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Kerstin Gier - „Smaragdgrün“

ISBN: 3-40106-348-0

Klappentext:

Was tut man, wenn einem das Herz gebrochen wurde? Richtig, man telefoniert mit der besten Freundin, isst Schokolade und suhlt sich wochenlang im Unglück. Dumm nur, dass Gwendolyn, Zeitreisende wider Willen, ihre Energie für ganz andere Dinge braucht: zum Überleben zum Beispiel. Denn die Fäden, die der zwielichtige Graf von Saint Germain in der Vergangenheit gesponnen hat, ziehen sich nun auch in der Gegenwart zu einem gefährlichen Netz zusammen. Um dem Geheimnis auf die Spur zu kommen, müssen Gwendolyn und Gideon – Liebeskummer hin oder her – nicht nur auf einem rauschenden Ball im 18. Jahrhundert zusammen Menuett tanzen, sondern sich in jeder Zeit kopfüber ins Abenteuer stürzen...

Inhalt:

Das Finale der Trilogie ist spannend wie die vorangegangenen Bände auch. Gwendolyn und Gideon finden endgültig zueinander, müssen die Liebe aber geheim halten.

Gwendolyn löst das Geheimnis, was der Leser am Ende von band 2 bereits gelöst hat und kann den Schatz bergen. Die Mädchen weihen Gideon uns seinen Bruder in das Geheimnis ein und so schließen sie in dem einen Chronographen den Blutkreislauf. Das Geheimnis offenbart sich ihnen recht unspektakulär, eröffnet ihnen aber neue Möglichkeiten im Kampf gen den Grafen.

Gwendolyn erfährt endlich ihre wahre Eigenschaft des Raben und lernt ihre wahren Eltern kennen. Keine leichte Zeit für das Mädchen, aber mit Hilfe von Gideon kann sie alles überwinden und ihr Leben den neuen Gegebenheiten anpassen.

Leseprobe:

...Woran es genau lag, wusste ich nicht, aber mit einem Mal fing die Sache an, mir richtig Spaß zu machen. Die Kerzen warfen ein wunderschönes Licht auf die prachtvollen Abendgarderoben, die Musik klang nicht mehr langweilig und verstaubt, sondern genau richtig, und vor, hinter un neben mir lachten die Tänzer unbeschwert. Selbst die Perücken sahen nicht mehr so affig aus und ich fühlte mich für einen Moment ganz leicht und frei. Als sich der Kreis auflöste, schwebte ich auf Gideon zu, als hätte ich nie etwas anderes gemacht, und er blickte mir entgegen, als wären wir plötzlich allein im Saal.

In meiner seltsamen Hochstimmung konnte ich nichts anderes tun, als ihn anzustrahlen, ohne Rücksicht auf Giordanos Mahnung, im 18. Jahrhundert niemals die Zähne zu zeigen. Aus irgendeinem Grund schien mein Lächeln Gideon völlig aus der Fassung zu bringen. Er nahm meine ausgestreckte Hand entgegen, aber anstatt nur seine Finger leicht unter meine zu legen, umklammerte er sie.

„Gwendolyn, ich lasse mir von niemandem mehr...“

Ich sollte nicht erfahren, was er sich von niemandem mehr ließ, denn in diesem Moment griff Lady Lavinia nach seiner Hand, legte meine dafür in die ihres Tanzpartners und sagte lachend: „Wir tauschen mal kurz, einverstanden?´“

Nein, von einverstanden konnte von meiner Seite aus keine Rede sein und auch Gideon zögerte einen Moment. Doch dann verneigte er sich vor Lady Lavinia und ließ mich wie die nichtssagende kleine Ziehschwester (die ich ja im Grunde auch war) links liegen. Mein Hochgefühl verschwand genau so schnell, wie es aufgetaucht war.

„Ich habe Euch vorhin schon von Weitem bewundert“, sagte mein neuer Tanzpartner, als ich aus meiner Reverenz hervortauchte und ihm die Hand reichte. Am liebsten hätte ich sie sofort wieder losgelassen, denn seine Finger waren feucht und klebrig. „Mein Freund, Mr Merchant, hatte bereits das Vergnügen, Euch auf Lady Bromptons Soiree kennenzulernen. Er wollte uns miteinander bekanntmachen. Aber das kann ich ja nun selber übernehmen. Ich bin Lord Fleet. Der Lord Fleet.“

Ich lächelte höflich. Ein Freund von Busengrabscher Mr Merchant, aha. Während die nächste Schrittfolge uns voneinander wegführte und ich hoffte, der Lord Fleet würde die Gelegenheit nutzen, sich die feuchten Hände am Hosenbein abzuwischen, sah ich Hilfe suchend zu Gideon hinüber. Aber der schien ganz in den Anblick von Lady Lavinia versunken zu sein. Auch der Mann neben ihm hatte nur Augen für sie beziehungsweise für ihr Dekollté, während er seine eigene Partnerin geflissentlich übersah. Und der Mann daneben... oh mein Gott! Da war James! Mein James. Endlich hatte ich ihn gefunden! Er tanzte mit einem Mädchen in einem pflaumenmusterfarbenen Kleid und sah so lebendig aus, wie man mit einer weißen Perücke und weißem Puder im Gesicht eben aussehen kann.

Anstatt Lord Fleet erneut meine Hand zu reichen, tanzte ich an Lady Lavinia und Gideon vorbei auf James zu. „Bitte alle einmal eins aufrücken“, sagte ich dabei, so nett ich konnte, und ohne auf die Proteste zu achten. Noch zwei Wechselschritte, und ich stand vor James.

„Entschuldigung, nur einmal aufrücken, bitte.“ Dem Pflaumenmus-Mädchen gab ich einen kleinen Schubs direkt in die Arme des Mannes gegenüber, dann reichte ich dem verdutzten James meine Hand und versuchte atemlos, zurück in meinen Rhythmus zu kommen. Ein Blick nach links zeigte mir, dass die anderen ebenfalls dabei waren, sich neu zu ordnen, und dann weiter tanzten, als wäre ich nichts gewesen. Zu Gideon sah ich sicherheitshalber nicht, stattdessen starrte ich James an. Kaum zu glauben, dass ich seine Hand halten konnte und dass sie sich warm und lebendig anfühlte!

„Ihr habt die ganze Reihe durcheinandergebracht“, sagte er vorwurfsvoll und unterzog mich einer Musterung von Kopf bis Fuß. „Und Ihr habt Miss Amelia äußerst rüde von mir weggeschubst.“

Ja, er war es wirklich! Der gleiche blasierte Tonfall wie immer. Ich strahlte ihn an. „Das tut mir auch aufrichtig leid, James, aber ich muss unbedingt mit dir … nun, ich muss in einer Sache von größter Wichtigkeit mit Euch sprechen.“

„Soviel ich weiß, sind wir einander noch nicht vorgestellt worden“, sagte James naserümpfend, während er zierlich einen Fuß vor den anderen setzte.

„Ich bin Penelope Gray aus … vom Land. Aber das ist vollkommen unerheblich. Ich habe Informationen von unschätzbarem Wert für euch und daher müsste Ihr Euch dringend mit mir treffen. Wenn Euch Euer Leben lieb und teuer ist“, setzte ich dem dramatischen Effekts zuliebe hinzu.