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Mo Hayder - „Ritualmord“

ISBN: 3-641-02894-9

Klappentext:

Der Albtraum beginnt, als Polizeitaucherin Flea Marley im trüben Wasser des Hafens von Bristol eine einzelne menschliche Hand zu fassen bekommt. Es gibt keine Leiche, keine Hinweise auf die Herkunft des bizarren Funds. Kurz darauf entdeckt man eine weitere Hand, und der Fall wird immer rätselhafter. Verbirgt sich ein blutiges Ritual dahinter? Die Ermittlungen führen Flea Marley und DI Jack Caffery in eine Welt, wo scheinbar teuflische Kräfte mit allen Mitteln in Schach gehalten werden müssen ...

Inhalt:

Alles beginnt damit, dass unter einem Restaurant im Hafen zwei vergrabene Hände gefunden werden. Die Polizei tappt lange Zeit im Dunkeln. Es gibt nichts weiter als diese Hände. Keine Leiche und keine Hinweise auf den Täter und den Grund der Tat. Es taucht der Verdacht auf, dass da ein Zusammenhang zwischen der Nationalität des Besitzers und den abgeschnittenen Händen besteht.

Dann liest man an einem Drogensüchtigen dem die Hände abgeschnitten werden sollen, von Ermittlungen der Polizei, die einen Ritualmord nach afrikanischem Brauch nicht ausschließt und von einer Polizistin, die durch einen Drogentrip den Tod ihrer Eltern aufklären will. Und immer wieder verdächtigt man den afrikanischen Restaurantbesitzer.

Leseprobe:

… Katherine Oscar trug eine weiße Bluse, eine beigefarbene Männerreithose und Reitstiefel und hatte das Haar im Nacken zu einem Knoten zusammengebunden, locker und nachlässig, als hätte sie nicht viel Zeit darauf verwandt. Mrs. Oscar zu sein, war eine schöne und raffinierte Kunst, und sie arbeitet hart daran sicherzustellen, dass niemand sich erlauben konnte, sie als manieriert zu bezeichnen. Oder gar als Snob. An diesem Mittwochmorgen stand sie sehr früh in der kiesbedeckten Einfahrt der Marleys, und sie sah verärgert aus. Sie hatte die Hände in die Hüften gestemmt und den Kopf in den Nacken gelegt, um zu den Fenstern im ersten Stock des Cottage hinaufzuschauen. Wahrscheinlich fragte sie sich, warum niemand ihr die Tür öffnete.

Flea war eben aus der Dusche gekommen; in ein Badetuch gewickelt, stand sie reglos da und beobachtete Katherine Oscar durch das Badezimmerfenster. Solange sie denken konnte, hatte es immer ein Problem damit gegeben, hier zu wohnen: Katherine Oscar und ihre Familie. Die hohen Mauern ihres Hauses grenzten an den Garten der Marley, und so hatte man immer das Gefühl, beaufsichtigt zu werden: Die Kinder der Oscars konnten sich aus dem Schlafzimmerfenster beugen und die Marley in ihrem Garten beobachten, der eins zum Haus der Oscars gehörte. Das Herrenhaus verfügte über inen Garten auf der anderen Seite, ein riesiges Gelände mit Swimmingpool, Pferdeställen und verschlungenen Zierbeeten, aber den Oscars war es immer schwergefallen zu akzeptieren, dass sie die Herrschaft über den Garten der Marleys nicht mehr besaßen, und nicht selten spazierten sie ohne zu fragen, auf Fleas Grundstück, als hätten sie einfach kraft ihres Reichtums das Recht dazu.

Der schlimmste Übeltäter war der jüngste Sohn, Toby, ein stämmiges Kind mit ienem Topfdeckelhaarschnitt und eng beieinanderstehenden Augen. An einem Nachmittag im Herbst hatte Flea einmal zufällig aus einem ihrer vorderen Fenster geschaut, und da stand der Knirps unten an der Straße vor ihrem Haus und pinkelte vergnügt und ausgiebig an ihre Hauswand. Sie riss das Fenster auf und schrie ihn an, aber er tat, als hörte er sie nicht; gelassen zog er seinen Reißverschluss hoch und spazierte an der Straße entlang zurück zur Villa; dabei kratzte er sich am Kopf, als versuchte er sich an etwas zu erinnern. Als Flea die Schuhe angezogen hatte und zum Herrenhaus hinübergelaufen war, hatte sich die Haustür dort schon wieder geschlossen. Sie musste dreimal klingeln, ehe jemand öffnete.

„Bei diesem riesigen Haus brauchten wir zwei Türglocken!“

Katherine Oscar hatte immer einen Scherz über die norme Größe ihres Hauses auf den Lippen, aber als Flea ihr berichtete, was passiert war, verschwand ihr Lächeln. Sie trat aus dem Haus und spähte aufmerksam die Straße entlang, als könnte sie nicht glauben, dass eins ihrer Kinder so etwas getan habe. Sie zog sich wieder in den Hausflur zurück und schloss die Augen. „Wissen Sie, es läuft mir eiskalt über den Rücken, wenn ich mir vorstelle, dass die Kinder da draußen auf der Straße herumlaufen. Danke, dass Sie es mir gesagt haben.“

Sie wollte die Tür schließen, aber Flea stellte den Fuß dazwischen. „Die Straße interessiert mich nicht, Katherine. Mich interessiert, ob sie mit dem Jungen sprechen werden.“

Katherine Oscar wurde rot. „Wie bitte?“

„Natürlich werde ich mit ihm sprechen. Wofür halten Sie mich?“

Für ein Stück Dreck, dachte Flea und betrachtete das blonde Haar, die teure Bluse, die Ohrstecker. Ja, weißt du was, Katherine? Ich hasse dich. Ich hasse dich, wenn du so hochnäsig auf mich herabblickst und mit deinem Offroader um die Ecke braust, sodass alle anderen Autos deinetwegen anhalten müssen. Ich hasse dich, wenn du wie neulich mit deinem Wagen die Straße blockierst, aussteigst und ein langes Gespräch mit deinem Gärtner führst, ohne dich dafür zu interessieren, dass drei andere Autos fünf Minuten warten müssen, während du dich über Dünger und Setzlinge unterhältst. Ich hasse dich, wenn dicker Rauch aus deinen Kaminen quillt, wenn du jede Woche zwanzig Müllsäcke herausstellst und in einem ganz anderen Ton mit Leuten sprichst, die in deine Villa kommen, um für dich zu arbeiten. Du würdest das ganze Dorf zusammenschreien, wenn ein Verbrecher in deine Nähe käme, aber dein Mann ist ein Wolf im Schafspelz, der sein Leben am Computer verbringt und andere Leute bestiehlt, und der größte Verbrecher, den ich in meinem Leben gesehen habe.

Das alles hätte sie gern gesagt. Sie hätte Katherine Oscar gern an die Wand gedrückt und ihr das alles ins Gesicht geschrien. Aber natürlich tat sie es nicht. Sie konnte jemanden schlagen, sie konnte es schnell und wirkungsvoll tun, aber sie konnte sich auch zusammenreißen. Also nickte sie nur. „Gut“, sagte sie ruhig. „Dann sprechen Sie mit ihm. Und tun Sie es richtig, denn wenn so was noch mal passiert, kann er was erleben. Verstanden?“ …

Mo·Hayder·-·„Ritualmord“

ISBN:·3-641-02894-9

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Klappentext:

Der·Albtraum·beginnt,·als·Polizeitaucherin·Flea·Marley·im·trüben·Wasser·des·Hafens·von·Bristol·eine·einzelne·menschliche·Hand·zu·fassen·bekommt.·Es·gibt·keine·Leiche,·keine·Hinweise·auf·die·Herkunft·des·bizarren·Funds.·Kurz·darauf·entdeckt·man·eine·weitere·Hand,·und·der·Fall·wird·immer·rätselhafter.·Verbirgt·sich·ein·blutiges·Ritual·dahinter?·Die·Ermittlungen·führen·Flea·Marley·und·DI·Jack·Caffery·in·eine·Welt,·wo·scheinbar·teuflische·Kräfte·mit·allen·Mitteln·in·Schach·gehalten·werden·müssen·...

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Inhalt:

Alles·beginnt·damit,·dass·unter·einem·Restaurant·im·Hafen·zwei·vergrabene·Hände·gefunden·werden.·Die·Polizei·tappt·lange·Zeit·im·Dunkeln.·Es·gibt·nichts·weiter·als·diese·Hände.·Keine·Leiche·und·keine·Hinweise·auf·den·Täter·und·den·Grund·der·Tat.·Es·taucht·der·Verdacht·auf,·dass·da·ein·Zusammenhang·zwischen·der·Nationalität·des·Besitzers·und·den·abgeschnittenen·Händen·besteht.

Dann·liest·man·an·einem·Drogensüchtigen·dem·die·Hände·abgeschnitten·werden·sollen,·von·Ermittlungen·der·Polizei,·die·einen·Ritualmord·nach·afrikanischem·Brauch·nicht·ausschließt·und·von·einer·Polizistin,·die·durch·einen·Drogentrip·den·Tod·ihrer·Eltern·aufklären·will.·Und·immer·wieder·verdächtigt·man·den·afrikanischen·Restaurantbesitzer.

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Leseprobe:

…·Katherine·Oscar·trug·eine·weiße·Bluse,·eine·beigefarbene·Männerreithose·und·Reitstiefel·und·hatte·das·Haar·im·Nacken·zu·einem·Knoten·zusammengebunden,·locker·und·nachlässig,·als·hätte·sie·nicht·viel·Zeit·darauf·verwandt.·Mrs.·Oscar·zu·sein,·war·eine·schöne·und·raffinierte·Kunst,·und·sie·arbeitet·hart·daran·sicherzustellen,·dass·niemand·sich·erlauben·konnte,·sie·als·manieriert·zu·bezeichnen.·Oder·gar·als·Snob.·An·diesem·Mittwochmorgen·stand·sie·sehr·früh·in·der·kiesbedeckten·Einfahrt·der·Marleys,·und·sie·sah·verärgert·aus.·Sie·hatte·die·Hände·in·die·Hüften·gestemmt·und·den·Kopf·in·den·Nacken·gelegt,·um·zu·den·Fenstern·im·ersten·Stock·des·Cottage·hinaufzuschauen.·Wahrscheinlich·fragte·sie·sich,·warum·niemand·ihr·die·Tür·öffnete.

Flea·war·eben·aus·der·Dusche·gekommen;·in·ein·Badetuch·gewickelt,·stand·sie·reglos·da·und·beobachtete·Katherine·Oscar·durch·das·Badezimmerfenster.·Solange·sie·denken·konnte,·hatte·es·immer·ein·Problem·damit·gegeben,·hier·zu·wohnen:·Katherine·Oscar·und·ihre·Familie.·Die·hohen·Mauern·ihres·Hauses·grenzten·an·den·Garten·der·Marley,·und·so·hatte·man·immer·das·Gefühl,·beaufsichtigt·zu·werden:·Die·Kinder·der·Oscars·konnten·sich·aus·dem·Schlafzimmerfenster·beugen·und·die·Marley·in·ihrem·Garten·beobachten,·der·eins·zum·Haus·der·Oscars·gehörte.·Das·Herrenhaus·verfügte·über·inen·Garten·auf·der·anderen·Seite,·ein·riesiges·Gelände·mit·Swimmingpool,·Pferdeställen·und·verschlungenen·Zierbeeten,·aber·den·Oscars·war·es·immer·schwergefallen·zu·akzeptieren,·dass·sie·die·Herrschaft·über·den·Garten·der·Marleys·nicht·mehr·besaßen,·und·nicht·selten·spazierten·sie·ohne·zu·fragen,·auf·Fleas·Grundstück,·als·hätten·sie·einfach·kraft·ihres·Reichtums·das·Recht·dazu.

Der·schlimmste·Übeltäter·war·der·jüngste·Sohn,·Toby,·ein·stämmiges·Kind·mit·ienem·Topfdeckelhaarschnitt·und·eng·beieinanderstehenden·Augen.·An·einem·Nachmittag·im·Herbst·hatte·Flea·einmal·zufällig·aus·einem·ihrer·vorderen·Fenster·geschaut,·und·da·stand·der·Knirps·unten·an·der·Straße·vor·ihrem·Haus·und·pinkelte·vergnügt·und·ausgiebig·an·ihre·Hauswand.·Sie·riss·das·Fenster·auf·und·schrie·ihn·an,·aber·er·tat,·als·hörte·er·sie·nicht;·gelassen·zog·er·seinen·Reißverschluss·hoch·und·spazierte·an·der·Straße·entlang·zurück·zur·Villa;·dabei·kratzte·er·sich·am·Kopf,·als·versuchte·er·sich·an·etwas·zu·erinnern.·Als·Flea·die·Schuhe·angezogen·hatte·und·zum·Herrenhaus·hinübergelaufen·war,·hatte·sich·die·Haustür·dort·schon·wieder·geschlossen.·Sie·musste·dreimal·klingeln,·ehe·jemand·öffnete.

„Bei·diesem·riesigen·Haus·brauchten·wir·zwei·Türglocken!“

Katherine·Oscar·hatte·immer·einen·Scherz·über·die·norme·Größe·ihres·Hauses·auf·den·Lippen,·aber·als·Flea·ihr·berichtete,·was·passiert·war,·verschwand·ihr·Lächeln.·Sie·trat·aus·dem·Haus·und·spähte·aufmerksam·die·Straße·entlang,·als·könnte·sie·nicht·glauben,·dass·eins·ihrer·Kinder·so·etwas·getan·habe.·Sie·zog·sich·wieder·in·den·Hausflur·zurück·und·schloss·die·Augen.·„Wissen·Sie,·es·läuft·mir·eiskalt·über·den·Rücken,·wenn·ich·mir·vorstelle,·dass·die·Kinder·da·draußen·auf·der·Straße·herumlaufen.·Danke,·dass·Sie·es·mir·gesagt·haben.“

Sie·wollte·die·Tür·schließen,·aber·Flea·stellte·den·Fuß·dazwischen.·„Die·Straße·interessiert·mich·nicht,·Katherine.·Mich·interessiert,·ob·sie·mit·dem·Jungen·sprechen·werden.“

Katherine·Oscar·wurde·rot.·„Wie·bitte?“

„Natürlich·werde·ich·mit·ihm·sprechen.·Wofür·halten·Sie·mich?“

Für·ein·Stück·Dreck,·dachte·Flea·und·betrachtete·das·blonde·Haar,·die·teure·Bluse,·die·Ohrstecker.·Ja,·weißt·du·was,·Katherine?·Ich·hasse·dich.·Ich·hasse·dich,·wenn·du·so·hochnäsig·auf·mich·herabblickst·und·mit·deinem·Offroader·um·die·Ecke·braust,·sodass·alle·anderen·Autos·deinetwegen·anhalten·müssen.·Ich·hasse·dich,·wenn·du·wie·neulich·mit·deinem·Wagen·die·Straße·blockierst,·aussteigst·und·ein·langes·Gespräch·mit·deinem·Gärtner·führst,·ohne·dich·dafür·zu·interessieren,·dass·drei·andere·Autos·fünf·Minuten·warten·müssen,·während·du·dich·über·Dünger·und·Setzlinge·unterhältst.·Ich·hasse·dich,·wenn·dicker·Rauch·aus·deinen·Kaminen·quillt,·wenn·du·jede·Woche·zwanzig·Müllsäcke·herausstellst·und·in·einem·ganz·anderen·Ton·mit·Leuten·sprichst,·die·in·deine·Villa·kommen,·um·für·dich·zu·arbeiten.·Du·würdest·das·ganze·Dorf·zusammenschreien,·wenn·ein·Verbrecher·in·deine·Nähe·käme,·aber·dein·Mann·ist·ein·Wolf·im·Schafspelz,·der·sein·Leben·am·Computer·verbringt·und·andere·Leute·bestiehlt,·und·der·größte·Verbrecher,·den·ich·in·meinem·Leben·gesehen·habe.

Das·alles·hätte·sie·gern·gesagt.·Sie·hätte·Katherine·Oscar·gern·an·die·Wand·gedrückt·und·ihr·das·alles·ins·Gesicht·geschrien.·Aber·natürlich·tat·sie·es·nicht.·Sie·konnte·jemanden·schlagen,·sie·konnte·es·schnell·und·wirkungsvoll·tun,·aber·sie·konnte·sich·auch·zusammenreißen.·Also·nickte·sie·nur.·„Gut“,·sagte·sie·ruhig.·„Dann·sprechen·Sie·mit·ihm.·Und·tun·Sie·es·richtig,·denn·wenn·so·was·noch·mal·passiert,·kann·er·was·erleben.·Verstanden?“·…