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Mia Morgowski - „Kein Sex ist auch keine Lösung“

ISBN: 978-3-499-24838-2

Klappentext:

Tom arbeitet in einer Hamburger Werbeagentur und ist der größte Aufreißer vor dem Herrn. Er liebt Sex, und er bewundert die Frauen. Denn Frauen kämpfen durchschnittlich mit 48,2 Problemen pro Tag – allein mit neun davon schon vor dem Aufstehen! Natürlich möchte Tom kein einziges dieser Probleme mit einer Frau teilen. Außer dem Bett möchte er eigentlich gar nichts mit einer Frau teilen. Auch Elisa will er spätestens nach drei gemeinsamen Nächten abservieren. Aber warum geht sie plötzlich nicht mehr ans Telefon? Und ruft auch nicht zurück? Tom beschließt zu handeln, denn kein Sex ist schließlich auch keine Lösung...

Inhalt:

Tom Moreno, Weiberheld und einer Bettgeschichte nicht abgeneigt. Aber mehr als eine Bettgeschichte  soll es bitteschön auch nicht werden. Spätestens nach drei mal Sex muss die Sache endet sein.

Doch Elisa ist da anders. Das erste Date geht schief, kein Sex. Dann kommt sie bie ihm vorbei um Sex zu haben, muss danach aber unbedingt wieder weg. Und dann muss Tom auf Geschäftsreise und Elisa meldet sich nicht. - Hier läuft was schief!

Nach der Geschäftsreise lässt er Elisa bei ihm wohnen, will sie aber auch schnell wieder los werden. Doch als sie dann endlich auszieht, kommt Tom die Wohnung leer vor.

Und als er mit Elisa reden will, vereitelt ihm eine alte Liebschaft die Tour.

Es ist halt nicht immer gut, ein Aufreiser zu sein....

Leseprobe:

… „Sie ist gegangen, weil sie ihre Katze füttern muss?“

Selbst der biedere Vince kann sich ein hämisches Grinsen nicht verkneifen, als er mich am nächsten Morgen pünktlich um sechs Uhr dreißig abholt und zum Flughafen fährt. Seit Susanne jeden Morgen um fünf aufsteht, um den jungen Tag mit einer Stunde Schreitherapie zu begrüßen, nutzt er jede Gelegenheit, dies nicht mit anhören zu müssen.

„Ich dachte immer, du wärst so toll im Bett?“

Hahaha. Es geht doch nichts über einen guten Freund, der den Dolch in deiner Wunde nochmal genüsslich herumdreht.

„Vince, es wundert mich, dass ausgerechnet du dir nicht vorstellen kannst, dass es Leute mit einem gewissen Pflichtbewusstsein gibt. Schließlich bist du es doch, der den Geschlechtsverkehr abbricht, wenn deine Mutter auf eurem Anrufbeantworter nach einer vermissten Tischdecke fahndet. Wie ihr so überhaupt jemals ein Kind zeugen konntet, ist mir ein Rätsel.“

Touche´, denke ich und lehne mich ermattet in dem Beifahrersitz zurück. Volvo-Kombi – auch so ein Verantwortungs-Ding.

Ich werde wohl nie begreifen, was junge Paare dazu veranlasst, sich derartige Familienkutschen zuzulegen. Insbesondere wenn die Familie, will sagen: das Kind, sich noch im Orkus tummelt oder gerade mal Schuhkartonformat erreicht hat – und folglich auch bequem in einem Porsche Platz gefunden hätte.

Vince gibt vor, sich auf den Verkehr konzentrieren zu müssen. (Ich sage nur: sechs Uhr dreißig, die Straßen sind menschenleer...) Aber ich bin auch nicht wild darauf, die Diskussion weiterzuführen.

Nachdem Elisa mich gestern so fluchtartig verlassen hat, als hätte ich ihr kurz zuvor meine kriminelle Vorgeschichte offenbart, bin ich dummerweise sofort wieder auf dem Sofa eingeschlafen.

Keinen Wecker gestellt, keinen Text gelesen, keine Generalprobe vor dem Spiegel, keinen Koffer gepackt. Zum Glück hat Vince mich angerufen, als er aufstand. Er kennt mich ziemlich gut, und seit wir mal meinetwegen den Urlaubsflieger verpasst haben, klingelt er mich vor wichtigen Ereignissen nun vorher wach. So hatte ich heute Morgen wenigstens eine Dreiviertelstunde Zeit, um alles zu erledigen. Na ja, eigentlich habe ich es nur geschafft, mich zu rasieren, die Tasche zu packen und mir die Präsentation zu schnappen, dann stand er auch schon hupend vor dem Haus.

Proben muss ich also wohl oder übel im Flugzeug.

Vince hat sein Schweigegelübtde inzwischen gebrochen und quatscht jetzt mitteilungsbedürftig von Susanne, die – zurück vom toskanischen Kreisch-Seminar – nun keine Gelegenheit auslässt, um die stressabbauende Wirkung auch in Hamburg auszuprobieren. Heute hat Vince, der Wahnsinnige, sich bereit erklärt, mit ihr den Aufbaukurs „Schreimeditation nach Hideaki Motaki“ zu besuchen. Den Vortrag darüber, wer genau dieser Hideaki Motaki ist, verschlafe ich glücklicherweise komplett.

Vor dem Einchecken überprüfe ich sicherheitshalber nochmal meine Mailbox. Nur für den Fall, dass Elisa versucht hat, mich zu erreichen.

„Es liegen keine neuen Nachrichten für sie vor.“

Wie ich diese Stimme hasse. Irrt die sich eigentlich nie?

Besonders demütigend daran ist die Tatsache, dass ausgerechnet eine Frau – ich schwöre, an manchen Tagen hat sie sogar einen schadenfrohen Unterton in der stimme -, nach dazu eine völlig fremde Frau, vor mir über mein Privatleben informiert ist. Ich meine, in Zeiten, in denen man schnurlos aus Japan benutzte Slips ordern kann, wäre es weiß Gott passender, wenn man von einer festen, anteilnehmenden, männlichen Stimme über das Fehlen von Sprachnachrichten informiert würde. Ich stelle mir das in etwa so vor: „Also, Junge, bleib mal locker, aber die Alte hat sich noch nicht gemeldet. Sei froh, Mann, die nervt noch früh genug, glaub mir.“

Ob ich Elisa einfach mal kurz anrufen soll?

Besser nicht. Das wirkt ja wohl total unsouverän, schließlich ist es erst sieben Uhr.

Außerdem gilt es, zunächst einmal den Kampf mit dem Bodenpersonal zu gewinnen, das mir das Mitführen unbefestigter Präsentationspappen auf meinem Schoß nicht gestatten will. Erst nachdem ich alles ordnungsgemäß mit meinem Lieblingsgürtel zusammengeschnürt und beim Augenlicht meiner Mutter geschworen habe, das Paket vorschriftsmäßig unter dem Vordersitz zu verstauen, darf ich einchecken.

Was glauben die denn wohl, weshalb ich den Scheiß mit an Bord haben will? Wohl kaum damit er, verschnürt wie eine Sahara-Geisen, nutzlos unter dem Sitz liegt. Manche Menschen wollen geradezu belogen werden.

Eine freundliche Stewardess verhält sich da schon wesentlich großzügiger, nicht nur was den Blick in ihr prallgefülltes Dekollete´ beim Kaffeeeinschenken anbelangt. Auch als ich mit meinen fünfundzwanzig Pappen den Notausgang blockiere – den braucht ja wohl wührnd des Fluges sowieso keiner -, behält sie die Nerven. Ich nicke ihr dankbar zu und kann nur hoffen, dass sie es nicht als unhöflich empfindet, nicht weiter von mir angebaggert zu werden – so etwas gehört ja heutzutage schon zum guten Ton.