ich-geb-dir.info
Home.
Delfine.
Hunde.
Literatur.

Simon Beckett - „Kalte Asche“

ISBN: 978-3-499-24195-6

Klappentext:

Asche zu Asche, Staub zu Staub, Leen zu Tod

Asche ist alles, was von ihr übgrig geblieben ist. Fast alles. Als der Rechtsmediziner David Hunter die Überreste der frau in einem verfallenen Cottage auf der schottischen Insel Runa zum ersten Mal erblickt, weiß er sofort: Dieser Tod war kein Unfall. Er will seine Erkenntnisse dem Superindendet mitteilen, doch die Leitung bleibt tot. Ein Sturm hat die Insel von der Außenwelt abgeschnitten. Da geschieht ein weiterer Mord ...

Inhalt:

David Hunter hat einmal mehr einen Fall beenden können und befindet sich nun auf dem Heimweg. - Ein Anruf verhindert, dass er den letztendlich auch antritt. Statt dessen macht er sich auf den weg nach „Runa“, eine kleine, verlassene Insel, um dort einen verbrannten, menschlichen Körper zu untersuchen. Er soll klären, ob es sich um einen Mordfall handelt, bevor Polizeibeamte dort hin geschickt werden.

Es handelt sich um einen Mordfall. Doch ein Team der Spurensicherung kann nicht mehr auf die Insel kommen, da ein schweres Unwetter die Insel von der Außenwelt abschneidet.

Der Mörder befindet sich wohl noch auf der Insel, es passieren weitere Mode, jeder Verdächtigt jeden und der Friede in der Inselgemeinde wird mächtig erschüttert. - Doch das Ergebnis der Ermittlungen, ist eine Überraschung. Eine, die Dr. Hunter auch zu Hause, eine geraume Weile nach den Vorfällen, noch nicht verdauen darf.

Lesprobe:

Ich saß am Schreibtisch in der Klinik. Es war dunkel, aber ich konnte noch etwas sehen. Ein dunstiges Zwielicht schien sich über alles gelegt zu haben. Die Jalousien des Fensters und der Tür waren heruntergelassen. Schädel und Kiefer lagen auf dem Stahlwagen. Der Monitor des Laptops vor mir war dunkel. Die Halogenlampe war noch auf den Tisch gerichtet, aber jetzt war sie ausgeschaltet.

Kein Geräusch war zu hören. Ich schaute mich um und nahm meine Umgebung auf. Und ohne jede Überraschung die sich manchmal in solchen Momenten einstellt, wusste ich, dass ich schlief.

Die Anwesenheit der Gestalt in der Ecke spürte ich, bevor ich sie sah. Ich konnte sie sehen, obwohl sie in der Dunkelheit verborgen war. Eine kräftige, pummelige Frau. Übergewichtig. Ein rundes, attraktives Gesicht mit einem harten Zug.

Sie schaute mich schweigend an.

Was willst du? Die Frau antwortete nicht. Ich habe alles getan, was ich konnte. Jetzt liegt es an der Polizei.

Ohne den Blick von mir abzuwenden, zeigte sie auf den Schädel auf dem Tisch.

Ich verstehe nicht. Was soll ich tun?

Sie öffnete den Mund. Ich wartete darauf, dass sie etwas sagte, doch statt Worten strömte Rauch aus ihrem Mund. Ich wollte wegschauen, aber ich konnte nicht. Der Rauch strömte jetzt auch aus ihren Augen, aus Mund und Nase und quoll aus ihren Fingerspitzen empor. Ich konnte riechen, wie sie verbrannte, obwohl es keine flammen gab. Nur Rauch. Er erfüllte den Raum, bis ich sie nicht mehr sehen konnte. Ich wusste, dass ich etwas tun sollte, dass ich ihr helfen sollte.

Ich kann nicht. Sie ist bereits tot.

Der Rauch wurde dichter und begann mich zu ersticken. Ich konnte mich immer noch nicht bewegen, aber ich wusste, dass ich etwas tun musste. Ich konnte die Frau nicht mehr sehen, ich konnte gar nichts mehr sehen. Beweg dich! Sofort! Ich taumelte zu ihr...

Und erwachte. Ich saß noch in der Klinik, am Schreibtisch, wo ich eingeschlafen war. Aber jetzt war der Raum völlig dunkel. Ein schwacher Lichtschein vom Laptop vor mir. Auf dem Bildschirm jagte eine Unzahl von Sternen in die Unendlichkeit. Der Bildschirmschoner war automatisch aktiviert worden. Also hatte ich mindestens fünfzehn Minuten geschlafen.

Draußen wütete der Sturm, während ich versuchte, die Traumbilder abzuschütteln. Ich bekam nur schlecht Luft, und mein Blick war verschwommen, als hätte ich einen Schleier vor den Augen. Und ich konnte noch immer den beißenden Rauch riechen.

Ich holte tief Luft und musste sofort husten. Jetzt konnte ich den Qualm auch schmecken. Ich betätigte den Schalter der Halogenlampe. Nichts passierte. Nun hatte das Unwetter also auch das Stromnetz unterbrochen. Mein Laptop lief auf Batterie. Ich drückte eine tAste, um den Standby-Modus zu beenden. Der Monitor leuchtete auf und warf ein schwaches, blaues Licht in die Klinik. Der Dunst in der Luft war jetzt besser zu sehen, und während ich immer mehr zu mir kam, wurde mir klar, dass ich nicht nur geträumt hatte.

Der Raum war tatsächlich voller Rauch.

Hustend sprang ich auf und stürzte zur Tür. Als ich die Klinke berührte, zuckte ich zurück.

Sie war heiß.

Wegen des Eindringlings am Nachmittag hatte ich die Jalousie vor der Glasscheibe heruntergelassen. Jetzt zog ich sie wieder hoch. Im Saal wirbelte ein schwefeliges, orangefarbenes Licht.

Das Gemeindezentrum stand in Flammen.

Ich trat von der Tür zurück und schaute mich schnell in der Klinik um. Der einzige Weg hinaus war ein kleines Fenster, das hoch oben in die Wand eingelassen war. Mit Hilfe des Stuhls könnte ich mich vielleicht gerade so hindurchzwängen. Doch als ich es öffnen wollte, bewegte es sich nicht. Dann sah ich das Fensterschloss und fluchte. Ich hatte keine Ahnung, wo der Schlüssel war, und keine Zeit zum Suchen. Ich packte die Schreibtischlampe und wollte sie gerade gegen die Scheibe schleudern, doch hielt dann inne. Selbst wenn ich es hätte öffnen können, hätte ich nur knapp durch das Fenster gepasst. Wenn ich es einschlug, würde das Loch noch kleiner sein. Und obwohl die Kliniktür geschlossen war, könnte sich das Feuer durch die von draußen hereinströmende sauerstoffreiche Luft explosionsartig ausdehnen. Das durfte ich nicht riskieren. …