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Markus Heitz - „Drachenkaiser“

ISBN: 3-492-26778-5

Klappentext:

Unsere Welt gehört den Drachen - seit Anbeginn der Zeit haben sie Länder und Kontinente unter sich aufgeteilt, entfachen politische Konflikte und Kriege. Doch im Europa des Jahres 1926 gibt es Menschen, die sich den übermächtigen Geschöpfen entgegenstellen. Die Drachentöterin Silena, Fürst Grigorij und ihre Gefährten haben die erste Schlacht gegen die Drachen geschlagen. Die feuerbewehrten Herrscher der Alten Welt sind geschwächt und zerstritten. Dies lockt einen neuen Drachen aus dem fernen Osten herbei. Silena und ihre Mitstreiter müssen verhindern, dass der Machtkampf der Drachen zur Unterdrückung der gesamten Menschheit führt ... Nach »Die Mächte des Feuers« nun auch der Abschlussband im Taschenbuch.

Inhalt:

Anastasia ist verheiratet. Sie hat die Skyguards gegründet und jagt mit denen erfolgreich Drachen. Doch ihre Vergangenheit holt sie ein. Die als Großmeisterin Silena im Officium Draconis. Doch sie lehnt das Angebot ab und muss kurz danach feststellen, dass sie damit einen Fehler gemacht hat.

Auch ihr Mann der seine Mutter in Russland besucht, muss um sein Leben fürchten. Erst bekommt er Ärger mit den Revolutionären und dann mit den Männer des Zaren.

Doch die waren Herrscher der Länder und Reiche sind die Drachen. Sie benutzen die menschlichen Herrscher lediglich als Marionetten. Das wird deutlich, als Anastasia mit den Drachenheiligen des Officiums den Drachenkaiser in der verbotenen Stadt zur Strecke bringen soll. Hier lernt sie plötzlich eine andere Gesinnung ihrer einstigen Weggefährten kennen.

Ihr Mann, Grigory, kann sie und das Kind unverhofft retten. Und als er dann in Russland Zar wird, eröffnen sich ihm weitere ungeahnte Möglichkeiten im Kampf gegen die Drachen, sowie ihre Beschützer und Verehrer.

Leseprobe:

Ealwhina fühlte, wie sich das kalte Metall an ihrer Haut erwärmte. Sie bewegte sich nicht, sondern sah Sigorskaja verschlafen in die Augen. „Ich habe das Artefakt nicht. Ich habe es in der Herengracht verloren.“ Sie wusste, im gleichen Moment, dass die Russin ihr nicht glauben würde.

Die Menschen rechts und links von ihnen waren stumm und verharrten reglos an ihren Plätzen. Niemand wollte die lange Klinge selbst zu spüren bekommen.

„Das ist Unsinn. Ich hatte sie vorhin kurz gesehen, ehe Sie in den Zug stiegen“, herrschte Sigorskaja sie an. „Ich konnte deutlich erkennen, dass Sie es noch bei sich trugen. Wo haben Sie es versteckt?“

„Aus dem Fenster geworfen.“

Die Schneide fuhr leicht ins Fleisch, und Ealwhina sog zischend Luft durch die Zähne ein.

„Hören Sie mit dem Theater auf. Ich kann Sie abstechen und selbst suchen. Ich möchte es Ihnen einfacher machen.“

„Es Ihnen einfacher machen und mich danach abstechen.“ Ealwhina überschlug hektisch ihre verschiedenen Möglichkeiten. Sie fühlte sich nicht mehr ganz so elend wie vorhin. Der leichte Schlummer hatte ihr etwas Kraft zurückgegeben, aber mit einem Dolch am Hals gab es für eine Ablenkung mit anschließender Flucht nur einen einzigen Versuch. Wohin konnte man zudem in einem fahrenden Zug flüchten? Weiter als bis zur Lokspitze ging es nicht. Bleibt der Sprung aus dem Fenster vom Waggon aus.

„Ich werde Ihnen nichts tun, wenn ich das Artefakt habe, das dem russischen Zaren gehört“, betonte Sigorskaja. „Bei ihm ist es besser aufgehoben als bei Ihnen. Sie könnten alles Mögliche damit anstellen.“

Ealwhina sah an ihr vorbei zu dem Lampenhalter; sie hatte einen sehr großen Mann in zu kleiner Kleidung bemerkt, der mit dem Rücken zu ihnen stehen geblieben war. Er sah in den Lampenhalter und streckte die Hand durch die Öffnung. „He!“ rief sie aufgebracht. „He, lass Sie das!“

„Ruhe!“, fuhr sie Sigorskaja an.

Der Mann – ein Chinese, wie Ealwhina bemerkte – drehte sich um und grinste sie an. Dann hielt er die Kugel zwischen Daumen und Zeigefinger in die Höhe, ließ sie in die andere Hand fallen und öffnete die Durchgangstür des Abteils.

„Er stiehlt das Artefakt!“, rief sie entsetzt und trat der Russin ansatzlos mit beiden Füßen gegen  den Unterleib. Die Frau wurde nach hinten geschleudert und prallte mit dem Oberkörper hart gegen die Bank. Ealwhina sprang in die Höhe und hetzte dem Mann hinterher.

Ein Schlag und ein heißer Schmerz fuhren ihr in den rücken, sie hing plötzlich an etwas fest und riss sich mit einer Schulterdrehung los. Die Qualen steigerten sich und brachten sie zum Aurschrien, warme Flüssigkeit lief ihr am Rückrad entlang. Aber sie lief weiter und sah den Chinesen durch das kleine Fenster in der Tür winken. Sie kannte das Gesicht nicht.

„Halt!“, schrie sie.

Jetzt wurde es laut im Abteil. Die Männer und Frauen riefen durcheinander und wichen vor ihr zurück, sie sah Sigorskajas Schatten über sich fallen und versuchte, sich vor der nächsten Attacke wegzuducken. Doch die Russin beschränkte sich darauf, sie zur Seite zu stoßen. Kopfüber flog Ealwhina zwischen die Mitreisenden, die sie halb auffingen, halb von sich stießen; einige von ihnen hatten daraufhin blutige Finger. Entsetzensschreie hallten durch das Abteil.

„Danke“, keuchte sie den unfreiwilligen Helfern zu und heftete sich an die Hacken der Frau, die mehr und mehr Abstand gewann und eine Pistole zog. Es ging durch den nächsten Wagen der zweiten Klasse. Die Passagiere sahen die Waffe und sanken unter die Bänke, so gut es ging, oder suchten hinter sperrigen Gepäckstücken Deckung.

„Stoi!“ Sigorskaja schoss auf den Chinesen und traf ihn  in der rechten Schulter. Sein Blut spritzte gegen die nächste Durchgangstür. Er wandte sich um, hob den linken Arm und formte mit der Hand eine Pistole. Zeige- und Mittelfinger richteten sich auf die Russin, dann drückte er mit dem Daumen ab. Laut krachte der erste Schuss!

Ealwhina hielt es zuerstt für Einbildung. Drei weitere Detonationen folgten.

Sigorskaja griff sich an den Hals. Den Kopf und die Brust, ihre Beine knickten ein, und sie fiel röchelnd auf den Gang.

Der Chinese zielte mit den Fingern nun auf sie. „Verschwinden Sie!“

„Sie haben mein Artefakt gestohlen!“ Sie war unsicher, was sie erwartete. Es kann nur ein Trick sein. Eine Handprothese mit einer Waffe darin?

„Nachdem Sie es gestohlen hatten.“ Der Chinese machte einen Schritt rückwärts durch die Verbindungstür. „Sie haben kein Recht sich zu beschweren.“ Mit dem Fuß schob er eine Bodenabdeckung nach oben, das Rattern der Räder schwoll an. Er bückte sich und machte sich in dem Hohlraum zu schaffen. ...