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Astrid Lindgren - „Ronja Räubertochter“

ISBN: 3-7891-2940-2

Klappentext:

Ronja, die Tochter des Räuberhauptmanns Mattis, wächst mitten im Wald auf, zwischen Räubern, Graugnomen und Wilddruden. Eines Tages trifft sie auf Birk, den Räubersohn aus der verfeindeten Sippe von Borka, und freundet sich mit ihm gegen den Willen ihrer Eltern an. Ein märchenhaftes Buch voller Fantasie, und ein Plädoyer gegen Vorurteile und Ungerechtigkeit.

Inhalt:

Ronja ist die Tochter von Mattis. Und Mattis führt seine Mattisräuber an. Auf der Mattisburg wird sie geboren, während draußen ein Gewitter tobt. Ein Blitz eben dieses Gewitters teilt dann auch die Burg in zwei Hälften. Die Teufelsklamm ist tief und man meidet von nun an die abgespaltene Hälfte der Burg.

In eben diese Hälfte ziehen eines Nachts die Borkaräuber ein. Und ausgerechnet Ronja bekommt es als erste mit.

Doch mit der Zeit freundet sie sich mit Birk, dem Borkaräuberjungen, an. Ihr Vater darf es nicht wissen, aber irgendwann bekommt er es doch mit. Nämlich, als Mattis Birk gefangen nimmt und die Borkaräuber so von der Burg vertreiben will.

Mattis ist eigensinnig. Ronja aber auch und so zeiht sie zusammen mit Birk in eine Höhle. Über kurz oder lang kann sie Mattis so nicht nur weich klopfen, sondern bewirkt auch eine Revolution im Räuberverhalten.

Leseprobe:

Während der nächsten Tage lies sich kein Mattis in der Steinhalle blicken, und er war auch nicht an der Wolfsklamm dabei, als der Kindertausch stattfand. Es war Lovis, die gekommen war, um ihre Tochter abzuholen. Im Gefolge hatte sie Fjosok und Joen, dund die beiden führten Birk zwischen sich.

Borka und Undis mit ihren Räubern warteten bereits vor der Wolfsklamm, und sobald Undis Lovis sah, keifte sie voll Zorn und Triumph: „Ein Kindsräuber wie Mattis – man versteht ja, daß er die Schande fühlt und sich nicht blicken läßt.“ Lovis war sich zu gut für eine Antwort. Sie zog Ronja an sich und wollte wortlos mit ihr fort. Viel hatte sie darüber gegrübelt, warum ihre Tochter sich freiwillig in Borkas Hände begeben hatte, aber jetzt, bei dieser Begegnung, ahnte sie, warum. Die beiden Ronja und Birk, sahen einander an, als wären sie allein hier an der Wolfsklamm und auf der Welt. Ja, diese beiden hielten zusammen, das konnte jeder sehen. Auch Undis sah es sofort, und was sie da sah, gefiel ihr gar nicht. Heftig rüttelte sie Birk, „Was hast du mit der da zu schaffen?“

„Sie ist meine Schwester“, antwortete Birk. „Und sie hat mir das Leben gerettet.“

Ronja schmiegte sich an Lovis und weinte. „Genau wie Birk es mir gerettet hat“, murmelte sie.

Borka aber war rot geworden vor Wut. „Hintergeht mich mein Sohn und gibt sich mit der Brud meines Todfeindes ab?“

„Sie ist meine Schwester“, wiederholte Birk nur und sah Ronja an.

„Schwester!“ kreischte Undis. „Ha, was daraus in ein paar Jahren wird, das weiß man ja!“ sie packte Birk und wollte ihn fortziehen. „Faß mich nicht an“, sagte Birk. „Ich geh allein, und ich dulde nicht, daß du mich anrührst.“

Er wandte sich um und ging. Von Ronja kam ein Jammerruf: „Birk!“ Aber er ging – und war fort.

Als Lovis mit Ronja allein war, fragte sie nach diesem und jenem, aber das war verlorene Mühe. „Sprich nicht mir mir“, bat Ronja. Da ließ Lovis sie in Ruhe, und schweigend wanderten biede nach Hause.

Glatzen-Per empfing Ronja in der Steinhalle, als sei sie einer Todesgefahr entronnen. „Wie gut, daß du lebst!“ rief er. „Du armes Kind, wie hab ich mich um dich gesorgt!“

Ronja ging stumm zu ihrem Bett, legte sich hin und zog die Vorhänge zu.

„In der Mattisburg gibt`s nichts als Elend“, sagte Glatzen-Per und schüttelte den Kopf. Dann flüsterte er Lovis zu: „Ich habe Mattis in meiner Schlafkammer. Aber er leigt nur da und starrt vor sich und und sagt kein Piep. Aufstehen will er nicht, und essen will er nicht. Was machen wir bloß mit ihm?“

„Er wird schon kommen, wenn der Hunger groß genug ist“, meinte Lovis. Aber auch sie war bekümmert. Und am vierten Tag ging sie in Glatzen-Pers Kammer und sprach ein Machtwort: „Komm jetzt essen, Mattis! Sei endlich friedlich! Alle sitzen schon am Tisch und warten auf dich.“ Schließlich kam Mattis, finster und abgemagert und kaum wiederzuerkennen. Stumm setzte er sich an den Tisch und aß. Auch alle seine Räuber schwiegen. So still war es in der Steinhalle nie zuvor gewesen. Ronja saß an ihrem gewohnten Platz, aber Mattis sah sie nicht. Auch sie hütete sich, ihn anzusehen. Nur ganz verstohlen schielte sie einmal in seine Richtung, und da sah sie einen Mattis, der dem Vater, den sie bisher gekannt hatte, nicht mehr glich. Ja, alles war verändert und schrecklich geworden! Am liebsten wäre sie davongestürzt, wen von dort, wo Mattis war, wäre allem entflohen, um allein zu sein. Sie blieb aber entschlußlos sitzen und wußte nicht ein noch aus in ihrem Kummer.

„Seid ihr jetzt satt ihr Spaßvögel?“ fragte Lovis grimmig, die Mahlzeit beendet war. Soviel Schweigen ertrug auch sie nicht. Mit einem Gemurmel standen die Räuber auf und verdrückten sich rasch zu ihren Pferden, die nun schon den vierten Tag unbeschäftigt im Stall standen. Wenn der Häuptling nur in Glazen-Pers Kammer lag und dort die Wände anglotzte, konnten sie ja nicht auf Raubzüge ausreiten. Es war gar zu traurig, fanden sie, weil gerade zu dieser Jahreszeit mehr Reisende als sonst durch die Wälder fuhren. Mattis verließ die Steinhalle, ohne ein einziges Wort gesprochen zu haben, und wurde an diesem Tag auch nicht mehr gesehen.

Und Ronja stürzte davon, hinaus in den Wald. Drei Tage lang hatte sie dort schon nach Birk gesucht, aber er war nicht gekommen. Sie begriff nicht weshalb. Was machten sie in der Borkafeste mit ihm? Hatten sie ihn eingesperrt, damit er nicht im Wals mit ihr zusammentraf? Es fiel ihr schwer, nur zu warten und nichts zu wissen. ...