. „Wenn ich richtig verstehe, bist du alterslos, praktisch unverwundbar und für immer schön. Aber du musst rohes Fleisch essen und magst die Sonne nicht.“ Er blies in das Ohr hinein und schabte etwas Kruste vom Ohrläppchen. „Ich möchte deine Situation ja nicht verharmlosen, doch es scheint mir kein besonders schlimmer Fluch zu sein.“

„Ich will aber nicht schön sein.“

„Und ich will nicht verschmäht und gefürchtet werden.“

Molch ergriff das Wort. „Und ich wäre lieber keine Ente.“

„Genau. Uns allen wurde ein Los auferlegt, das wir lieber nicht tragen wollen. Nicht, dass ich mich beschweren möchte. Es gibt vieles, was ich daran zu schätzen weiß, ein Troll zu sein.“

„Es ist nichts Gutes daran, eine Ente zu sein.“

„Es muss doch nett sein, fliegen zu können.“

„Ich kann nicht fliegen“, murmelte Molch.

„Oh. Schwimmen?“

„Ich mag kein tiefes Wasser.“

„Tut mir leid, das zu hören.“ Der Troll steckte das Ohr zurück an seinen Platz. „Auf jeden Fall ist keiner von uns wirklich Herr seines Schicksals. Zumindest nicht über den Beginn. Und mir scheint, ich wurde unter einem schlimmeren Fluch als deinem geborgen.“

„Vielleicht“, stimmt eich zu.

Nicht lange, nachdem ich unter die Aufsicht der Grausigen Edna gelangt war, hatte ich dieselbe Feststellung gemacht. Meine Herrin hatte mich schnell eines Besseren belehrt.

„Denk immer daran, Mädchen, die Magie ist wissend. Alle Dinge existieren auf eine bestimmte Art und Weise. Selbst solche Dinge, die wir nicht fassen könne, wie Wind und Jahreszeiten oder Schwerkraft. Aber nichts ist so wissen wie die Magie. Sie spielt mit Zauberern und Hexen und Magie, aber täusche dich nicht: Wir dienen der Magie, nicht umgekehrt.

Ich konnte nicht behaupten, dass ich genau verstand, was sie damit gemeint hatte, aber ich achtete den Rat. Ich verachtete meinen Fluch zwar nicht, aber ich betrachtet ihn auch nie als Segen.

„Bist du sicher, dass dies der Weg zu deinem Schicksal ist?“, fragte Gwurm.

„Unser Schicksal ist immer dort, wohin wir gehen“, antwortet ich. „Normalerweise ist es uns einen oder zwei Tage voraus“, fügte ich hinzu, weil ich fand, dies sei eine hexenhafte Ausdrucksweise.

Er zuckte die Achseln. „Wenn wir in dieser Richtung weitergehen, werden wir am späten Nachmittag eine Menschensieldung erreichen.

Pik und ich sind nie in ihre Nähe gegangen. Es ist eine Garnisonsstadt.“

Ein nagender Wunsch, diese Stadt zu sehen, überkam mich. Wir alle sind von allem anderen lediglich durch Raumklumpen und Teelöffel von zufälligen Ereignissen getrennt. Diese Stadt lag nur anderthalb Tagesreisen von meinem Wald entfernt, doch ich hatte nie in Betracht gezogen, dass sie existieren könnte.

Die Grausige Edna hatte mir einige Städte beschrieben, weil sie in vielen gewesen war, lange, bevor ich sie kannte. Es schienen phantastische Orten voll von Tugenden und Fehltritten der Menschen zu sein. Ich kannte die Eigenheiten von Natur und Magie zwar gut, aber ich wusste eigentlich nichts über die Zivilisation. Es flößte mir auf eine Art, die ich nicht gewohnt war, Furcht ein, nicht zu wissen, was ich zu erwarten hatte. Aber es war auch aufregend. Selbst Hexe zu sein bedeutet jedoch, nicht nur die Reiche der Magie zu erforschen, sondern auch die fremder Zivilisationen.

Ob es Hexenhaftigkeit war oder schlichte Neugier, was mich vorantrieb, konnte eich nicht eindeutig sagen. Aber meine Vorfreude ließ sich nicht leugnen, obwohl ich sie vor meinen Gefährten verbarg. Ich wollte diese Stadt sehen. Und was noch wichtiger war: Ich musste sie sehen.

Doch sie stellte sich als Enttäuschung heraus.

Es war gar keine Stadt, sonder eher eine Stadt in spe. Das halb fertige Fort stand auf einer grasbewachsenen Ebene. Eine Menge Zelte und provisorische Unterkünfte umgaben es.

Sehr viele Leute liefen umher. Sie lösten ein klein wenig Furcht in mir aus. Obwohl ich wusste, dass es echte Städte und Großstädte gab, in denen Tausend und Abertausende lebten, war das das Meiste, was ich je gesehen hatte. Ich wollte davonschleichen und erst im Schutz der Dunkelheit zurückkehren, vielleicht einen Hund oder ein fettes Kind zum Abendessen stehlen.

„O je“, bemerkte ich.

„Was?“, fragte Molch.

„Ich habe Appetit auf menschliches Fleisch.“

„Und das merkst du erst jetzt?“ ...