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Charlaine Harris – „Club Dead“

ISBN: 3-867-62057-1

Klapentext:

Sookie Stackhouse hat nur mit einem Vampir freiwillig Umgang, und das ist ihr Geliebter Bill. Aber er ist in letzter Zeit so distanziert - und außerdem in einem anderen Staat. Sein finsterer, unattraktiver Chef Eric hat eine Idee, wo er sein könnte. Ehe sich Sookie versieht, ist sie in Jackson, Mississippi, um sich in der Unter-Unterwelt des Club Dead umzusehen. Das ist ein gefährlicher kleiner Laden, in dem sich die elitäre Vampirgesellschaft trifft, um auszuspannen und sich einen Schluck Null Rhesus Negativ zu gönnen. Aber als Sookie Bill endlich findet - und ihn bei einem schlimmen Verrat erwischt -, ist sie nicht sicher, ob sie ihn retten...oder ein paar Pflöcke anspitzen soll.

Inhalt:

Sookie ist eigentlich eine normale Frau. Sie geht arbeiten, hängt mit Freunden ab und hat finanzielle  Sorgen. Einzig abnormal ist ihr Freund, ein Vampir.

Durch ihn stolpert sie eines Tages in ein sehr zweifelhaftes Abenteuer hinein. Denn ihr Freund hat da gerade ein Projekt am Laufen, was anderen Vampiren sehr missfällt.

Sookie wird unfreiwillig in die Sache hinein gezogen. Mit einem Werwesen geht sie in einen Club, will sie etwas über den Verbleib von Bill herausfinden will. Dabei gerät sie zwischen mehrere Fronten. Ihre Sachen werden beschädigt, sie wird gepfählt, wieder geheilt, um dann auch zu Hause wieder angegriffen zu werden.

Sookie muss sich die Beziehung zu Bill noch einmal überlegen. Will sie wirklich auf Dauer so leben?

Leseprobe:

… „Das kann ich machen“, sagte Alcide, „aber ich verstehe wirklich nicht, was Sie im Club wollen. Ihre Anwesenheit wird doch lediglich Ärger heraufbeschwören. Was, wenn einer der Vamps Sie erkennt?“

„Von den Vampiren hier kenne ich niemanden.“

„Warum gehst du dieses Risiko ein?“ wollte nun auch ich wissen. „Warum willst du dort überhaupt hin?“

„Unter Umständen kann ich im Club Dinge aufschnappen, die dir nicht zu Ohren kommen und mit denen Alcide nichts anfangen kann, weil er kein Vampir ist“, erklärte Eric, was irgendwie logisch und einleuchtend klang.

„Würden Sie uns bitte einen Moment lang entschuldigen, Alcide?“ fuhr er dann fort. „Sookie und ich haben etwas Geschäftliches miteinander zu bereden.“

Alcide warf mir einen fragenden Blick zu. Er wollte ganz sicher sein, daß es in meinem Sinn war, mit Eric allein gelassen zu werden, ehe er dann widerstrebend nickte und hinaus ins Wohnzimmer ging.

„Willst du mich die Narben auf deiner Schulter heilen lassen, Sookie?“ fragte Eric abrupt, sobald Alcide gegangen war.

Ich dachte an die häßlichen, verkrusteten Halbmonde und die dünnen Träger des Kleids, das ich mir für den heutigen Abend mitgebracht hatte und hätte fast ja gesagt. Aber dann kamen mir Zweifel. „Wie sollte ich das den anderen erklären, Eric? Die ganze Bar hat doch mitbekommen, wie er mich angepackt hat.“

„Da hast du recht.“ Eric schloß die Augen und bewegte den Kopf nachdenklich hin und her, als sei er unzufrieden mit sich selbst. „Natürlich, das geht nicht. Du bist kein Wer, und untot bist du auch nicht. Wie solltest du da so schnell heilen können?“

Dann tat er etwas anderes, völlig unerwartetes: Er nahm meine Rechte in beide Hände und drückte sie fest, wobei er mit tief in die Augen sah. „Ich habe ganz Jackson durchsucht. Lagerhallen, Friedhöfe, Gehöfte, alles, was auch nur einen Hauch von Vampir verströmte. Jedes einzelne Haus  oder Grundstück, das Edington gehört, und dazu noch ein paar, die im Besitz seiner Gefolgsleute sind. Ich konnte nicht eine einzige Spur von Bill finden. Sookie, ich fürchte einfach – ich fürchte sogar sehr daß es mehr und mehr den Anschein hat, las sei Bill tot. Endgültig tot.“

Mir war zumute, als habe Eric mir mit dem Vorschlaghammer einen Schlag direkt vor die Stirn versetzt. Meine Knie gaben ganz einfach nach, und wenn Eric nicht so blitzschnell zugegriffen hätte, wäre ich mit Sicherheit zu Boden gegangen. Der Vampir setzte sich auf den Stuhl, der in der einen Zimmerecke stand und nahm das kleine Häufchen Elend, zu dem ich geworden war, vorsichtig auf den Schoß. „Nun habe ich es doch falsch angefangen – ich habe dich zu sehr erschreckt“, sagte er reuig. „Da wollte ich nun so sachlich und direkt wie möglich vorgehen, und statt dessen ar ich...“

„Brutal...“, stieß ich hervor und fühlte, wie mir aus jedem Auge eine Träne rann.

Erics Zunge schoß vor, und ich spürte eine kleine feuchte Spur auf der Wange, als er mit die Tränen ableckte. Wenn sie kein Blut bekommen  können, scheint ein Vampiren auch jede andere Art Körperflüssigkeit zu schmecken, was mir im Moment herzlich egal war und wenig ausmachte. Ich war froh, daß mich jemand hielt und tröstete, selbst wenn es sich um Eric handelte. Während ich ganz in meiner Trübsal versank, nutzte Eric die Gelegenheit, um ein paar Augenblicke lang nachzudenken.

„Der einzige Ort, an dem ich mich noch nicht umschauen konnte, ist Russels Anwesen selbst – die Villa, in der er lebt, mitsamt denn Außengebäuden. Aber es wäre schon verwunderlich, sollte Russel wirklich die Stirn besitzen, seinen eigenen Besitz als Gefängnis für einen anderen Vampir zu nutzen. Aber der Mann ist jetzt schon sein hundert Jahren König. Es könnte sein, daß er so selbstsicher ist. Was sein Anwesen betrifft – womöglich würde ich es schaffen, die Mauer zu überwinden, aber dann käme ich nicht mehr weg. Haus und Grundstück werden von Weren bewacht. Es ist unwahrscheinlich, daß es uns gelingt, uns Zugang zu einem derart gesicherten Ort zu verschaffen, und hereinbitten wird er uns ja wohl auch kaum, es sei denn, unter ganz außergewöhnlichen Umständen.“ Eric wartete ein wenig, weil er sichergehen wollte, daß ich all das verstanden und verdaut hatte. „Ich glaube, es ist an der zeit, daß du mir sagst, was du über Bills Projekte weißt.“

„Darum geht es also die ganze Zeit? Deswegen bist du so nett zu mir und nimmst mich auf den Schoß!“ Ich sprang auf: Die Wut hatte mir neue Kräfte verliehen.

Auch Eric sprang auf und tat sein Bestes, sich drohend vor mir aufzubauen. „Ich glaube, daß Bill vernichtet ist“, sagte er entschieden, „und ich versuche hier lediglich, mein eigenes Leben zu retten, und deins auch, du dummes Weib du!“ Er klang mindestens so wütend wie ich.

„Ich werde Bill finden!“ Ich sprach jedes einzelne Wort, jede einzelne Silbe ganz langsam und deutlich aus. Wie ich meinen Liebsten finden sollte, war mir zwar ganz und gar nicht klar, aber ich würde in dieser Nacht eine exzellente Spionin sein, und dann würde ich bestimmt irgend etwas ergeben. Ich bin keine Pollyana, aber ich war immer schon optimistisch.