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Peter Freund - „Laura und das Orakel der Silbernen Sphinx“

ISBN: 978-3-404-15883-6

Klappentext:

Laura ist erst dreizehn, aber sie verfügt über fantastische Fähigkeiten und gute freunde. Mit ihrer Hilfe führt sie den nahezu aussichtslosen Kampf gegen den Schwarzen Fürsten Borboron, der ihren Vater gefangen hält. Um ihn zu retten, muss das mutige Mädchen das magische Schwert Hellenglanz finden und in das unwirtliche Fatumgebirge reisen. Dort versteckt sich ein See, der das Geheimnis des Lebens kennt. Aber niemand ist jemals lebendig von seinen Ufern zurückgekehrt. Denn dort lauert eine riesige Silberne Sphinx, die nur dem Zutritt gewährt, der ihre Orakelfrage richtig beantwortet. Die falsche Antwort bedeutet den sicheren Tod...

Inhalt:

Laura Leander lebt auf Burg Ravenstein. In diesem Internat ist sie nicht nur von anderen Wächtern des Lichts umgeben, wie sie einer ist, sonder auch von den Dunklen, die ihre Feinde sind und ihr ans Leder wollen.

Ihr Vater ist auf Aventerra, dem Parallelplaneten der Erde, in der Festung von Borboron gefangen. - Laura will ihn befreien.

Sie glaubt, dass sie mit „Hellenglanz“, einem weiß magischen Schwert, eine größere Chance hat, Borboron zu besiegen. Doch zunächst einmal muss sie das verschollenen Schwert finden.

Laura schafft es, mit Hilfe ihrer freunde, die Dunklen zu überlisten. Sie gelangt durch das Tor und nach Aventerra. Doch hier nutzt ihr das Schwert erst einmal gar nichts, da es zerbrochen ist. Sie muss das Unrecht sühnen, welches mit dem Schwert begangen wurde. Doch dazu muss sie an der silbernen Sphinx vorbei. Und das hat bisher noch niemand geschafft.

Leseprobe:

… Über dem weitläufigen Park von Burg Ravenstein war bereits die Nacht hereingebrochen. Die Dunkelheit machte Laura jedoch nicht aus. Mit Minzi im Arm ging sie unbeschwert den Kiesweg entlang, der sich zwischen Bäumen und Sträuchern hindurch zu Morduks Häuschen schlängelte. Selbst der geflügelte Schatten, der wie aus dem Nichts auftauchte und völlig lautlos über sie hinwegsegelte, konnte sie nicht erschrecken. Laura wusste, dass es sich um einen der beiden Steinkäuze handelte,d ie sich in der alten Eiche hinter der Turnhalle eingenistet hatten. Erst als das Standbild das Grausamen Ritters vor ihr auftauchte, verlangsamte die unwillkürlich die Schritte und beäugte das granitgraue Denkmal argwöhnisch. Jedes Mal befiel sie beim Anblick des Steinernen Ritters auf seinem Pferd ein beklemmendes Gefühl. Kein Wunder! Schließlich hatte Reimar von Ravenstein ihr in den vergangenen Monaten schon mehr als einmal über mitgespielt, und so war ihr erst wieder wohler, als sie das Rondell mit dem Monument endlich hinter sich gelassen hatte.

Im Wipfel der mächtigen Buche, die ihre Äste über das graue Feldsteinhäuschen des Hausmeisters spannte, hatten sich bereits die Schatten der Nacht eingenistet. Trotz der Dunkelheit konnte Laura erkennen, dass ihe Zweige ebenso wie der benachbarte Haselnussstrauch in sattem Grün standen.

Als Attila Morduk die Haustür öffnete, erkannte Laure sofort, dass er ziemlich schlecht gelaunt war.

„Was ist denn los?“, fragte sie ihn bekümmert, nachdem sie an dem Holztisch in seinem Wohnraum Platz genommen hatte.

Attilas ohnehin schon mürrisches Gesicht verfinsterte sich so, als wolle er sich um die Rolle des abscheulichsten aller Oberschurken bewerben. „Die beiden treiben mich noch in den Wahnsinn!“

„Wer denn bloß?“

„Ja, wer wohl?“ Attila blaffte Laura an, als sei sie höchstpersönlich für seine miese Stimmung verantwortlich. „Dr. Schwartz und die Taxus natürlich – wer denn sonst?“

Hätte ich mir auch denken können!, fuhr es Laura durch den Kopf.

Solange Professor Morgenstern das Direktorenamt ruhen ließ, war Quintus Schwartz Attilas Vorgesetzter, und das der Konrektor einem Untergebenen das Leben zur Hölle machte, konnte Laura sich lebhaft vorstellen.

„Dauernd fällt ihnen was anderes ein!“, wetterte der Zwergriese mit dem mächtigen schädel. „Dauernd haben sie neue Aufträge für mich. >Attila mach dies! Attila mach das!< So geht das von früh bis spät. Ununterbrochen kommandieren sie mich herum. Und was dem Ganzen die Krone aufsetzt: Neulich habe ich die vergammelten Ritterrüstungen, die du vor Weihnachten in der Alten Gruft entdeckt hast, zum Restaurator nach Hohenstadt bringen müssen, zu Meister Reginald Hörrich.“

„Den kenne ich“, warf Laura behutsam ein, um den aufgebrachten Morduk nicht noch mehr zu reizen. „Er lebt ziemlich zurückgezogen in einem umgebauten Bauernhof ganz in der Nähe von unserem Hause. Hörrich kriegt angeblich selbst die verkorkstesten Sachen wieder richtig gut hin.“

„Das mag ja sein“, brummte Attila bärbeißig. „Ich rege mich ja auch nur darüber auf, dass ich sie mitsamt der darin steckenden Knochen dorthin schaffen musst.“

„Was?“ Larua traute ihren Ohren nicht. „Du meinst doch nicht etwa die Skelette der vier Ritter, die in der Gruft den Tod gefunden haben?“

„Doch! Genau die!“, ereiferte sich der Hausmeister. „Dr. Schwartz hat mich eigens darauf hingewiesen, dass auch die restauriert werden sollen.“

Laura schüttelte verwundert den Kopf. 2Was soll denn der Quatsch?“

„Das frage ich mich auch!“ Vor lauter Aufregung hatte Attilas Schädel die Farbe einer überreifen Tomate angenommen. „Das ist reine Willkür, sage ich dir. Nichts als Schikane!“

Laura konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Attila wirkte unfreiwillig komisch in seinem Zorn. Wer kann ein wütendes Kuschelmonster schon ernst nehmen? „Bleib ganz cool, Attila!“, sagte sie deshalb. „Beruh-“ Mitten im Wort brach sie jedoch ab und zuckte entsetzt zurück: Direkt vor ihr war der Kopf einer Boa aufgetaucht, die sie aus schlitzförmigen Pupillen gierig anstarrte, während eie gespaltene Schlangenzunge aus dem Maul fuhr und auf Lauras Gesicht zuzischelte“

Minzi, die auf ihrem Schoß saß, miaute kläglich.

„Puuh – du bist das Cleopatra!“ die angehaltenen Luft strömte geräsuchvoll aus Lauras Mund. Erleichtert streckte sie die Hand aus und furh der Würgeschlange,die gleich einem überdimensionalen Wollknäuel von einem der Holzbalken des deckenlosen Raumes baumelte, zärtlich über den keilförmigen Kopf. „Du hast mich ganz schön erschreckt! Tu so was bloß nie wieder“

„Sei ihr bitte nicht böse“, ließ der Hausmeister sich vernehmen. „Mein Liebling hat einfach Langeweile. Was ja auch kein Wunder ist. Schließlich habe ich so gut wie keine Zeit mehr für sie. Auch daran sind diese feinen Herrschaften schuld!“ …