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Kelly Armstrong - „Die Nacht der Wölfin“

ISBN: 3-426-61811-7

Klappentext:

Elena Michaels ist eine attraktive junge Journalistin, die sich eine ganz normale Beziehung wünscht. Nichts Besonderes, sollte man meinen. Doch Elena hat ein Geheimnis: Sie ist ein Werwolf. Die Frau im Wolfspelz.

Seit ein verflossener Lover sie biss, damit sie ihm ebenbürtig werde, führt Elena ein Leben zwischen den Welten, zwischen mühsam aufrecht erhaltener Alltagsroutine und dem unwiderstehlichen Trieb, sich nachts fortzuschleichen von ihrem ahnungslosen Freund Philip, sich zu wandeln und ihrer wilden Wolfsnatur nachzugeben: rennen, jagen, töten. Als ihr ehemaliges Rudel in Gefahr gerät und ums Überleben kämpft, muss sie sich entscheiden. Elena erkennt, dass Überleben für sie nur heißen kann, einer ihrer Welten Lebewohl zu sagen...

Inhalt:

Elena lebt in Toronto, mit ihrem Partner Phillip. Doch ab und zu mus ssie sich nachts raus schleicht, um sich zu wandeln und zu rennen. Doch Phillip darf nichts von diesem, ihrem zweiten Dasein erfahren. Er hält sie für eine ganz normale Frau.

Doch dann wird ihr Rudel von herrenlosen Werwölfen angegriffen und aufgemischt. Elenea muss ihnen helfen und kehrt deswegen zu ihnen zurück.

Elena ist hin und her gerissen. Die Leidenschaft mit Clay, ihrem Exlover, flammt wieder auf. Er war es, der sie einst zu einem Werwolf gemacht hat.

Elena muss sich nun also entscheiden. Soll sie ihre Natur verleugnen oder Phillip weiterhin etwas vorspielen, oder soll sie zum Rudel zurück kehren?

Ausgerechnet das Durcheinander  wegen der herrenlosen Wölfe verhilft ihr zu einer Entscheidung.

Leseprobe:

… Auf dem Rückweg nach Bear Valley fuhr Clay, Nick saß auf der Rückbank, und ich nahm den Beifahrersitz, wo die Gurte besser waren. Wie ich gefürchtet hatte, war der Camaro nicht sonderlich erpicht aufs Anspringen. Als er zögerte, trat Clay das Gaspedal bis auf den Boden durch, jagte den Motor hoch bis in den roten Bereich und rammte die Gangschaltung in den Rückwärtsgang, wobei er die Scheppergeräusche unter der Motorhaube ignorierte. Das Auto, dem so unversehens ein Willenskampf aufgezwungen worden war, kapitulierte und ließ es brav  zu, dass Clay fuhr wie ein Henker.

„Nein, nimm die nächste Auffahrt“, sagte ich, als Clay in die erste Straße nach Bear Valley abbiegen wollte. „Fahr zur Ostseite. Zu dem Hotel.“

„Hotel?“

„Es hat keinen Zweck, halb Bear Valley abzugrasen, wenn die Mutts sich die ganze Zeit nicht aus ihren Hotelzimmer gerührt haben. Wenn sie weg sind, finde ich dort vielleicht die Fährte.“

Clays Hände schlossen sich fester um das Lenkrad. Ich wusste, er war sich sicher, dass die Mutts hinter Jeremy her waren und dass wir nur kostbare Minuten verschwenden würden, wenn wir das Hotel überprüften. Trotzdem war es vernünftig. Statt mir zu antworten, schwenkte er zurück auf die Schnellstraße und schoss vor einem voll beladenen Holzlaster in die Spur. Ich schloss für den Rest der Fahrt die Augen.

Als wir an dem Motel ankamen, jagte Clay auf den Behindertenparkplatz neben dem Eingang zum Foyer und schoss schon aus dem Sitz hoch, bevor der Motor ganz zum Schweigen gebracht war. Ich schnappte mir die Schlüssel und lief ihm nach. Diesmal gab er sich keine Mühe, den Angestellten an der Theke zu täuschen – glücklicherweise war niemand zu sehen. Clay rannte mit Riesenschritten die Treppe hinauf. An LeBlanc Tür brach er das frisch reparierte Schloss auf und schoss ins Zimmer, ohne erst herauszufinden, ob auf der anderen Seite der Tür jemand war oder nicht. Ich brachte gerade die letzten Treppenstufen hinter mich, als er wieder herauskam.

„Weg“, sagte er und schob sich an mir vorbei, um wieder hinunterzustürzen. Auf halber Strecke merkte er, dass ich immer noch auf dem Weg nach oben war, und drehte sich um. „Ich habe gesagt, sie sind weg.“

„Das ist nicht das einzige Zimmer“, antwortet ich. „Marsten würde nicht im Traum daran denken, bei jemand anderem auf dem Fußboden zu schlafen.“

Clay knurrte etwas, aber ich war schon auf dem Weg den Gang entlang, wobei ich vor jede Tür stehen blieb und versuchte, Cains oder Marstens Geruch warzunehmen. Clay kam die Treppe wieder herauf und lief auf mich zu.

„Wir haben keine Zeit -

„Dann geh doch“, sagte ich. „Geh einfach.“

Er ging nicht. Drei Türen von LeBlancs Zimmer entfernt hielt ich inne.

„Cain“, sagte ich und griff nach der Klinke.

„Ich mach das. Geh und finde Marsten.“

Marsten hatte das Zimmer nebenan. Während Clay noch Cains Zimmer überprüfte, brach ich Marstens Tür auf und ging hinein. Abgesehen von einem italienischen Lederkoffer in der Ecke sah das Zimmer unbewohnt aus. Das Bett war gemacht, die Tische waren makellos aufgeräumt und die Handtücher alle ordentlich aufgehängt. Unverkennbar Karl Marstens Zimmer. Wenn er sich schon dazu herablassen musste, ein Zimmer in der Big Bear Motor Lodge zu nehmen, dann würde er ganz sicher nicht mehr Zeit hier verbringen als unbedingt notwendig. Ich wollte den Raum schon wieder verlassen, als ich einen weiteren vertrauten Geruch bemerkte.

„Jeremy“, sagte Clay hinter mir, als er ins Zimmer trat. Er ging hinüber zur Balkontür und schob die Vorhänge zurück. Die Tür stand einen Spalt weit offen, als habe jemand sie von außen zugezogen, wo es keinen Griff gab.

„Er ist fort“, sagte ich. „Er muss das Zimmer überprüft haben.“ Clay nickte  und schob sich an mir vorbei zur Tür hinaus. Wir kehrten zum Auto zurück. Als Nächstes suchte Clay alle Parkplätze nach dem Mercedes oder dem Acura ab. Wobei „absuchen“ ein irreführender Begriff ist; ich hätte sagen soll, dass er auf den Parkplatz jagte, einen Kreis fuhr, der uns allen ein Schleudertrauma hätte bescheren können, und wieder auf die Straße hinauspreschte. Auf dem Parkplatz hinter Drake`s Family Wear fanden wir Marstens Acura.

Es war lediglich eine Theorie, dass der Acura Marsten gehörte, aber es war eine Theorie, bei der ich nicht viel riskierte. LeBlanc mochte ein festes Einkommen gehabt haben, als er noch in Chicago lebte, aber nach seinem Hotelzimmer zu urteilen gab er dieser Tage nicht gerade Geld für Luxusautos aus. ...