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Michael Tobias - „Bestiarium“

ISBN: 978-3-404-16530-8

Klappentext:

Ein nächtlicher Anruf reißt Tierschützer Jean-Baptiste Simon aus dem Schlaf. Im Hafen von Antwerpen ist ein Tier aus einem Container ausgebrochen, der an die Vereinigten Arabischen Emirate adressiert war. Die Dockarbeiter geben alle unterschiedliche Beschreibungen. Nur in zwei Punkten sind sie sich einig: Das Tier war weiß. Und es hatte nur ein Horn, mitten auf der Stirn.

Inhalt:

Im Hafen von Antwerpen bricht ein seltsames Tier aus einem Container aus. Im Museum wird der Gärtner mit einem Knochen ermordet. Doch warum war der Gärtner steinreich? Warum arbeitet ein Mann mit einem solchen Vermögen in so einem Job? - Jean Baptiste tappt bei seinen Ermittlungen im Dunkeln.

Martin, ein Immobilienhändler, bekommt plötzlich einen Anruf von seinem Onkel. Schon lang hatten sie keinen Kontakt mehr. Und jetzt erfährt er, dass sein Vater bereits ein halbes Jahr lang tot ist. Nun soll er sein Erbe gezeigt bekommen. Doch das ist gar nicht so einfach und Martin muss seinem Onkel vertrauen. Er soll allein kommen und darf niemanden einweihen.

Als er dann endlich angekommen ist, findet er das Paradies.  Doch es ist in Gefahr. Nicht nur Wilderer bedrohen das Fleckchen Erde, sondern auch das Klima und der Bebauungsplan. Gemeinsam mit seiner Frau will er retten, was noch zu retten ist. Doch, ist die Suche nach dem Buch nur ein Ablenkungsmanöver?

Leseprobe:

… Es war kurz nach fünf Uhr morgens, als Fabritius Cadiz es endlich schaffte, Simon und Mans über sein Mobiltelefon zu erreichen, während sie durch die Außenbezirke von Dijon fuhren. Sie waren unterwegs zu einem Best Western Hotel, wo sie ein paar Stunden Schlaf nachholen, eine heiße Dusche nehmen und in Rune eine Tasse Kaffee trinken wollten.

„Wir haben eine Spur aufgenommen“, berichtete Cadiz.

„Wie klar ist die Spur?“, wollte Simon wissen.

„Nun, irgendwo in Burgund. Sie kennen die Gegend ja, also müssten Sie sich ausrechnen können, wo genau sich unser Zielobjekt befindet“, fuhr der belgische Polizist fort. Er saß in der Polizeizentrale in Antwerpen. „Es gibt da ein Problem, das wir nicht verstehen. Wir haben sehr starke Interferenzen. Revere fährt offenbar durch ein von tiefen Schluchten durchzogenes Gelände.“

„Aber es gibt dort keine Schluchten.“

„Nun, dann vielleicht hohe Berge.“

„Der höchste erreicht gerade mal tausend Meter.“

„dann ist die Wanze defekt.

„Schildern Sie, was Sie sehen.“ Simon hatte selbst den kleinen Peilsender unter dem Heck von Reveres Wagen befestigt, ehe er früher am Nachmittag das Museum verlassen hatte.

„Der Satellit zeichnet steile Abhänge auf.“

„Welches ist die nächste Stadt?“

„Chateau-Chinon.“

„Und weiter?“

„Einundzwanzig Kilometer genau nach Norden. So lauten jedenfalls die Angaben. Aber man muss eine Abweichung von zwölf bis dreizehn Prozent einrechnen.“

„Und das Fahrzeug hat angehalten?“

„Ja. Vor einer Stunde. In der Nähe ist keine Ortschaft. Es sieht so aus, als stünde es jetzt im Nationlpark.“ Er gab einige Koordinaten durch.

„Danke, Fabbi.“

„Was hat er gesagt?“, wollte Mans wissen.

„Nehmen Sie die nächste Abfahrt. Wir müssen ein Stück zurück in Richtung Nevers und dann suchen. Allerdings habe ich so eine Vermutung.“

„Aber das dauert mindestens eine Stunde oder mehr. Wir müssen tanken. Und ich brauche einen Kaffee.“

Simon studierte seine Landkarte von Burgund. Revere befand sich irgendwo in der Nähe von Montsauche in der Gegend des Lac de Settons zwischen den Flüssen Yonne und Cure, die beide währen der heftigen Regenfälle beinahe Hochwasser führten. Es war wohl kein Zufall, dass Serkos Leiche genau hier gefunden wurde, dachte er. Es war eine wilde Gegend – die wildeste im gesamten Morvan, wie die Region genannt wurde. Sie war ein unübersichtlicher Teil des Zentralmassivs, das sich über zwanzig Prozent der Gesamtfläche Frankreichs erstreckte, und ein Gebiet voller Kare und Senken aus Grani und Porphyr, in Urzeiten bewohnt, aber in historischer Zeit weitgehend ungenutzt – was wiederum erklärte, dass es im Wesentlichen Naturgebiet und unerschlossen war -, und Höhlen, in einigen Fällen Kilometertief, ausgeschmückt mit steinzeitlichen Wandbildern.

Simons Großvater war ein echter „Morvandeau“ und sein Vater auch. Beide bedienten sich der alten Sprache, des so genannten Sologne-Bourbonnais-Dialekts.

Etwas aneres bekam jetzt ebenfalls einen Sinn, aber Simon musste seinen Vater anrufen, um sich eine Bestätigun zu holen. Er wählte die Telefonnummer, da er die Gewohnheiten seines Vaters, eines Bauern, kannte. Er war Frühaufsteher.

„Mom? Ich bins. Wo ist Vater?“

„Im Melkstall. Ist alles in Ordnung?“

„Ja. Entschuldige dass ich so früh anrufe. Erinnerst du dich an die Geschichte, die Großvater immer von dem Kloster erzählt hat, in dem er das Malen erlernt hat?“

„Natürlich. Eine Zisterzienserabtei mit weitläufigen Landbesitz. Aber er konnte nicht malen, auch wenn sein Leben davon abgehangen hätte. Deshalb hat er mit der Landwirtschaft angefangen.“

„Aber wo war dieses Kloster?“

„So genau habe ich das nie verstanden. Irgendwo in Richtung Premery, südlich von Tannay. Aber warum willst du das wissen?“ …