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P.C. Cast & Kristin Cast - „Versucht“

House of Night Band 6

ISBN: 3-596-19060-6

Klappentext:

Nachdem Zoey und ihre Freunde Kalona und Neferet aus Tulsa vertrieben haben, hätten sie eigentlich eine Pause verdient. Aber obwohl Zoey und ihr sexy Krieger Stark sich erst einmal von ihrer Begegnung mit dem Tod erholen müssten und auch die Jungvampyre die Nachwirkungen von Neferets Terrorherrschaft zu verarbeiten hätten, ist ihnen allen keine Ruhe vergönnt.

Stevie Rae glaubt mit ihren außergewöhnlichen Kräften gut allein all das regeln zu können, was sie vor ihren Freunden verheimlicht. Doch eine mysteriöse und beängstigende Macht breitet sich in den Tunneln unter Tulsa aus. Aber Stevie Rae will nicht sagen, was dort vor sich geht und was sie dort gemacht hat. Allmählich beginnt Zoey sich zu fragen, wie sehr sie ihr noch vertrauen kann.

Werden sie die richtigen Entscheidungen treffen oder werden dunkle Mächte das House of Night zerstören?

Inhalt:

Im House of Night kehrt wieder Ruhe ein. Jedoch sind noch nicht alle Personen von dem Bann des Bösen erlöst. Noch immer wirft man Zoey und ihren Anhängern böse Blicke zu und noch immer dringt Zoey nicht zu den Leuten vor, wenn sie versucht ihnen die wirkliche Geschichte plausibel zu machen.

Neferet und Kalona sind zwar geflohen, treiben ihren perfiden Plan aber wirklich weiter. Man hört, dass sie wirklich beim hohen Rat ersuchen, dass Neferet die Stelle der höchsten Hohepriesterin, der Hohepriesterin aller Vampyre, antritt. Kalona gibt vor, jemand zu sein, der er nie war und auch Neferet verheimlicht ihr wahres Gesicht, welches Zoey aber bekannt ist.

Bei der Vorsprache beim Hohen Rat, zu dem auch Zoey und ihr Kreis gereist sind, kommt es dann zum großen Showdown mit überraschendem Ende.

Leseprobe:

… Ihre Augen flammten rot, und ihr fauliger Atem blies ihm ins Gesicht, als sie sagte: „Pass auf, Rabenaas. Ein für alle Mal: Stevie Rae oder die Rote, wie du sie nennst, ist nicht unsere Hohepriesterin. Sie ist nicht unser Boss. Sie ist keine von uns. Sie klüngelt mit dieser Zoey und deren Gesocks, und das können wir nicht ab. Wir haben keine Hohepriesterin, sondern eine Königin, und die heißt Neferet. Und jetzt erklär mir, warum du so versessen auf Stevie Rae bist.“

In Rephaim tobte gleißender Schmerz. Sein gebrochener Flügel schien in Flammen zu stehen, die sich wütend durch seinen gesamten Körper fraßen. Alles in ihm wünschte sich, gesund zu sein, damit er diese arrogante rote Jungvampyrin mit einem einzigen Schnabelhieb vernichten konnte. Aber er war nicht gesund. Er war geschwächt, verwundet, verlassen.

„Mein Vater wollte, dass sie gefangen wird“, würgte er unter Qualen hervor. „Er sagte, sie sei gefährlich. Und Neferet hat ihr nicht vertraut. Ich bin nicht versessen auf sie. Ich befolge den Wunsch meines Vaters.“

„Na dann schauen wir doch mal, ob du uns wirklich die Wahrheit sagst.“ Nicoles schraubstockartiger Griff um sein Arme wurde noch härter. Sie schloss die Augen und senkte den Kopf. Unglaublich, aber Rephaim spürte, wie ihre Handflächen sich erhitzten. Die Hitze durchstrahlte ihn, versenkte sich in seinem Blutkreislauf, pochte im Rhythmus seines jagenden Herzens und durchsetzte seinen ganzen Körper.

Nicole überlief ein Schauder. Dann öffnete sie die Augen und hob den Kopf. Ein durchtriebenes Lächeln umspielte ihre Lippen. Noch eine unendlich lange Minute presste sie ihn gegen die Wand, dann ließ sie ihn los. Er stürzte hilflos zu Boden. Sie sah auf ihn herab. „Sie hat dich gerettet.“

„Verdammte Hacke! Was?“, rief Kurtis.

„Stevie Rae hat ihn gerettet?“, fragte Starr.

Weder Nicole noch Rephaim achteten auf die beiden.

„Ja“, keuchte Rephaim, der gefährlich nahe daran war, in Ohnmacht zu fallen. Mehr sagte er nicht, sondern bemühte sich durch den alles überdeckenden Schmerz in seinem Flügel, zu Atem zu kommen und zu begreifen, was soeben geschehen war. Durch ihre Berührung hatte die rote Jungvampyrin ihm etwas angetan – etwas, was ihr Einblick in seinen Verstand verschafft hatte, vielleicht sogar in seine Seele. Doch er erkannte, dass er sich von allen, die sie je zuvor berührt hatte, unterschied; seine Gedanken mussten für sie ungeachtet ihrer Fähigkeiten schwer, vielleicht gar unmöglich zu lesen sein.

„Warum?“, wollte Nicole wissen.

„Du hast in meinen Geist gesehen. Du weißt, dass ich nicht verstehe, warum sie so gehandelt hat.“

„Das stimmt immerhin“, sagte sie langsam. „Aber die Sache ist auch, ich hab in dir keine schlechten Gefühle ihr gegenüber gespürt. Was sagst du dazu?“

„Ich bin nicht sicher, was du meinst. Schlechte Gefühle? Das verstehe ich nicht.“

Sie schnaubte. „Verstehen. Als ob du Verstand hättest! Ich hab noch nie was Komischeres gesehen als deinen Geist. Also pass auf, Rabenaas: du hast behauptet, du befolgst den Wunsch deines Vaters. Du solltest sie also fangen wollen – oder sogar töten.“

„Mein Vater wünscht sie lebend. Er will, dass sie unversehrt zu ihm gebracht wird, damit er sie studieren und sich vielleicht ihrer Macht bedienen kann.“

„Von mir aus. Aber schau, das Problem ist, als ich dir in dein Spatzenhirn geschaut habe, hab ich nichts gefunden, was darauf hindeutet, dass du hinter ihr her bist.“

„Warum sollte ich in diesem Moment hinter ihr her sein? Sie ist nicht hier.“

Nicole schüttelte den Kopf. „Oh nein, so kann man das nicht drehen. Wenn du hinter ihr her wärst, würdest du sie kriegen wollen, egal wo sie gerade ist.“

„Das ist nicht logisch.“

Nicole starrte ihn an. „Pass auf, ich will nur eines wissen: Bist du auf unserer Seite oder nicht?“

„Auf eurer Seite?“

„Ja, auf unserer Seite. Wir haben vor, Stevie Rae zu töten“, sagte sie ungerührt. Im nächsten Moment sprang sie wider mit übernatürlicher Geschwindigkeit auf ihn zu und packte seinen Arm mit eisernem Griff. Sofort heizte sich Rephamis Bizeps auf, während sie in seine Gedanken eindrang. „Also, wie ist es? Machst du bei uns mit oder nicht?“

Rephaim war klar, dass er antworten musste. Sie war vielleicht nicht in der Lage, jeden Einzelnen seiner Gedanken zu lesen, aber offenbar hatte sie genug Macht, um Dinge zu erspüren, die er lieber im Verborgenen gelassen hätte. Rasch traf er seine Entscheidung. Mit seinen rotglühenden Augen erwiderte er den gleichfalls scharlachroten Blick der Jungvampyrin und sagte wahrheitsgemäß: „Ich bin meines Vaters Sohn.“

Lange sah sie ihn an. Ihre Augen glühten, ihre Hand brannte sich in die Haut seines Oberarms. Dann lächelte sie wieder ihr durchtriebenes Lächeln. „Gute Antwort, Rabenaas, denn das ist die absolute  Hauptsache in deinem Vogelkopf. Du bist deines Vaters Sohn, so viel ist sicher.“ Sie ließ ihn los. „Willkommen bei uns, und keine Sorge. Da dein Vater gerade nicht hier ist, wird es ihm wohl egal sein, ob Stevie Rae lebendig oder tot ist, wenn du sie kriegst.“ ….