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Markus Heitz - „Die Zwerge“

ISBN: 3-492-70076-4

Klappentext:

Einst bewachten die Zwerge den Steinernen Torweg, um das Geborgene Land mit seinen Menschen und Elben vor den Heeren des Bösen zu beschützen. Verrat bahnt Orks und Ogern den Weg, und das Tote Land breitet sich mit seinen Schrecken aus.

Der Zwerg Tungdil ist bei dem Magier Lot-Ionan unter Menschen aufgewachsen und kennt die Bräuche seines Volkes nur aus Büchern. Da wird der junge Schmied von seinem väterlichen Freund auf die Reise geschickt. Doch aus dem Botengang wird unverhofft das große Abenteuer. Um die Einheit der fünf Stämme zu bewahren, behauptet der greise Zwergengroßkönig Gundrabur, er sei ein verschollener Königssohn. Und plötzlich steht Tungdil an vorderster Front im Kampf gegen das Böse und muss das Geborgene Land retten.

Nach seinem fünfbändigen Zyklus Die Dunkle Zeit legt der deutsche Autor Markus Heitz mit Die Zwerge einen Roman vor, in dem er die ewigen Nebenfiguren der Fantasy einmal in den Vordergrund rückt. Keine leichte Aufgabe, denn so schrecklich interessant ist der Zwerg an sich nun auch wieder nicht. Aber Heitz hat es geschafft, etwas aus dem Thema zu machen. Er konzentriert sich darauf, eine unterhaltsame Geschichte mit gelungenen Variationen des Zwergenmythos und überraschenden Wendungen zu erzählen.

Der Held Tungdil erlebt ein klassisches Abenteuer in einer Zwergenkultur, die zwar aus rauen, selbstbewussten Gesellen besteht, dabei aber mehr zu bieten hat, als unter Tage Schätze zu behüten. Das ist temporeich und spannend gemacht, mit einem scharfen Blick für stimmige Details und sehr interessanten Nebenfiguren. Aber nicht nur das lädt hier zum Weiterlesen ein; Heitz hat das seltene Talent, mitreißende und vor allem überzeugende Action schreiben zu können, von der es hier reichlich gibt. Und gerade das macht diesen Roman so vergnüglich und kurzweilig.

 

Inhalt:

Tungdil ist sich wohl bewusst, dass er ein Zwerg ist. Doch viel weiß er nicht von sich und seinesgleichen. Und was er über die Zwerge weiß, hat er auch nur aus Büchern.

Sein Herr, ein Zauberer, schickt ihn nun eines Tages auf eine Reise. ER soll einem anderen Zauberer ausgeliehene Sachen zurück bringen. Der Zauberer weiß wohl, dass sein freund nicht mehr da wohnt, wo er den Zwerg hin schickt. Doch im Laufe der Geschichte soll auch dieser Umstand noch eine glückliche Fügung werden.

Als Tungdil nach Hause zurück kehrt, findet er nichts o vor, wie er es sich erhofft hat. Stattdessen macht er sich mit  seinen neuen Gefährten auf eine weite Reise.

Das Böse ist im Begriff, vom ganzen Land Besitz zu nehmen. Keiner scheint es aufhalten oder zurückschlagen zu können. Haine der Alben werden verwüstet, krausame Morde werden begangen und all das sieht Tungdil auf seiner Reise ins Zwergenreich, wo er einen Thron besteigen soll.

Doch die Thronbesteigung wird so schnell nicht möglich sein, da sein Konkurrent  alle Hebel in Bewegung setzt, um selber den Thron besteigen zu können. - Doch zunächst muss das Böse besiegt werden.

Leseprobe:

… Die blonde Frau schüttelte den Kopf und verzichtete auf weitere Erklärungen. Sie saßen stumm nebeneinander, in den Gedanken an die Ermordeten versunken. Die Sterne drehten sich über ihnen, die Zeit verrann.

„Ihr wollt das Geborgene Land verlassen? Wohin? Was wird aus Eurem Reich?“, erkundigte sich Tungdil müde. Seine Augen brannten, weil er nicht einziges Mal geblinzelt, sondern das Farbspiel des Lagerfeuers betrachtet hatte. Die Wärme der Flammen brachte seine Tränen zum Verdampfen, das Salz reizte die empfindliche Inenhaut. „Meint Ihr, in der Ferne wäre es besser, ehrwürdige Maga?“

„Es ist nicht klug, sich einem rollenden Fels in den Weg zu stellen, wenn man allein ist“, gab sie leise zurück. „Mir widerstrebt es, Leiden unnötig zu verlängern, also gebe ich mein Reich freiwillig auf. Was würde ich erreichen, böte ich Widerstand? Ich werde sehen, was hinter den Gebirgen ist. Das Geborgene Land hat seine Namen nicht mehr verdient.“ Sie bedeutete Tungdil, dass er sich zurückziehen sollte. „Ich möchte schlafen.“

„Also sind die anderen Zauberer wirklich tot?“, staunte Ingrimmsch, während er sich ein Stückchen Käse aus seinem schier unerschöpflichen Vorrat grillte. „Dabei hat man sich die tollsten Geschichten über ihre Fertigkeiten erzählt.“

„Gegen einen verräterischen Dolch bringt der stärkste Schild nichts“, meinte sein Bruder und schob sich geröstetes Brot zwischen die Zähne. „Die Langen sind schon ein trauriges Volk. Da hatten die Götter einen schlechten Tag, als sie erschaffen wurden“, sagte er kauend. „Aber noch trauriger ist, dass sie das gesamte Land mit ins Verderben reißen.“

Tungdil nahm den angebotenen Käse und schob ihn sich in den Mund. Inzwischen liebte er den strengen Geschmack geradezu, was er als Zeichen dafür deutete, dass er immer mehr zu einem seines Volkes geworden war.

Boindil stieß ihm in die Seite, sein Stöckchen deutete auf das seltsame Paar auf der anderen Seite des Lagers. „Schau, er hat seinen Topf immer noch auf dem Kopf“, lachte er. „Er ist bestimmt festgewachsen.“

Boindil zeigte ein wenig mehr Ehrfurcht. „Einen solchen Langen habe ich noch nie gesehen“, räumte er ein. „Sicher, ich war noch nicht so oft unter Menschen, aber das ist mit Abstand das größte Exemplar, das mir je begegnet ist. Da kriegt selbst ein Ork Angst.“

„Du meinst, es ist gar kein Mensch? Ein junger Oger vielleicht?“, fürchtete sein Bruder. „In seiner Rüstung könnte alles Mögliche stecken.“ Und schon machte er Anstalten, hinüberzugehen und ihn zu fragen. „Wenn das eine Grünhaut oder eine andere Bestie ist, stirbt sie auf der Stelle“, verkündete er. „Und seine Herrin gleich mit. Mir doch egal, ob sie eine Zauberin ist oder nicht, die Langen benötigen sie ja ohnehin nicht mehr.“

Tungdil überlief es siedend heiß. Er traute der Maga durchaus zu, dass sie ein Scheusal Tions an ihrer Seite hatte. Ich muss verhindern, dass er einen Streit vom Zaun bricht. Wenn er den Krieger zum Kampf reizt, wird Andokal sich auf die Seite Djer_ns stellen, und das könnte böse enden.

„Nein, warte, das ist ein Mensch“, beruhigte er den Zwerg mit Nachdruck in der Stimme. „Es gibt Menschen im Geborgenen Land, die so groß werden. Ich habe gelesen, dass sie sich in eigenen Heeren sammeln, vor denen die Orks großen Respekt haben.“

Ihm brach der Schweiß aus, als er Angehörige seines eigenen Volkes anlog, aber schließlich diente es einem guten Zweck.

„Und warum werden sie so groß?“ Boindil ließ nicht locker; er spielte mit seinem Beil und hoffte noch immer einen Grund für einen Streit mit dem Gerüsteten zu finden, damit sie die Kräfte messen konnten.

„Die... Mütter...“ Tungdil suchte fieberhaft nach einer Ausrede, die nicht unbedingt logisch sein musste, „binden … die Neugeborenen unmittelbar nach der Geburt mit ein paar Stricken am Rumpf und an den Beinen … und ziehen sie lang. Das machen sie alle Tage, morgens und abends“, redete er drauf los. „Und es wirkt, wie ihr seht. Sie sind als Kämpfer berühmt. Sie wachsen in den Rüstungen und sind untrennbar mit ihnen verbunden.

Die Brüder schauten ihn fassungslos an. 2So etwas machen Menschen?“ Ingrimmsch konnte es nicht fassen.

„Ziemlich grausam, oder?“

„So steht es in den Büchern.“

Boindil ließ den Blick über den eisernen Kämpfer schweifen. „Ich würde zu gern wissen, wie viel er wiegt und wie viel er tragen kann.“

Die drei Zwerge betrachteten den Mann, von dem sie immer noch nicht wussten, ob er schlief oder nicht. Die grinsende Dämonenfratze auf seinem Visier glomm im Schein des Feuers auf und schien sie zu verhöhnen.

Boindil zuckte mit den Achseln. „Er wird irgendwann essen müssen“, murmelte er. „Dann sehen wir sein Gesicht.“ ...