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Boris Koch - „Der Drachenflüsterer“

ISBN: 3-453-52492-6

Klappentext:

Märchenhaft und abenteuerlich

Der "Drachenflüsterer" erzählt packend und humorvoll von Freundschaft, erster Liebe und unfreiwilligem Heldentum. Eine großartige Mischung aus Buddy Movie, Huckleberry Finn und klassischer Fantasy!

Der fünfzehnjährige Ben ist ein Waisenkind und lebt im langweiligsten Dorf der Welt. Noch weiß er es nicht, doch er verfügt über eine besondere Gabe: Er ist ein Drachenflüsterer. Als er mit den falschen Leuten Ärger bekommt, lässt er alles hinter sich und erringt die Freundschaft eines Großen Drachens. Nur warum muss es ausgerechnet ein Drache mit psychischen Problemen sein ...?

All-Age-Fantasy für alle Fans von Cornelia Funke, Kai Meyer, Philip Pullman und Jonathan Stroud

Inhalt:

Ben lebt mit seiner Mutter in Trollfurt. Dort hat er es nicht leicht. Sein Vater gilt als verschollen und seine Mutter trinkt. Dem entsprechend ist sein Ruf im Ort.

Als seine Mutter verstirbt, muss er sich allein durchschlagen. Sein bester Freund Yanko hilft ihm, wo er nur kann.

Eines Tages kommt eine Familie in den Ort. Ausgerechnet mit dem Jungen gerät er gleich zu Anfang aneinander. Das führt dazu, dass er die Schulterknubbel von „Feuerschuppe“ nicht berühren darf. Das ist der Drache der Familie.

Ben schiebt alles Unglück, was nun folgt, drauf zurück, dass er die Knubbel nicht berühren durfte.

Als Ben dann auch noch des Mordes bezichtigt wird, muss er fliehen. Yanko hilft ihm dabei. Doch auf der Flucht entdeckt er seine wirkliche Bestimmung, die Wahrheit über Drachen und die des wahren Ansinnens des Familienoberhauptes der neuen Familie.

Leseprobe:

…Ben und Aiphyron verließen am nächsten Morgen ihr Versteck in aller Frühe. Irgendwann in der Nacht waren die Baumstämme an ihnen vorbeigeschaukelt, aber die Goldesche war nich nicht dabei gewesen. So gut das Versteck auch war, sie wollten nicht untätig herumsitzen und darauf warten, dass ihre Verfolger sie irgendwann einholten. Ben wusste nicht, weshalb er sich in der Nähe des Drachen so wohl fühlte, und eigentlich war das auch egal. Manchmal fühlte er noch Ehrfurcht vor seiner Größe und Eleganz, meist jedoch nur eine Art Vertrautheit, die noch gar nicht da sein dürfte, nicht nach der kurzen Zeit, nicht zwischen Mensch und Drache, und wo er doch zudem kaum etwas über Drachen wusste. Aber sie war da, und er sah keinen Grund, sie. in Frage zu stellen.

„Auf geht`s“, rief Ben auf Aiphyrons Rücken, während der Sippa noch immer im Schatten der Bäume lag. Die Sonne war noch nicht über den Wipfeln aufgetaucht. „Wenn das so weitereht, werde ich noch ein richtiger Drachenreiter.“

„Ein Drachenreiter?“ Aiphyron knurrte. „Ich glaube, du verkennst da etwas. Als Reiter würdest du bestimmen, wo es langgeht. Ich würde sagen, ich werde hier zum Menschnträger.“

„Ha! Was soll denn das sein? Das klingt, als wäre ich ein Rucksack!“

„Schlimmer! In einem Rucksack kann man etwas transportieren, der ist zu etwas nütze. Du bist einfach nur ein Stück Last.“ Aiphyrons Lachen klang wie ein tiefer, stotternder Husten.

Ben beugte sich grinsend zur Zeite, langte mit der hohlen Hand in den Fluss und spritzte einen Schwall Wasser nach vorn, direkt in Aiphyrons Auge. Er lachte, und der Drache prustete und tauchte mit dem Kopf ab. Dann kam er wieder hoch, wandte sich um und spuckte Ben einen Schwall Wasser entgegen.

Hart wurde Ben auf der Brust getroffen und nach hinten geschleudert. Er schlitterte auf dem Rücken über die Flussoberfläche wie einer der Stein, die Byasso immer hatte springen lassen. Nachdem er gut zwei Dutzend Schritt dahingefegt war, ging er schließlich auch unter wie ein Stein. Benommen sackte er Richtung Grund, Wasser drang ihm in die Nase. Ben schütteltet den Kopf, wälzte sich auf den Bauch und kämpfte sich wieder hinauf an die Luft. Das Erste, was er hörte, war Aiphyrons Lachen, es war ganz  nah. Der Drache war umgekehrt.

„Gut, ich ergebe mich.“ Mit erhobenen Armen fiel Ben in das Lachen ein und schnäuzte sich das Wasser aus dem Kopf.

Mit zwei Schwimmzügen war er neben Aiphyron und kletterte wieder hinauf. Dabei hielt er sich am Schulterknubbel fest. Der Schorf war inzwischen abgeblättert, darunter zeigte sich helle, bläuliche Haut und eine Schicht aus kleinen weichen Schuppen. Gewachsen war der Knubbel jedoch nicht, er hatte die Größe eines Männerkopfs, genauso wie am Tag zuvor. Doch er sah auf seltsame Art gesund aus, nicht vernarbt. Als Ben darüberstrich, fühlte es sich ganz glatt an.

„Und ich dachte immer, Drachen speien Feuer, nicht Wasser“, murmelte er.

„Pah, Feuer! Ich hasse Feuer!“

„Was? Warum?“

„Wieso warum? Muss es immer einen Grund geben?“, schnauzte Aiphyron. „Ich hasse es einfach, habe es schon immer gehasst. Feuer verbrennt Dinge und Bäume und Wesen und... Ich hasse es einfach.“

„Meinetwegen“, wiegelte Ben ab. „Ich mag Feuer. Es hält mich im Winter warm“

„Bis du verbrennst!“

Ben seufzte und zuckte mit den Schultern. „Gut. Bis ich verbrenne. Dann werde ich es auch hassen, das verspreche ich dir.“

Schnaubend schwamm Aiphyron möglichst nah an das rechte Ufer, dort trafen die Sonnenstrahlen zuerst auf die Wasseroberfläche, die linke Sippa-Seite würde noch fast den ganzen Vormittag im Schatten liegen. Ben legte das nasse Hemd ab und wrang es aus. Dann legte er es vor sich auf den Drachenhals und wartete zitternd auf die Sonne, damit sie ihn, seine Haare und das Hemd trocknete.

Doch kurz nachdem er aufgehört hatte zu zittern, gerieten sie wieder einmal in Stromschnellen, und er wurde erneut durchnässt. Da es auf Mittag zuging, ging das Trocknen nun wenigstens schneller.

Plötzlich knirschte Aiphyron mit den Zähnen, bäumte sich auf, tauchte ab und schnappte mit der Klaue nach irgendetwas.

Ben verlor das Gleichgewicht und landete zum zweiten Mal an diesem Tag im Wasser. So langsam wusste er, wie er reagieren musste; er kam wieder an die Oberfläche, ohne dass ihm viel Wasser in Nase und Mund gedrungen war.

„Ha!“, schrie Aiphyron seine Klaue an, die er geballt hatte und sich direkt vor die Schnauze hielt. Etwas zappelte darin. ...