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Charles Bukowski - „Kaputt in Hollywood“

ISBN: 3-596-15846-X

Klappentext:

Apokalyptische Visionen, amerikanische Albträume, Protokolle der alltäglichen Hölle: Der Band versammelt zehn der stärksten Kurzgeschichten des "King of the Hard-Mouth-Poet" . Charles Bukowski zehnmal in Hochform - sehr realistisch, sehr brutal, sehr komisch.

"Bukowski beherrscht seine Kunst. Besser kann man Dialoge nicht schreiben; schneller kann man nicht erzählen. Er gilt im Augenblick als der neue Schreibweltmeister im Schwergewicht." Der Spiegel

Inhalt:

Hierbei handelt es sich um eine Sammlung von Kurzgeschichten, welche sich allesamt um das harte Leben in Amerika dreht.

Charles Bukowski erzählt, was er so alles erleben darf. Er schreibt von Hochzeiten, Feiern, zufälligen Treffen und Verhaftungen.

Am Ende des Buches kann man noch ein Interview finden.

Leseprobe:

… Ich hockte auf dem Rücksitz, eingeklemmt zwischen den rumänischen Broten, Leberwürsten, Bier, Softdrinks; ich hatte eine grüne Krawatte um, die erste Krawatte seit dem tot meines Vaters vor zehn Jahren. Jetzt sollte ich Trauzeuge sein bei einer Zen-Hochheit. Hollis furh 130, und Roy`s vier Fuß langer Bart wehte mir ins Gesicht. Es war mein 6zer Comet, nur, ich konnte ihn nicht selber fahren – keine Haftpflicht, zwei Verurteilungen wegen Trunkenheit am Steuer, und schon wieder halb besoffen. Hollis und Roy hatten die letzten drei Jahre unverheiratet zusammengelebt, wobei sich Roy von Hollis aushalten ließ. Ich hockte also auf dem Rücksitz und lutschte an meinem Bier. Roy erläuterte mir die Zusammensetzung der Hollis-Familie, in allen Einzelheiten. Roy hatte mehr so den intellektuellen Scheiß drauf. Und die gößere Zungenfertigkeit: die Wände ihrer Wohnung waren tapeziert mit Fotos von typen, die sich mit den Gesichtern in Berge von Schamhaar reinwühlen und lutschen. Es gab auch einen Schnappschuß von Roy, auf dem zu sehen war, wie er sich gerade ne Portion Saft abwichste. Roy hatte die Aufnahme selber gemacht. Ich meine, die Kamera ausgelöst. Selber. Mit ner Schnur. Oder Kabel. Irgend sowas. Roy behauptete, er hätte sich sechs Mal einen runterwichsen müssen, bis die Aufnahme endlich klappte. Die Arbeit eines ganzen Tages. Und da hing es nun, eine milchige Ejakulation – ein Kunstwerk. Hollis fuhr vom Freeway runter. Kurz danach waren wir da. Manche von den Reichen haben vor dem Haus eine Auffahrt, die eine ganze Meile lang ist. Die hier war eine Viertelmeile lang. Auch nicht schlecht. Wir stiegen aus. Tropischer Garten. Vier oder fünf Hunde. Große schwarze zottige stupide Biester, denen der Sabber aus dem Maul lief. Wir kamen gar nicht erst zur Tür rein – denn da stand er, der Reiche, auf der Veranda, sah zu uns runter, Drink in der Hand. Und Roy brüllte: „Oh Harvey! Du Bastard! Wie gut dich zu sehn!“

Harvey lächelte sein kleines Lächeln. „Wie gut, dich zu sehn, Roy.“

Einer von den großen schwarzen Zotties nagte an meinem linken Bein. „Ruf deinen Hund zurück, Harvey, Bastard, gut dich zu sehen!“ brüllte ich.

„Aristoteles! Nun LASS das aber!“ Aristoteles ließ von mir ab, gerade noch rechtzeitig.

Und.

Wir latschen die Treppen rauf und runter und schleppten die Fressalien rein. Salami, Ungarische Katenfische in saurer Marinade, Krabben, Langustenschwänze. Laugenhörnchen. Taubenärsche mit Pfefferminsgeschmack.

Schließlich hatten wir den ganzen Kram drin. Ich setzte mich und griff mir ein Bier. Ich war der einzige mit ner Krawatte. Ich war auch der einzige, der ein Hochzeitsgeschenk mitgeracht hatte. Ich ließ es zwischen der Wand und meinem von Aristotels angenagten Bein unauffällig zu Boden gleiden. „Charles Bukowski...“ Ich stand auf. „Oh, Charles Bukowski!“ „Mhm.“ Dann:

„Das ist Marty.“

„Hallo Marty.“

„Und das ist Elsie.“

„Hallo Elsie.“

„Ist es wahr“, fragte sie, „daß Sie Möbel und Fenster zertrümmern, sich die Hände aufschneiden und all solche Sachen, wenn Sie betrunken sind?“ „Mhm.“

„Sie sind`n bißchen alt für sowas.“

„Also hör mal, Elsie, komm mir hier nicht mit solchem Scheiß...!“ „Und das ist Tina.“ „Hallo Tina.“

Namen! Mit meiner ersten Frau war ich zweieinhalb Jahre verheiratet gewesen. Eines Abends kamen ein paar Leute zu Besuch. Die stellte ich meiner Frau damals so vor: „Das ist Louie, der Schlappschwanz; und das is Marie, die kaut einen in 10 Sekunden ab; und das is Nick, der bringt jede Nummer nur halb, dann springt er ab.“ Und nun musste ich denen meine Frau vorstellen: „Das ist meine frau... das ist meine Frau... das ist...“ Schließlich mußte ich ihr in die Augen sehen sie fragen: „LECK MICH AM ARSCH, WIE HEISST DU EIGENTLICH?“

„Barbara.“ „Also das ist Barbara“, sagte ich dann...

Der Zen-Meister war noch nicht da. Ich saß rum und lutschte an meinem Bier.

Dann kamen noch mehr Leute rein. Eine ganze Prozession, die Treppe rauf. Die ganze Hollis-Familie. Roy schien keine Familie zu haben. Armer Roy. Nie auch nru einen Tag was gearbeitet, in seinem ganzen Leben. Ich holte mir noch ein Bier. …