ich-geb-dir.info
Home.
Delfine.
Hunde.
Literatur.

Justin Cronin - „Der Übergang“

ISBN: 9-783-442-46937-6

Klappentext:

Das Mädchen Amy ist gerade einmal sechs Jahre alt, als es von zwei FBI -Agenten entführt und auf ein geheimes medizinisches Versuchsgelände verschleppt wird. Man hat lange nach Amy gesucht: der optimalen Versuchsperson für ein mysteriöses Experiment, das nichts Geringeres zum Ziel hat, als Menschen unsterblich zu machen. Doch dann geht irgendetwas schief – völlig schief. Von einem Tag auf den anderen rast die Welt dem Untergang entgegen. Und nur eine kann die Menschheit vielleicht noch retten: Amy Harper Bellafonte.

Inhalt:

Es soll ein Experiment sein – Man will, mit Hilfe eines Serums, den perfekten Menschen erschaffen... Doch die Menschen werden nicht perfekt, sondern einfach nur richtig gefährlich und unkontrollierbar.

Dann brechen sie aus und verbreiten den gefährlichen und absolut unmeschlichen Keim auf der Welt. Die Weltordnung, wie sie bisher war, hört auf zu existieren. Eine neue Welt entsteht. Gefährlich und unmenschlich.

Amy, ein kleines Mädchen, einst auch als Proband missbraucht, scheint nicht zu altern. Sie wird bie Kampfhandlungen verletzt und gelangt so ins Innere einer Menschensiedlung. Dort wird ihr medizinsich geholfen, aber auch der Chip in ihrem Nacken wird entdeckt, entfernt und ausgelesen. Man denkt, dass man da hin reisen kann, wo alles begann, um dem ein Ende zu machen.

Die Reise ist gefahrvoll und nicht ganz ohne. Mehr als einmal trifft die Gruppe auf Soldaten oder Kolonien. Doch am Ende gelangen sie dort andere Kolonien. Doch am Ende gelangen sie dort hin, wo sie hin wollten. - Doch das Ende, welches sie wollten, tritt dann so schnell doch nicht ein...

Leseprobe:

… Es war nicht zu erkennen, was das alles bedeutete: en überraschend runder, glatter Stein, ein sonnengebleichtes Stück von einem Knochen, eine Halskette mit einem aufklappbaren, aber leeren Medaillon, ein Buch mit dem mysteriösen Titel „Charles Dickens Weihnachtsgeschichte, Illustrierte Ausgabe.“ Der Bolzen war mitten hindurchgefahren und hatte das Buch aufgespießt; die Seiten waren aufgequollen vom Blut des Mädchens. Old Chou hatte sich erinnert, dass Weihnachten in der Zeit Davor ein Fest gewesen war, vergleichbar mit der Ersten Nacht. Aber Genaues wusste niemand.

So konnte das Mädchen selbst seine Geschichte erzählen. Dieses Mädchen von Nirgendwo in seiner Kapsel des Schweigens. Was ihr Auftauchen bedeutete, lag auf der Hand: Da draußen lebte noch jemand. Wer und wo diese Leute auch sein mochten, sie hatten eine der Ihren in die Wildnis hinausgetrieben, ein wehrloses Mädchen, das irgendwie den Weg hierhergefunden hatte. Das hätte eigentlich eine gute Nachricht sein müssen, fan Sanjay, als er darüber nachdachte, ein Grund zum Feiern. Und doch hatte ihre Ankunft nichts als beklommenes Schweigen hervorgerufen. Ncih ein einziges Mal hatte er jemanden sagen hören: Wir sind nicht allein. Das bedeutet es. Es gibt doch andere da draußen.

Es war wegen der Lehrerin, dachte er. Nicht, weil die Lehrerin tot war, obwohl das sicher auch eine Rolle spielte. Es lag an dem, was sie sagte, wenn man aus der Zuflucht entlassen wurde. Wenn die Leute daran zurückdachten und die Geschichte von ihrer Entlassung erzählten, taten sie es meist mit einem Lachen ab. Unfassbar, was für ein Theater ich gemacht habe, sagten sie dann alle. Ihr hättet sehen sollen, wie ich gehult habe! Als sprächen sie nicht von ihrem eigenen kindlichen Ich, von unschuldigen Wesen, denen man Mitgefühl und Verständnis entgegenbringen sollte, sondern von jemand ganz anderem, weit entfernt und ein bisschen lächerlich. Und es stimmte: Wenn man erst einmal wusste, dass die Welt ein Ort war, wo der Tod wütete, dann kam einem das Kind, das man gewesen war, fremd vor. Es hatte ihm in der Seele wehgetan, als er Mausamis enttäuschtes Gesicht gesehen hatte, wie sie aus der Zuflucht kam. Manche Leute kamen nie darüber weg, aber die meisten schaffte es irgendwie, weiterzumachen. Man fand eine Möglichkeit, die Hoffnung nicht ganz aufzugeben, sie in eine Flasche zu füllen und irgendwo auf ein Regal zu stellen und die Pflichten des Lebens zu erfüllen. Sanjay selbst hatte es getan, Gloria und auch Mausami – sie alle.

Aber jetzt war dieses Mädchen da. Alles an ihr war ein Schlag ins Gesicht der Tatsachen. Das jemand – zumal ein schutzloses Kind – plötzlich auftauchte, war so fundamental verstörend wie Schneefall mitten im Sommer.

Sanjay hatte es in den Augen der anderen gesehen, bei Old Chou und Walther Fisher und Soo und Jimmy und dem ganzen Rest. Es war falsch. Es passte nicht. Hoffnung war etwas, das Schmerzen bereitete, und so war es mit diesem Mädchen. Eine schmerzhafte Sorte Hoffnung.

Er räusperte sich – wie lange hatte er dagestanden und sie angeschaut? -, dann sprach er sie an.

„Wach auf.“

Keine Reaktion. Aber ihm war, als sehe er hinter ihren geschlossenen Lidern etwas aufflackern. Er sprach noch einmal, lauter jetzt.

„Wenn du mich hören kannst, wach auf.“

Ein Geräusch hinter ihm unterbrach ihn.

Sara kam durch den Vorhang, gefolgt von Jimmy. „Bitte, Sanjay. Lass sie schlafen.“

„Diese Frau ist eine Gefangene, Sara. Es gibt Dinge, die wir wissen müssen.“

Sie ist keine Gefangene, sie ist eine Patientin.“

Er schaute wieder auf das Mädchen hinunter.

„Sie sieht nicht aus, als läge sie im Sterben.“

„Ich weiß nicht, ob sie stirbt oder nicht. Es ist ein Wunder, dass sie noch lebt, bei dem Blutverlsut. Gehst du jetzt bitte hinaus? Ich weiß nicht, wie ich den Laden hier sauber halten soll, wenn ihr alle hier durchmarschiert.“

Sanjay sah, wie abgekämpft die Frau war. Ihr Haar war verschwitzt und zerzaust, ihre Augen glasig vor Erschöpfung. Es war für alle eine lange Nacht gewesen, und der Tag hatte noch länger gedauert. Trotzdem lag Autorität in ihrem Blick: Hier bestimmte sie die Regeln.

„Und du sagst mir Bescheid, wenn sie aufwacht?“

„Ja. Das weißt du doch.“

Sanjay wandte sich an Jimmy, der vor dem Vorhang stand. „Okay Jimmy. Wir gehen.“ ...