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Cornelia Funke - „Tintentod“

ISBN: 978-3-7915-0488-9

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Klappentext:

Resa aber stand da und starrte auf das Buch in ihrer Hand, als hielte sie ein anderes: das Buch, das sie vor mehr als zehn Jahren verschluckt hatte, mit Haut und Haar. Dann sah sie Meggie an. „Was ist mit dir?“, fragte sie. „Willst du auch hierbleiben wie dein Vater? Vermisst du deine Freundinnen nicht und Elinor und Darius? Dein warmes Bett, ganz ohne Läuse, das Cafe unten am See, den Frieden auf den Straßen?“

Inhalt:

Es ist nicht mehr so in der Tintenwelt, wie es sich Fenoglio dereinst erdacht hat. Die Geschichte hat ein Eigenleben entwickelt und das viele Gute hat sich in etwas Böses gewandelt. Der Hänfling führt eine Schreckensherrschaft, das leere Buch fault vor sich hin und quält somit seinen Besitzer und Fenoglio hat das Schreiben aufgegeben. Orpheuys dagegen schreibt die Geschichte jetzt allerdings nach seinen Wünschen um.

Der Eichelhäher, Meggie ihr Vater, wird mehr und mehr zu der Figur, dessen Rolle Fenoglio ihm auf den Leib geschrieben hat. Und als dann auch noch die Kinder von Ombra in Gefahr sind, scheint alles verloren.

Und in diese Welt will Elinor freiwillig reisen. Und irgendwann bekommt sie ihren Willen. Doch enttäuscht ist sie am Ende doch nicht. Viel mehr hilft sie Fenoglio endlich wieder zu seiner Berufung zu finden. Nur er kann das Chaos mit Hilfe von Meggie ihrer Stimme wieder ordnen.

Der Eichelhäher begibt sich in große Gefahr, Meggie verliebt sich und ihre Mutter hilft mit altem Wissen.

Ein enges Ende, aber irgendwie auch wenig fulminant.

Die Buchreihe findet ein Ende, der durchaus auch ein neuer Anfang sein kann.

Leseprobe:

… „Ausruhen? Wie soll ich ausruhen, nachdem du und der Pfeifer den Mann habt entkommen lassen, der mich in ein Stück faulendes Fleisch verwandelt hat? Meine Haut steht in Flammen. Meine Knochen sind aus Eis. Meine Augen stechen, als stieße mir jeder Lichtstrahl eine Nadel hinein. Ich werde erst ausruhen, wenn das verfluchte Buch mich nicht länger vergiftet und der, der das gebunden hat, tot ist. Jede Nacht mal e ich es mir aus, Schwager, frag deine Schwester, jede Nacht geh ich schlaflos auf und ab und male mir aus, wie er jammert und schreit und mich um einen schnellen Tod anfleht, aber ich werde ihm so viele Qualen bereiten, wie das mörderische Buch Seiten hat. Er wird es öfter verfluchen als ich – und schon sehr bald begreifen, dass der Rock meiner Tochter kein wirksamer Schutz vor dem Natternkopf ist!“

Wieder schüttelte ihn ein röchelnder Husten, und für einen Augenblick klammerten sich die aufgequollenen Hände an Orpheus Arm. Ihr Fleisch war bleich wie das Fleisch eines toten Fisches. Es riecht auch ähnlich, dachte Orpheus. Und doch ist er immer noch der Herr der Geschichte.

„Großvater!“ Der Jungte tauchte so plötzlich aus der Dunkelheit auf, als hätte er die ganze Zeit in den Schatten gestanden. Bücher stapelten sich auf seinen kurzen Armen.

„Jacopo!“ Der Natternkopf drehte sich so abrupt um, dass sein Enkel wie angewurzelt stehen blieb. „Wie oft muss dir gesagt werden, dass auch ein Prinz nicht unangemeldet in den Thronsaal spaziert?“

„Ich war eher da als ihr!“ Jacopo hob das Kinn und presste die Bücher gegen die Brust, als könnten sie ihn vor dem Zorn seines Großvaters schützen. „Ich lese oft hier, dort, hinter der Statue meines Urururgroßvaters.“ Er wies auf die Statue eines sehr dicken Mannes, der zwischen den Säulen stand.

„In der Dunkelheit?“

„Man sieht Bilder, die die Worte einem in den Kopf malen, besser in der Dunkelheit. Außerdem hat der Rußvogel mir das hier gegeben.“ Er streckte die Hand aus und hielt seinem Großvater ein paar Feuerhölzer hin.

Der Natternkopf runzelte die Stirn und beugte sich zu seinem Enkel hinunter. „Solange ich hier bin, liest du nicht im Thronsaal. Du steckst nicht mal den Kopf durch die Tür. Du bleibst in deiner Kammer oder ich lasse dich wie Tullio zu den Hunden sperren, verstanden? Beim Wappen meines Hauses, du siehst deinem Vater immer ähnlicher. Kannst du dir nicht wenigstens die Haare schneiden?

Jacopo hielt den Blick der geröteten Augen erstaunlich lange stand, doch schließlich senkte er den Kopf, drehte sich wortlos um und stiefelte davon, die Bücher immer noch vor der Brust wie einen Schild.

„Er sieht Cosimo wirklich immer ähnlicher!“, stellte der Hänfling fest. „Aber den Hochmut hat er von seiner Mutter.“

„Nein, den hat er von mir“, stellte der Natternkopf fest. „Eine sehr praktische Eigenschaft, wenn er erst mal auf den Thron sitzt.“

Der Hänfling warf Jacopo einen besorgten Blick nach. Der Natternkopf aber stieß ihm die aufgequollene Faust vor die Brust. „Versammle deine Männer!“, furht er ihn an. „Ich habe Arbeit.“

„Arbeit?“ Der Hänfling hob beunruhigt die Brauen. Er hatte sie ebenso mit Silber bestäubt wie seine Perücke.

„Ja. Du wirst zur Abwechslung keine Einhörner jagen, sondern Kinder. Oder willst du dem Schwarzen Prinzen durchgehen lassen, das er Obras Bälger im Wald versteckt, während du und der Pfeifer damit beschäftigt seid, Euch von meiner Tochter wie Tanzbären an der Nase herumführen zu lassen?“

Der Hänfling verzog gekränkt den blassen Mund. „Wir mussten Eure Ankunft vorbereiten, werter Schwager, und versuchen den Eichelhäher wieder einzufangen...“

„Womit ihr nicht sonderlich erfolgreich wart“, unterbrach der Natternkopf ihn barsch. „Zum Glück hat meine Tochter uns gesagt, wo wir ihn finden können, und während ich den Vogel wieder einfange, den ihr so überaus großzügig habt fortfliegen lassen, schaffst du mir die Kinder her – samt diesem Messerwerfer, der sich Prinz nennt, damit er zusehen kann, wie ich dem Häher die Haut abziehe. Seine eigene Haut ist, fürchte ich, zu schwarz für Pergament, also muss ich mir für ihn wohl etwas anderes einfallen lassen. Zum Glück bin ich in solchen Angelegenheiten recht erfindungsreich. Allerdings sagt man von dir Ähnliches, nicht wahr?“