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Joschka Fischer - „Mein langer Lauf zu  mir selbst“

ISBN: 3-42661-478-2

Klappentext:

Joschka Fischers Weg zum Erfolg

Joschka Fischer berichtet darüber, wie er es geschafft hat, innerhalb eines Jahres fast 40 Kilo abzunehmen und Deutschlands bekanntester Marathon-Mann zu werden.

Das Ziel vieler Menschen ist es, ihr überschüssiges Gewicht loszuwerden und dadurch neue Vitalität zu gewinnen. Aber nur wenige finden den richtigen Weg, sinnvoll abzunehmen - Joschka Fischer ist einer von ihnen. Der ehemals behäbig wirkende, beleibte Politiker überraschte die Öffentlichkeit mit seinem fittem und jugendlichen Auftreten: In nur einem Jahr reduzierte er sein Körpergewicht um 40 Kilo!

Zahlreiche Briefe, in denen Joschka Fischer nach seinem Geheimnis gefragt wurde, veranlaßten ihn, dieses Buch zu schreiben. Seine Antwort: "Es gibt kein Patentrezept, keine Ideal-Diät, keine Ekelgetränke, auch keinen alleinseligmachenden Trainingsplan. Es gibt nur die Geschichte meines eigenen, erfolgreichen Wegs."

Joschka Fischer schildert in diesem Buch, wie er seine Ernährung umgestellt und nach welchen Kriterien er sein Lauftraining aufgebaut hat. Er be schreibt aber auch, was dieser Schritt für sein Denken und sein Lebensgefühl bedeutet. Ergänzend hat er eine Vielzahl von fachlichen Hinweisen und Ratschlägen zusammengestellt.

Inhalt:

Joschka Fischer, ein bekannter Politiker, aber auch ein fettleibiger Mensch. Über die Jahre legt er mehr und mehr zu, wird träger und träger und am Ende von seiner Frau verlassen.

Was aus Kummer begann, entwickelt sich bei ihm zu einem neuen Lebensrhythmus mit positivem Effekt.

Herr Fischer erzählt in diesem Buch, wie er zum Laufen gekommen ist, welche Qualen er am Anfang auszustehen hatte und wie sich dann doch alles zum Besseren gewandelt hat. Der Leser erfährt, wie aus einem Mittel zum Zweck eine Leidenschaft geworden ist und wie Herr Fischer am Ende dazu kam, einen Marathon zu laufen.

Am Ende des Buches gibt es noch ein paar Lauf- und Ernährungstipps vom Profi

Leseprobe:

Es ist heute wieder einmal einer jener Tage gewesen, bei denen von acht Uhr in der Frühe bis spät in die Nacht hinein ein Termin den anderen jagte – Staatsgäste, Ausschusssitzungen, Kabinett, Rücksprachen im Amt, Interviews und am Ende noch ein Treffen beim Bundeskanzler im kleinen Kreis. Gegen 22.30 ist der Tag zu Ende, die anderen bleiben noch bei einem Glas Rotwein sitzen, während ich jetzt unbedingt raus muss, raus auf die fast mitternächtlichen Straßen Bonns, um noch eine Stunde zu laufen. Auf die Frage, wo ich denn um diese Uhrzeit hin müsse, antworte ich wahrheitsgemäß, dass ich jetzt zu laufen gedächte, und ich sehe nach dieser Antwort meinen Gegenübern an, dass sie mich für völlig bekloppt oder zumindest für gefährlich fanatisch halten. Ja richtig, denke ich mir, denn welcher vernünftige Mensch geht denn um diese Uhrzeit und nach einem solchen Arbeitstag noch laufen? Aber nach einem solchen Arbeitstag will ich noch etwas abspannen und genießen, und das geschieht jetzt eben nicht mehr bei einem Glas Rotwein und noch einem Glas und noch einem weiteren, sondern jetzt sind es 10 Kilometer am nächtlichen Rheinufer zwischen Bonn und Bad Godesberg.

Ich habe seit längerer Zeit viel zu wenig Schlaf, denn der Tag hat für den deutschen Außenminister einfach nicht genügend Stunden, ich fühle mich heute bereits seit Stunden erschöpft, den Kopf ausgelaugt, körperlich schlapp und wie durch eine trübe Pfütze gezogen, müde und zerschlagen. Was ich jetzt brauche, ist Erholung, und zwar für den ganzen Menschen, für Körper und Geist. Früher wäre ich in die Kneipe gegangen oder einfach nur ins Bett, heute weiß ich, dass ich diese Erholung selbst noch kurz vor Mitternacht auf der Straße finden werden. Wenn ich nach ca. 1 Stunde und 10 Kilometern Laufen schweißnass und quitschfidel in meine Wohnung zurückkehre, werde ich mich wie neugeboren fühlen, dann der ganze Frust, die Müdigkeit und Schlappheit werden von mir abgefallen sein. Und ganz nebenbei hab ich vielleicht dann auch noch das eine oder andere politische Problem in meinem Kopf gelöst oder mir ist ein neuer Gedanke gekommen, denn beim Laufen passieren im Kopf bisweilen die erstaunlichsten Dinge.

Man muss diese Erfahrung wohl selbst gemacht haben – dass man sich durch einen einstündigen Lauf nicht kaputtmacht, sondern, ganz im Gegenteil, hervorragend erholen kann -, bevor man solche Geschichten tatsächlich glaubt. Mir ist es früher zumindest so gegangen, bis ich dieses Erlebnis selbst hatte. Laufen heißt Anstrengung, aber exakt diese Anstrengung des gesamten Körpers – über eine längere Zeit hinweg in einem gleichbleibenden Rhythmus – ist es (die entsprechende Kondition durch regelmäßiges Training selbstverständlich vorausgesetzt), die den gesamten Organismus in Bewegung versetzt, die Lungen heftig pumpen lässt, den Körper bis in die feinsten Kapillargefäße hinein mit Sauerstoff versorgt und dadurch aktiviert und dabei auch noch den Kopf in eine meditative Ruhe versetzt, die kreative Assoziationsketten von Ideen und Gedanken fast wie von selbst ablaufen lässt.

Wie gesagt, man muss, um diese Wirkung nachvollziehen zu können, die Sache selbst einmal gemacht und erlebt haben, bevor man sie glaubt, dann wird man sie aber nicht mehr vermissen wollen. Wird man deshalb auch gleich süchtig, süchtig aufs Laufen? Und hätte ich demnach nur eine Suchtverhalten gegen ein anderes ausgewechselt? Es wird zudem viel vom sogenannten „Endorphin-Kick“ gemunkelt, und es mag ja sein, dass bei einer anhaltenden Dauerbelastung körpereigene Glückshormone oder Opiate freigesetzt werden, die unser Körper zur besseren Erträglichkeit keiner solchen Ausdauerbelastung bereithält, aber meine persönliche Erfahrung lässt  mich diese ganze Angelegenheit mit Endorphinen, dem „runner`s High“ und all den anderen Nettigkeiten als maßlos überschätzt begreifen. Beim Langlauf, immer einen ausreichenden Trainingsstand vorausgesetzt, fühle ich mich nach einiger Zeit in der Tat meistens sehr gut, und dies hält auch noch Stunden danach an. Dabei spielen aber nach meiner Beobachtung mehrere physiologische und psychologische Faktoren eine Rolle: die „Sauerstoffdusche“ für den Organismus, die Aktivierung der gesamten Muskulatur und des Hormonhaushalts, mag sein auch die Ausschüttung körpereigener Glückshormone und schließlich, last but not least, der meditative Aspekt, der zu einer unglaublichen inneren Entspannung führen kann.

Insofern ist es meines Erachtens falsch, das Laufen selbst in seiner extensiven Form als Suchtverhalten zu bezeichnen, denn letztendlich bleibt es eine tägliche Entscheidung: Laufe ich heute oder laufe ich nicht. Es gibt in meiner Erfahrung keinen mit dem Fresszwang vergleichbaren Laufzwang, die tägliche Entscheidung zu treffen, verlangt bisweilen eine ziemliche Überwindung. Gewiss werde ich unruhig, wenn ich einmal zwei Tage nicht zum Laufen gekommen bin. Ich fange an, mich unwohl zu fühlen, weil ich die körperliche Belastung und die meditative Entspannung vermisse, aber Suchtverhalten, ist wie gesagt etwas völlig anderes. ….