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P. C. Cast und Kristin Cast – "Betrogen"

House of Night Band 2

ISBN: 3-404-16032-0

Klappentext:

Zoey hat sich im House of Night eingelebt und gewöhnt sich an die enormen Kräfte, die ihr die Göttin Nyx verliehen hat. Endlich fühlt sie sich sicher und zu Hause, da passiert das Unfassbare: Menschliche Teenager werden getötet und alle Spuren führen zum House of Night. Als die Freunde aus ihrem alten Leben in höchster Gefahr schweben, ahnt Zoey, dass die Kräfte, die sie so einzigartig machen, eine Bedrohung sein können: für alle, die sie liebt.

Inhalt:

Zoey muss an einem Elterntag (bzw. eine Elternacht) erleben, die ihr gar nicht behagt. Ihr "Stiefpenner" zeigt sich mal wieder von seiner "besten" Seite und macht mit seinen Tiraden nicht mal vor Neferet halt und seine Mutter sagt zu allem mal wieder Ja und Amen. Zoey scheint aus der Familie völlig ausgestoßen.

Auch Aphrodite ihr Verhalten wird verständlicher, als Zoey eine Szene zwischen ihren Eltern und ihr mitbekommen muss. Doch beste Freundinnen will sie nach wie vor nicht mit ihr werden.

Dann verschwinden Jungen aus ihrem "früheren" Leben und werden nur tot wieder aufgefunden. Die Polizei kommt ins House of Night, um Zoey zu verhören, weil es Freunde von Zoey gewesen sind. - Dann muss Zoey auch noch ihr erstes Vollmondritual als neue Anführerin der Töchter der Dunkelheit abhalten und bekommt direkt davor noch die Show von ihrer Vertrauenslehrerin gestohlen. Überhaupt verhält sich Neferet in ihren Augen höchst seltsam. Aber als ihre beste Freundin, direkt nach einem gelungenen Ritual, und kurz nach Erhalt einer Affinität sterben muss, ist sie wieder helfend an der Seite der der Kinder.

Zoey hat keine Zeit zu trauern. Sie muss die Sache mit den verschwundenen Jungen und diesen Erscheinungen aufklären. - Sie hat keine Ahnung, dass das eine direkte Konfrontation mit Neferet bedeuten wird.

Leseprobe:

... Wir waren auf dem Weg zur ersten Stunde.

Um ehrlich zu sein, rannten wir fast. Wie üblich waren wir extrem spät dran. Ich hätte mir die zweite Schale Count-Chocula-Schokoflocken echt verkneifen sollen.

Stevie Rae verdrehte die Augen. "Und du sagst mir immer, ich war zu nett."

"Ich bin nicht nett. Ich habe nur Verständnis. Aber mein Verständnis ändert nichts an der Tatsache, dass sie sich benimmt wie eine Hexe der Hölle."

Stevie Rae schnaubte und schüttelte den Kopf, dass ihre blonden Locken flogen wie bei einem kleinen Mädchen. Hier im Haus der Nacht, wo jeder, sogar die meisten Jungs, lange Haare hatten, fiel ihre Kurzhaarfrisur ziemlich auf. Okay, ich hatte schon immer lange Haare gehabt, aber es war trotzdem krass, als ich frisch hierher gekommen war und überall, wohin ich blickte, nur Haare sah.

Inzwischen war mit klar, warum: Es gehört zur körperlichen Wandlung, dass die Haare und Nägel bei uns Jungvampyren unnatürlich schnell wachsen. Mit ein bisschen Übung kann man genau sagen, in welchen Jahrgang ein Jungvampyr gehört, ohne auf die Stickerei auf seiner Jacke zu schielen. Da Vampyre sich äußerlich von Menschen unterscheiden (nicht negativ gemeint – sie sind einfach nur anders), ist es ja nur logisch, dass ein Jungvampyr diese Veränderung nach und nach durchmacht.

"Zoey, du hörst mir überhaupt nicht zu."

"Hä?"

"Ich hab gesagt, du darfst Aphrodite gegenüber nicht unvorsichtig werden. Okay, dann hat sie halt grausige Eltern, und die machen ihr Vorschriften und bestimmen über sie. Aber sie ist trotzdem voller Hass, böse und rachsüchtig. Sei wachsam!"

"He, keine Sorge, das bin ich doch."

"Okay, Gut. Wir sehen uns in der dritten Stunde."

"Bis dann", rief ich ihr nach. Mannoman, was die sich immer für Sorgen machte!

Ich hatte es gerade noch so auf meinen Platz neben Damien geschafft, der mit einer hochgezogenen Augenbraue bemerkte: "Wieder zwei Schüsseln Count Chocula gehabt, was?", als es klingelte und Neferet ins Klassenzimmer rauschte.

Ja, ich weiß, es ist schon komisch (oder vielleicht sollte man >grenzwertig< sagen), wenn man als Frau die ganze Zeit davon schwärmt, wie toll eine andere Frau aussieht, aber Neferet ist einfach so wunderschön, dass sich alles Licht im Zimmer sofort auf sie zu richten scheint, wenn sie hereinkommt. Sie trug heute ein schlichtes schwarzes Kleid und zum Umfallen schöne schwarze Stiefel, dazu die silbernen Göttinenspiralohrringe. Wie immer war über ihrem Herzen das silberne Göttin-Mond-Symbol eingestickt. Neferet sah der Göttin nicht wirklich ähnlich (ich würde immer noch schwören, dass ich Nyx an dem Tag, als ich ich gezeichnet wurde, in einer Vision gesehen habe!), aber sie war von der gleichen Aura der Kraft und Selbstsicherheit umgeben. Ich geb`s zu – ich wäre unheimlich gern wie sie gewesen.

Heute lief ihre Stunde nicht nach dem üblichen Muster ab. Statt wie normalerweise den Lehrstoff vorzutragen (und erstaunlicherweise waren Neferets Vorträge nie langweilig!), gab sie uns eine einfache schriftliche Aufgabe. Es ging um die Medusa, mit der wir uns die ganze Woche über beschäftig hatten. Wir hatten erfahren, dass sie in Wirklichkeit überhaupt kein Monster gewesen war, das Menschen durch einen Blick zu Stein erstarren ließ, sondern ein große Hohepriesterin der Nyx, deren von der Göttin verliehene Gabe eine Affinität oder besondere Verbindung zur Erde gewesen war. Daher kam wohl auch dieser Versteinerungsmythos. Ich bin ziemlich sicher, dass eine Hohepriesterin mit magischer Verbindung zur Erde kein Problem damit hat, jemanden mal rasch in Stein zu verwandeln, wenn sie so richtig angepisst ist. (Steine sind schließlich auch Teil der Erde!) Unsere Aufgabe war also, ein Essay über die Mythen- und Symbolbildung bei den Menschen zu schreiben und darüber, welche Bedeutung hinter der Fiktionalisierung der Medusenstory wirklich stand.

Aber ich hatte überhaupt keine Ruhe zum Schreiben. Ich hatte ja schließlich noch das ganze Wochenende Zeit, den Essay fertig zu machen. Ich  machte mir viel mehr Gedanken um die Töchter der Dunkelheit. Sonntag war Vollmond. Da würde ich zum ersten Mal das Ritual leiten müssen. Außerdem war mir klar, dass auch von mir erwartet wurde, dass ich die Änderungen ansprechen würde, die ich bei den Töchtern der Dunkelheit vernehmen wollte ...