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Kai Mayer - „Hex“

ISBN:  3-404-15864-4

Klappentext:

Was haben spätmittelalterliche Lichterscheinungen und Eindzeitvisionen in der Stad Nürnberg mit einem mysteriösen Spionagefall in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen zu tun? Als 1926 über den Gletshcern Grönlands ein Luftschiff explodiert, sollen zwei deutsche Agenden das Rätsel lösen. Für Sina Zweisam und Max von Poser, die für das HEX, die Abteilung für ungeklärte Kriminalfälle arbeiten, beginnt eine mehr als heikle Mission, die in einer Apokalypse zu enden droht …

Mit „HEX“ erweist sich Kai Mayer einmal mehr als Meister des historischen Mystery-Romans – unheimlich und spannend. Seine Romane wurden bereits in mehr als 20 Sprachen übersetzt.

Inhalt:

Auch schon in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen beschäftigten die Menschen unerklärliche Phänomene. Im HEX beschäftigt man sich mit solchen Sachen. Und so werden Sina Zweisam und Max von Poser zu einer Untersuchung nach Grönland beordert. Dort hat es eine Explosion gegeben, nachdem ein Luftschiff mit etwas kollidiert war. Mitten in der Eiswüste ist nun ein großer schwarzer Krater. Zu groß, als dass es ein Sprengstoffunglück hätte sein können.

Max und Sina stoßen auf Behauptungen von seltsamen Lichterscheinungen und Scheiben am Himmel, können das wirkliche Phänomen aber erst tief unten, im Burgberg der Nürnberger Burg, aufklären.

Vorgetäuschte Todesfälle, eine Mauer aus Schweigen und eine bekannte Person aus Sina ihrer Vergangenheit machen die Handlung rund und mehr als spannend.

Leseprobe:

… Max hatte Klippen und Steilwände aus Eis erwartet, wie auf den Bildern der Polarexpeditionen, doch zumindest in dieser Hinsicht wurde er von Grönland enttäuscht. Die Küstenlinie bestand, so weit das Auge blickte, aus dunklem, karstigen Fels. Je näher sie ihr kamen, desto deutlicher wurden auch die zerfurchten Formen der Fjorde und kleinen Halbinseln, der Landzungen und natürlichen Becken, die Grönland auf der Karte das Aussehen einer riesigen, tropfenförmigen Koralle gaben. Tausende von Seevögeln erfüllten den Luftraum über Küste, flatternd und kreischend, als protestierten sie empört gegen den riesigen Fremdkörper, der da majestätisch durch ihre Mitte schwebte.

Die Sonne stant bereits tief im Westen, als der Schatten der Polar auf das Festland fiel. Durch die Aussichtsluke an der Bugspitze erkannte Max, wo in einigen Kilometern Entfernung der dunkle Fels- und Grasboden in ausgedehnte Schneefelder überging. Jenseits dieser Eisgrenze verschmolz der Horizont in milchigem Weißgrau mit dem Himmel.

„Es heißt, wenn das Eis Gröndlands schmilzt, steigen alle Ozeane der Welt um fast sieben Meter“, sagte Sina leise. Sie stand neben ihm am Fenster und blickte verträumt auf die Küste herab.

„Es sieht anders aus, als ich erwartet habe.“ Sein Blick wanderte gedankenverloren über den fernen Horizont.

„Enttäuscht?“

„nein, nur überrascht.“

„Du dachtest, das alles wäre ein einziger Eisblock, nicht wahr?“ Sie beugte sich vor und hauchte gegen die Scheibe, bis sie beschlug. Dann zeichnete sie mit der Fingerspitze den Umriss Grönlands aufs Glas. „Wir sind hier unten, im Süden“, erklärte sie. „Lass dich nicht von den Felsen täuschen, die du siehst. Weiter nördlich rückt das Eis immer weiter vor zum Meer, bis die Gletscher schließlich direkt in die Brandung stürzen. Da oben wimmelt es nur so von Eisbergen.“

„Auch in Ittoqqoroormiit?“ Er hatte immer noch Mühe, den Namen der Stadt auszusprechen.

„Keine Ahnung, Frag das unseren Kontaktmann in Nuuk.“

„Er erwartet uns am Landefeld, oder?“

„Sollte er zumindest.“ Sie drückte keuchend das Kreuz durch und ließ ihre Fingerknöchel knacken. „Ich bin froh, wenn wir endlich da unten sind.“

Er wusste, was sie meinte. Auch er fühlte sich in der Luft hilflos und ausgeliefert. Der Dedanke, sein Leben dem Schiff und seiner Crew mit all ihren menschlichen Schwächen anzuvertrauen, behagte ihm auch nach drei Tagen an Bord noch nicht. Hinzu kam die vage Bedrohung durch Sinas Schreckgespenst. Sie hatten Jessen über den Vorfall in Kenntnis gesetzt, und er hatte umgehen zwei Wachleute abgestellt, die bei Nacht vor ihren Kabinen Stellung bezogen. Sina war deshalb nicht viel wohler zumute, doch der gute Wille des Kapitäns schien sich auszuzahlen. Weitere Zwischenfälle blieben aus.

Sina hatte darauf bestanden, ihre Mitreisenden und die Besatzung in Augenschein zu nehmen, in der Hoffnung, den Magier wiederzuerkennen. Doch nachdem Max ihr gut zuredet hatte, hatte sie eingesehen, wie sinnlos ihr Vorhaben war. Sie hatte damals in Kopenhagen nicht einmal sein Gesicht gesehen; wie hätte sie ihn da identifizieren wollen? Angefangen von Jessen bis hin zu den Forschern, denen sie beim Essen begegnet waren, hätte es jeder gewesen sein können. Zudem glaubte Max noch immer nicht, dass der Lauscher wirklich derselbe Mann war, der vor Jahren Sinas Kintertrauma ausgelöst hatte. Es war ein Zufall, nichts sonst. Der Kastenteufel hätte jedem an Bord aus der Tasche fallen können.

Kurz vor Sonnenaufgang kam Nuuk in Sicht. Jessen hatte ihnen erzählt, dass es einen ewigen Streit um den Namen der Hauptstadt gab. Als sie im 18. Jahrhundert von Dänen gegründet wurde, gaben sie ihr den Namen Godhab. Die Inuit aber nannten sie Nuuk, ihr Wort für „Landzunge“. Mittlerweile gab es zwei Gruppen, die jede auf ihren Namen bestand. Auf den dänischen Karten stand immer noch die alte Bezeichnung, doch unter den Einwohnern, auch den Dänen, hatte sich Nuuk eingebürgert. „Halten auch Sie sich daran“, hatte der Kapitän geraten, „vor allem, wenn Sie mit Einheimischen sprechen. Die Inuit fühlen sich geschmeichelt, wenn man sie und ihre Kultur ernst nimmt.“

Die Stadt lag auf dem südlichen Zipfel einer grünen Halbinsel. Der Boden war mit Gras bewachsen, doch schien es keinerlei andere Gewächse zu geben, zumindest keine, die groß genug waren, um aus der Luft erkennbar zu sein. Nur wenige tausend Menschen lebten hier, doch für grönländische Verhältnisse war Nuuk eine Großstadt. Ein paar hundert Holzhäuser standen weit verteilt an der Küstenhängen. Ihr vorstechendes Merkmal waren ihre bunten Fassaden. Die meisten hatte man gelb, blau, rot oder grün gestrichen, mit einheitlich weißen Fensterrahmen und schwarzen Dächern. Straßen gab es kaum, die meisten Häuser waren durch steinerne Treppen oder Trampelpfade miteinander verbunden.

Max lächelte beim farbenfrohen Anblick der Stadt. Sie ließ auf ein vergnügtes Völkchen schließen.

Das Flugfeld für Luftschiffe lag einige Kilometer nordöstlich der Stadt. Es grenzte, ebenso wie Nuuk, an die Küste der Halbinsel. Max konnte von hier oben keine Straße erkennen, die zur Stadt führte. Stattdessen entdeckte er einen kleinen Hafen, in dem mehrere Boote vor Anker lagen.

Ehe Jessen die Trimmannschaft in die Aussichtskammer beordern konnte, verkrochen die beiden sich in ihren Kabinen, packten ihre Sachen zusammen und zogen gefütterte Mäntel, Handschuhe und Fellmützen über. Es ruckte ein paarmal, Jessens Stimme dröhnte verzerrt aus den Lautsprechern, dann lag die Polar fest am Ankermast. Schiffsjungen geleiteten die Passagiere zum Ausstieg und halfen ihnen die Treppe hinab. Max und Sina waren unter den ersten, die das Schiff verließen.

Über das Flugfeld eilte ihnen ein kleiner, dicker Mann entgegen. Er mochte kaum einssechzig sein, trug eine dicke Felljacke und schlenkerte wild mit seinen kurzen Armen. Das Haar, das unter den Rändern seiner Mütze hervorschaute, war feuerrot. Max schätzte ihn auf Ende fünfzig. ...