ich-geb-dir.info
Home.
Delfine.
Hunde.
Literatur.

P.C. Cast und Kristine Cast - „Ungezähmt“

House of Night Band 4

ISBN: 3841420044

Klappentext:

Das Leben ist total ätzend, wenn deine Freunde so richtig sauer auf dich sind. Zoey weiß, wovon sie spricht. In nur einer Woche wenden sich alle ihre Freunde von ihr ab und sie wird zur absoluten Außenseiterin. Jetzt bleiben ihr nur noch zwei wirkliche Freunde, allerdings ist die eine untot und der andere nicht mal Gezeichnet. Außerdem hat die Hohepriesterin Neferet den Menschen den Krieg erklärt und Zoey weiß tief in ihrem Herzen, dass das falsch ist. Aber wird irgendjemand auf sie hören? Zoeys Abenteuer auf dem Vampyr-Internat nehmen eine gefährliche Wendung: Ihr Vertrauen wird auf eine harte Probe gestellt, schreckliche Pläne kommen ans Licht, und eine uralte, böse Macht erhebt sich.

Inhalt:

Zoey hat zwar ihre beste Freundin wieder, sie ist nicht tot, wie alle glauben, kann es aber nicht jedem mitteilen und sie schon gar nicht in ihr Zimmer zurück holen, weil sie trotz allem kein Tageslicht mehr verträgt. Sie braucht Blut und hat ihre Menschlichkeit wieder. Und mit ihr auch die anderen „roten“ Jungvampyre. Dieser Umstand muss vor Neferet unbedingt geheim gehalten werden.

Dann ist da dieser seltsame Junge, der sich „Starkg nennt. Er ist von einem anderen House of Night in dieses gekommen und beichtet Zoey kurz vor seinem Tod seine Gabe, die ihm Nyx gegeben hat, die ihn aber alles andere als glücklich macht. Dann stirbt er in Zoeys Armen. Doch ist er wirklich und endgültig tot, oder wird er auch zu einem Roten?

Zoey spürt, dass mit Neferet irgendetwas nicht in Ordnung ist. - Sie ist so seltsam und scheint zwei Gesichter zu haben. - Sie hat definitiev etwas vor, aber was?

Leseprobe:

... Ich weiß nicht, wie viele Stunden vergangen waren. Ich hatte Darius und Aphrodite zurück zur Schule geschickt – unter Protest - , aber Aphrodite war klar, dass es besser war, sie sorgte dafür, dass in der Schule nichts schiefging, damit ich mir darüber nicht auch noch den Kopf zerbrechen musste, während ich hier war und mir schon genug Sorgen um Grandma machte. Das war auch das Argument gewesen, mit dem ich sie schließlich dazu gebracht hatte zu gehen. Darius versprach ich, keinen Schritt aus dem Krankenhaus zu tun, ohne ihn vorher anzurufen, damit er mich abholte, auch wenn die Schule höchstens einen Kilometer die Straße runter lag und ich ohne Probleme hätte laufen können.

Auf der Intensivstation verging die Zeit ganz seltsam. Außenfenster gab es keine, und außer dem sciencefiction-mäßigen Summen und Ticken und Piepsen der Krankenhausmaschinen war es überall dunkel und still. Es war wie eine Art Wartezimmer des Todes, was mich völlig fertigmachte. Aber ich konnte Grandma nicht alleine lassen. Ich würde sie nicht alleine lassen, bevor nicht jemand, der in der Lage war, mit Dämonen fertig zu werden, meinen Platz eingenommen hatte. Also saß ich da und wartete und wachte über ihren schlafenden Körper, der gegen seine Wunden ankämpfte.

So saß ich da, hielt ihre Hand und sang ihr leise eines der Cherokee-Schlaflieder vor, die sie mir vor dem Zubettgehen immer so gern vorsang, als Schwester Mary Angela endlich ins Zimmer rauschte. Sie warf nur einen Blick auf mich, dann auf Grandma, dann heilt sie die Arme auf. Ich flog in ihre Arme, und der weiche Stoff ihres Habits erstickte meine Schluchzer.

„Schhh. Alles wird gut, mein Kind. Sie ist in der Hand Unserer Lieben Frau“,  murmelte sie und tätschelte mir sanft den Rücken.

Als ich endlich sprechen konnte, sah ich sie an und dachte, dass ich noch nie im Leben so froh gewesen war, jemanden zu sehen.

„Tausend Dank, dass Sie gekommen sind, Schwester.“

„Es ehrt mich, dass du mich angerufen hast, und es tut mir leid, dass ich so lange gebraucht habe. Ich hatte im Kloster noch einige dringende Angelegenheiten zu regeln.“

„Das macht nichts. Ich bin froh, dass Sie überhaupt da sind. Schwester Mary Angela, das ist meine Grandma Sylvia Redbird“,  sagte ich etwas erstickt. „Sie hat mir den Vater und die Mutter ersetzt, ich kann gar nicht beschreiben, wie ich sie liebe.“

„Sie muss eine ganz besondere Frau sein, wenn eine solche Enkelin sie so sehr liebt.“

Ich warf ihr einen raschen Blick zu. „Die hier im Krankenhaus wissen nicht, dass ich ein Jungvampyr bin.“

„Das sollte eigentlich keine Rolle spielen“,  sagte die Nonnen entschieden. „Wenn du oder eines deiner Familienmitglieder Hilfe und Unterstützung braucht, sollte man sie dir gewähren, egal was du bist.“

„So ist es aber nicht immer“, sagte ich.

Ihre klugen Augen betrachteten mich ruhig. „Da muss ich dir leider zustimmen.“

„Dann werden Sie mir helfen, ohne denen zu sagen, was ich bin?“

„Das werde ich.“

„Gut. Grandma und ich brauche nämlich dringend Ihre Hilfe.“

„Was kann ich tun?“

Ich blickte zu Grandma hinüber. Sie schien friedlich zu schlafen, wie schon die ganze Zeit, während ich bei ihr gewacht hatte. Ich hatte kein Vogelflattern mehr gehört und auch keine schlechten Vorahnungen gehabt. Trotzdem widerstrebte es mir, sie allein zu lassen, und sei es nur für ein paar Minuten.

„Zoey?“

Ich sah dieser außergewöhnlichen Nonne in die sanften, wissenden Augen und sagte ihr die unverhohlene Wahrheit. „Ich würde gern mit Ihnen reden, aber nicht hier drin, wo wir jeden Augenblick unterbrochen oder belauscht werden könnten. Aber ich habe Angst, Grandma hier allein und schutzlos zurückzulassen.“

Ohne sich im Geringsten an meinem merkwürdigen Verhalten zu stören, erwiderte sie ruhig meinen Blick. Dann holte sie aus einer der Brusttaschen ihres weiten schwarzen Habits eine kleine, aber wunderschön fein geschnitzte Statue der Jungfrau Maria.

„Würde es dich ein bisschen beruhigen, wenn ich Unsere Liebe Frau hier bei deiner Grandma ließe, während wir reden?“

Ich nickte. „Würde es, glaub ich.“ Ich versuchte nicht allzu genau darüber nachzudenken, warum ein Bildnis der Mutter der Christenheit, das eine Nonne bei sich trug, mir solche Sicherheit verlieh. Ich war nur dankbar, weil mein Bauchgefühl mir sagte, dass ich dieser Nonne und ihrer `Magie´ vertrauen konnte.

Schwester Mary Angela stellte die kleine Marienstatue auf Grandmas Nachttisch. Dann neigte sie den Kopf und faltete die Hände. Ich sah, wie ihre Lippen sich bewegten., aber was sie sagte, war so leise, dass ich es nicht hörte. Dann gekreuzigte sie sich, küsste ihre Fingerspitzen und berührte leicht die Statue, und dann verließ sie gemeinsam mit mir das Zimmer. ...