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Henning Mankell - „Der Mann am Strand“

ISBN: 3-423-25283-9

Klappentext:

Der Mann am Strand - Der Mann mit der Maske: Zwei spannende Kriminalgeschichten aus ›Wallanders erster Fall und andere Erzählungen‹ im Großdruck!

Während Frau und Tochter auf den Kanarischen Inseln Ferien machen, hat Kriminalkommissar Kurt Wallander im heimischen Schonen einen merkwürdigen Fall zu lösen: Ein Mann liegt leblos im Fond eines Taxis. Wer ist der Fremde? Was hat ihn nach Ystad geführt? Was ist geschehen? Fragen über Fragen, und knapp zwei Wochen später die Antwort.

Der zweite Fall datiert aus Wallanders Assistenzzeit in Malmö: Sein Vorgesetzter bittet ihn, auf dem Heimweg bei einem kleinen Lebensmittelgeschäft vorbeizuschauen. Dort treibe sich nach Meinung der älteren Ladeninhaberin den ganzen Nachmittag schon eine sonderbare Person herum. Eine harmloser Auftrag mit schrecklichen Folgen …

Inhalt:

Ein Mann steigt in ein Taxi ein, aber dann nicht mehr aus, weil er unterwegs auf der Rückbank verstirbt. Alles sieht zunächst nach einem Herzinfarkt aus, doch bei der Obduktion findet man Gift in seinem Körper.

Kommissar Wallander macht sich an die Ermittlungen. Doch am Strand scheint er in eine Sackgasse zu geraten. Da trifft er auf einen Mann, der mit seinem Hund spazieren geht. Und dieser Mann reagiert minimal auf die frage. Aber er reagiert und genau das merkt Wallander auch.

Leseprobe:

… Wallander zog die Stirn in Falten. „Was meinte sie denn damit?“

„Ich glaub, das ist häufiger die Ursache für Scheidungen, als man ahnt“, sagte Rydberg. „Ich glaube, es muß gräßlich sein, mit einem langweiligen Menschen zusammenzuleben.“

Wallander nickte gedankenverloren. Er fragte sich, ob Mona wohl ebenso dachte. Und was dachte er selbst?

„Ich habe sie gefragt, ob sie sich jemanden vorsellen könnte, der ihn würde umbringen wollen. Aber das konnte sie nicht. Dann fragte ich sie, ob sie erklären könnte, was er hier unten in Schonen getan hätte. Das konnte sie auch nicht. Das war alles.“

„Du hast nicht nach ihrem verstorbenen Sohn gefragt? Von dem Hansson sagt, er sei ermordet worden?“

„Doch, natürlich. Aber sie wollte nicht darüber sprechen.“

„Ist das nicht ein bißchen sonderbar?“

Rydberg nickte. „genau, was ich dachte.“

„Ich glaube, du mußt sie noch einmal anrufen“, sagte Wallander.

Rydberg nickte und verließ das Zimmer.

Wallander dachte, daß er bei Gelegenheit Mona fragen müßte, ob Langeweile das größte Problem in ihrer Ehe sei. Das Klingeln des Telefons riß ihn aus seinen Gedanken. Ebba von der Vermittlung teilte ihm mit, daß die Polizei in Stockholm mit ihm sprehcne wolle. Wallander zog seinen Block heran und hörte zu. Es war ein Polizist namens Rendal, mit dem Wallander noch nie zu tun hatte.

„Wir haben uns diese Wohnung in der Äsögata angesehen“, sagte Rendal.

„Und, habt ihr etwas gefunden?“

„Wie sollten wir etwas finden können, wenn wir nicht wissen, wonach wir suchen sollen?“

Wallander hörte, daß Rendal gestreßt war.

„Wie sah sie denn aus?“ fragte Wallander so freundlich er dies nur konnte.

„Sauber und ordentlich“, sagte Redal. „Geputzt. Ein bißchen pedantisch. Ich fand, es war eine typische Junggesellenwohnung.“

„Ist es ja auch“, sagte Wallander.

„Wir haben uns seine Post angesehen“, fuhr Rendal fort. „Er scheint höchstens eine Woche weg gewesen zu sein.“

„Das stimmt“, sagte Wallander.

„Er hatte einen Anrufbeantworter. Aber der war leer. Keiner hat ihn angerufen.“

„Was hat er für eine Ansage?“ fragte Wallander.

„Nur die üblich.“

„Dann wissen wir das“, sagte Wallander. „Danke für die Hilfe. Wir melden uns wieder, wenn es noch mehr gibt.“

Wallander legte auf und sah, daß es Zeit war für das Namittagstreffen der Ermittlungsgruppe. Als er das Sitzungszimmer betrat, waren Hansson und Rydberg schon da.

„Ich habe mit Stockholm gesprochen“, sagte Wallander. „Die Wohnung in der Äsögata hat nichts ergeben.“

„Ich habe die Frau noch einmal angerufen“, sagte Rydberg. „Sie wollte immer noch nicht über den Sohn sprechen. Aber als ich ihr klarmachte, daß wir notfalls von ihr verlangen könnten, nach Hause zu kommen und uns bei der Ermittlung zu helfen, ging es etwas leichter. Ihr sohn wurde auf offener Straße mitten in Stockholm niedergeschlagen. Es muß ein total sinnloser Überfall gewesen sein. Man hatte ihn nicht einmal beraubt.“

„Ich habe ein paar Unterlagen über diesen Überfall kommen lassen“, sagte Hansson. „So lange ist es ja noch nicht her, daß der Fall ad acta gelegt worden ist. Seit mehr als fünf Jahren hat keiner etwas in der Sache unternommen.“

„Gab es keine Tatverdächtigen?“ wollte Wallander wissen.

Hansson schüttelte den Kopf. „Überhaupt keine. Es gab absolut nichts. Keine Zeugen, gar nichts.“

Wallander schob seinen Kollegeblock von sich. „Genauso wenig, wie wir jetzt in der Hand haben“, sagte er.

Es wurde still am Tisch. Wallander sah ein, daß er etwas sagen mußte. „Ihr müßt mit dem Personal in seinen Läden reden“, sagt er. „Wendet euch an einen Kollegen namens Rendal bei der Stockholmer Polizei und bittet ihn, euch zu helfen. Wir sehen uns morgen wieder.“

Sie verteilten die Arbeit, und Wallander ging zurück in sein Zimmer. ...