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Kerstin Gier - „Rubinrot“

ISBN: 3-40106-334-0

Klappentext:

Manchmal ist es ein echtes Kreuz, in einer Familie zu leben, die jede Menge Geheimnisse hat. Der Überzeugung ist zumindest die 16-jährige Gwendolyn. Bis sie sich eines Tages aus heiterem Himmel im London um die letzte Jahrtausendwende wiederfindet. Und ihr klar wird, dass ausgerechnet sie das allergrößte Geheimnis ihrer Familie ist. Was ihr dagegen nicht klar ist: Dass man sich zwischen den Zeiten möglichst nicht verlieben sollte. Denn das macht die Sache erst recht kompliziert!

Inhalt:

Gwendolyn scheint innerhalb der Familie immer im Schatten ihrer Cousine zu stehen. Denn die Cousine hat das Zeitreise-Gen geerbt und jeden Tag können die ersten Symptome auftreten. Dich die Symptome treten nicht bei Charlotte, sondern bei Gwendolyn auf. Und als sie dann tatsächlich ihren ersten Sprung macht, kommt der ungelegen und trifft sie vollkommen unvorbereitet.

Als sich Gwendolyn ihrer Mutter anvertraut, geht das Durcheinander erst richtig los. Ihre Mutter bringt sie zu der Gesellschaft und hier gibt es ein riesiges Theater mit ihrer Tante. Ein weiterer Sprung wird als Beweis gefordert. Und als der erfolgt ist, ist Charlotte quasi entlassen und Gwendolyn wird ins kalte Wasser geschmissen. Gemeinsam mit Gideon macht sie nun kontrollierte Zeitreisen und gerät dabei in ein weit größeres Abenteuer, als sie sich es je gedacht hat.

Leseprobe:

… Meine Mum umarmte mich, als wäre ich mindestens drei Jahre verschollen gewesen. Ich musste ihr zigmal beteuern, dass mit mir alles in Ordnung war, bevor sie aufhörte, danach zu fragen.

„Bist du denn auch okay, Mum?“

„Ja, mein Liebling, mir geht es gut.“

„Es geht also allen gut“, sagte Mr. De Villiers spöttisch. „Schön, dass wir das geklärt haben“ Er trat so nahe an Mum und mich heran, dass ich sein Eau de Toilette riechen konnte. (Irgendetwas Würzig-Fruchtiges mit einem Hauch von Zimt. Ich bekam gleich noch mehr Hunger.)

„Und was sollen wir jetzt mit dir machen, Grace?“ Die Wolfsaugen nahmen Mum fest ins Visier.

„Ich habe die Wahrheit gesagt.“

„Ja, zumindest was Gwendolyns Bestimmung angeht“, sagte Mr. De Villiers. „Zu klären wäre jedoch, warum die Hebamme, die damals so zuvorkommend war, den Geburtsschein zu fälschen, ausgerechnet heute ganz plötzlich verreisen musste.“

Mum zuckte mit den Schultern. „Ich würde nicht jedem Zufall gleich so viel Bedeutung beimessen, Falk.“

„Ebenso seltsam finde ich, dass man sich im Falle einer sich ankündigenden Frühgeburt für eine Hausgeburt entscheidet. Jede Frau, die halbwegs bei Verstand ist, würde beim ersten Anzeichen von Wehen in ein Krankenhaus fahren.

Da hatte er allerdings recht.

„Es ging einfach zu schnell“, sagte Mum, ohne mit der Wimper zu zucken. „Ich war schon froh, dass die Hebamme zur stelle war.“

„Nun, aber selbst wenn: Mit einer Frühgeburt wäre man au jeden Fall sofort nach der Geburt ins Krankenhaus gefahren, um das Kind untersuchen zu lassen.“

„Das haben wir doch getan.“

„Aber erst am nächsten Tag“, sagte Mr de Villiers. „Im Bericht des Krankenhauses steht, dass man zwar das Kind gründlich untersucht hat, aber dass die Mutter eine Nachuntersuchung verweigerte. Warum das, Grace?“

Mum lachte auf. „Ich glaube, du würdest mich besser verstehen, wenn du selber mal ein Kind geboren und einige Dutzend gynäkologische Untersuchungen hinter dir hättest. Mir ging es blendend, ich wollte nur wissen, ob mit dem Baby alles in Ordnung war. Was mich wundert, ist, wie du so schnell an einem Bericht des Krankenhauses gelangen konntest. Ich dachte, Informationen dieser Art unterstehen der Schweigepflicht.

„Du kannst das Krankenhaus meinetwegen gern wegen Verstoß gegen das Datenschutzgesetz verklagen“, sagte Mr de Villiers. „In der Zwischenzeit suchen wir weiter nach der Hebamme. Mittlerweile interessiert mich nämlich wirklich brennend, was diese Frau uns zu erzählen hat.“

Die Tür ging auf und Mr George und Dr. White traten ein, zusammen mit Mrs Jenkins, die einen Stapel Ordner schleppte.

Hinter ihnen kam Gideon in den Raum geschlendert. Diesmal nahm ich mir die Zeit, auch den Rest seines Körpers zu betrachten, nicht nur sein hübsches Gesicht. Ich suchte nach etwas, das mir nicht gefiel, damit ich mich, verglichen mit ihm, nicht so unvollkommen fühlen musste. Leider konnte ich nichts finden. Er hatte weder (vom Polospielen!) krumme Beine noch zu lange Arme oder angewachsene Ohrläppchen (was, wie Leslie behauptete, ein Zeichen für einen geizigen Charakter gewesen wäre). Es war unnachahmlich cool, wie er jetzt mit seinem Hintern gegen den Schreibtisch lehnte und die Arme vor der Brust verschränkte.

Blieben nur noch die beinahe schulterlangen Haare, die ich doof finden konnte. Dummerweise gelang mir nicht mal das. Es waren so gesunde, glänzende Haare, dass ich mich unwillkürlich fragte, wie sie sich wohl anfühlen mochten.

So viel gutes Aussehen verschwendet, es war ein Jammer.

„Es ist alles vorbereitet“, sagte Mr George und zwinkert mir zu. „Die Zeitmaschine ist startklar.“

Robert, der Geistjunge, winkte mir schüchtern zu. Ich winkte zurück.

„Da sind wir also nun vollständig“, sagte Mr de Villiers. „Das heißt: Glenda und Charlotte mussten sich leider verabschiden. Sie lassen aber alle herzlich grüßen.“

„Ja, darauf wette ich“, sagte Dr. White.

„Das arme Mädchen! Zwei Tage lang diese Phantomschmerzen, das war sicher kein Vergnügen“, sagte Mr. George und verzog mitleidig sein rundes Gesicht.

„Und dazu diese Mutter“, murmelte Dr. White, während er in dem Aktenordner blätterte, den Mrs Jenkins mitgebracht hatte. „Wirklich gestraft, das arme Kind.“ …