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Rebecca James - „Die Wahrheit über Alice“

ISBN: 978-3-499-25507-6

Klappentext:

An ihrer Schule ist Katherine die Außenseiterin. Unauffällig, immer allein, mit niemandem befreundet. Der Grund: Keiner darf ihr Geheimnis erfahren. Erfahren was mit ihrer Schwester Rachel geschah. Doch dann lädt Alice Katherine zu ihrer party ein. Die schöne, strahlende Alice, das beliebteste Mädchen der Schule. Es tut gut, eine Freundin zu haben. Doch nach und nach wird Alice immer merkwürdiger. Selbstsüchtiger. Grausamer. Und Katherine muss erkennen, dass ihre neue Freundin nach eigenen Regeln spielt …

Inhalt:

Katherine ist eine Einzelgängerin. Sie konzentriert sich auf die Schule und bleibt allein. So glaubt sie, ihr dunkles Geheimnis bewahren zu können.

Doch dann wird sie von der „tollen“ Alice auf deren Geburtstagsparty eingeladen. Eine Absage lässt Alice nicht zu. Katherine ut es gut wieder unter Menschen zu sein. Sie sieht in Alice bald eine sehr gute Freundin. Katherine ahnt jedoch nicht, dass ihre Schicksale auch irgendwie miteinander verwoben sind.

Katherine vertraut sich Alice eines Tages an, ohne zu wissen, dass Alice dies bereits weiß. Alice spielt mit und spielt auch weiter, als es für Katherine schon lang kein Spiel mehr ist.

Leseprobe:

… Ich setzte mich ebenfalls auf, schlang einen Arm um seinen Hals und küsste ihn auf den Mund. „Es muss dir nicht leidtun. Dazu besteht kein grund.“ Ich sah mich um. Wir waren draußen unter einem Baum. Die Erde unter uns war hart und uneben, lauter alte Wurzeln und kleine Steinchen gab es hier. Ich fühlt mich schmutzig und müde von zu viel Alkohol. „Ich würde meine Unschuld lieber in einem Bett verlieren. Einem schönen, sauberen, weichen Bett. Und ich glaube, ich wäre lieber nüchtern.“

„Ich auch. Ehrlich.“ Er lächelte. „Du machst mich verrückt, aber ich hätte es auch lieber schön. Und du hast recht, es wäre auch nicht schlecht, wenn wir beide nüchtern wären, damit wir uns später auch daran erinnern können.“

„Ach, du Schande. Wie spät ist es?“ Ich nahm Wills Handgelenk und drehte es so, dass ich auf das Ziffernblatt seiner Uhr schauen konnte. Aber im Dunkeln konnte ich nichts erkennen. „Hat das Ding Licht?“

„Klar.“ Er hob sein Handgelenk näher ans Gesicht und drückte ein Lämpchen an. „Kurz vor halb neun.“

„Scheiße“ Ich stand auf und klopfte mich ab. „Scheiße. Scheiße. Scheiße. Scheiße. Verdammt. Es ist viel zu spät. Wir wollten nur eine stunde bleiben. Wir kriegen Riesenstress, wenn wir nach Hause kommen. Los.“ Ich nahm Wills Hand und half ihm aufzustehen. „Ich muss Rachel holen. Wir müssen los. Sofort.“

Aber wir konnten sie in der Scheune nicht finden. Wir suchten sie unter den Tanzenden, aber da war sie auch nicht. Wir klapperten die Grüppchen ab, die entlang der Wände standen, wieder vergeblich. Wir entdeckten Carly und fragten sie, ob sie Rachel gesehen hätte, aber sie schüttelte den Kopf, zuckte die Achseln und sah sich mit leerem Blick in der Scheune um. Sie war offensichtlich sturzbetrunken und schmiegte sich an einen Jungen, den ich nicht kannte. Rachel zu finden, war für sie im Augenblick das Unwichtigste auf der Welt.

„Draußen.“ Will nahm meinen Arm. „Irgendwo vor der Scheune. Vielleicht bei den Autos.“

„Okay. Ich suche vorn und du hinten. Das geht schneller. Wir treffen uns hier wieder.“

Ich machte mir langsam echte Sorgen. Es war spät, und Mum und Dad mussten inzwischen längst zu Hause sein. Sie würden sich fragen, wo wir waren, und waren bestimmt schon beunruhigt. Sie würden uns die Hölle heißmachen. Und wenn Rachel betrunken war, wenn sie ihre Fahne rochen oder ihr sonst irgendwie anmerkten, dass sie getrunken hatte, würden sie stinkwütend sein. Sie würden uns beide zu Hausarrest verdonnern.

Da viele von den Jugendlichen auf der Party schon einen Führerschein hatten, parkten jede Menge Autos vor der Scheune. Sie waren in Reihen abgestellt, sodass der ganze Bereich aussah wie ein echter Parkplatz.

Zuerst konnte ich gar nichts sehen noch hören, als ich mich zwischen den Autos auf die Suche machte. Doch dann hörte ich männliche Stimmen. Lachen. Das Klimpern von Gläsern. Ich ging auf die Geräusche zu und traf auf eine kleine Gruppe, die an einem Auto herumlungerte. Alle Türen waren geöffnet, sodass das Innenlicht nach draußen fiel. Zwei Typen lehnten an den Autotüren. Einer saß auf dem Fahrersitz, ein anderer auf der Rückbank, mit Rachel.

Rachel hatte ein Glas Bier in der Hand, und es sah so aus, als würde es ihr jeden Moment aus den Fingern rutschen, weil sie es so locker hielt. Sie hatte sich schlaff gegen das Polster gelehnt und die Augen halb geschlossen.

„Hallöchen“, sagte der Typ auf dem Fahrersitz, als er mich kommen sah. „Was können wir denn für dich tun?“

Ich lächelte. „Ich will nur meine Schwester holen.“ Ich beugte mich in den Wagen und legte meine Hand auf ihr Knie. „Rach. Wir müssen gehen. Es ist schon ganz schön spät.“

„Katie.“ Rachel öffnete die Augen und grinste. Als sie sich bewegte, schwappte etwas Bier aus dem Glas und lief ihr das Bein hinunter. Sie schien es gar nicht zu bemerken. „Katie, Katie. Es ist so toll hier. Ich hab allen erzählt von meiner ... meiner ... wie heißt das nochmal?“ Sie kicherte und tat so, als klimpere sie mit den Fingern auf ihrem Bein herum. „Von meiner … meiner Musik! Genau! Von meiner Musik!“ Sie lallte, ihre Gesten waren langsam und übertrieben. „Sie wollen alle zu meinem Konzert kommen. Wahnsinn, was?“

Ich sah mir die Typen an. Sie trugen offene Flanellhemden über Muscleshirts, ein Stil, der bei den Mädchen an unserer Schule als Proll-Look verschrien war. Der Einzige, der mich ansah, war der vorn im Auto. Er war deutlich älter als die anderen, mindestens zwanzig, und er sah markant aus, irgendwie attraktiv. ….