ich-geb-dir.info
Home.
Delfine.
Hunde.
Literatur.

Jim Butcher - „Wolfsjagd“

ISBN: -42663-441-4

Klappentext:

Chicago wird von einer Mordserie in Angst und Schrecken versetzt alle vier Wochen, wenn der Vollmond fahl am Himmel steht, sterben in den Straßen der Stadt unzählige Menschen. Fallen sie einem Psychopathen zum Opfer? Einer Gang? Oder etwas ganz anderem?

Harry Dresden, Privatermittler mit besonderen Fähigkeiten und Polizeiinformant wider Willen, wird schneller, als ihm lieb ist, in diesen dunklen Fall verwickelt. Immer wieder kreuzen dabei Männer und Frauen seinen Weg, die ein Geheimnis haben: Im Schutz der Dunkelheit verwandeln sie sich und jagen

Inhalt:

Harry Dresden ist knapp bei Kasse. Deswegen wird er von Kim zum Essen eingeladen. Allerdings hat Kim drei magische Zeichen von irgendwo abgezeichnet und möchte von Harry deren Bedeutung erklärt haben.

Harry verärgert sie, indem er ihr Informationen verweigert, die er für sie als zu gefährliche erachtet.

Doch dann kommt Murphy plötzlich ins Restaurant und Harry schlittert Hals über Kopf in einen neuen Fall:

Eine Leiche in einer Blutlache. Das alles in einem alten, ausgebrannten Restaurant. Dazu die widersprüchlichen Spuren . Spuren von einem Kampf, von Gewalt und einem Wehrwolf.

Harry beginnt die Ermittlungen auf seine Art und wird am Ende selber zum Gejagten. Nie hätte sich Harry träumen lassen, dass er mal ein Bündnis mit einem Rudel Wehrwölfen eingeht

Leseprobe:

… Mit auf dem Rücken gefesselten Händen eine Treppe hinabzusteigen, ist erheblich schwieriger, als man denkt. Ob es Ihnen bewusst ist oder nicht, sie setzen die Arme ein, um das Gleichgewicht zu halten. Nachdem Murphy mir meine Sachen abgenommen hatte, schob sie mich erst die schmal Dienstbotentreppen hinauf und dann die Vordertreppe von MacFinns Haus wieder hinunter, mitten durch eine Herde Polizisten. Mein Gleichgewichtssinne war erheblich gestört. Als wir unten ankamen, hörte ich aufgeregte Stimmen. „Was soll ich denn Ihrer Ansicht nach tun?“ fragte Carmichael. „Hören Sie, ich mache hier doch nur meinen Job. Mein Boss sagt, dass niemand da reindarf, also geht niemand da rein. Muss ich Ihnen das jetzt noch einmal vorbuchstabieren, oder wie seh eich das?“ Denton hatte sich vor Carmichael aufgebaut, die Adern auf seiner Stirn pochten heftig, und seine drei Kollegen warteten hinter ihm. „Sie behindern einen ordentlich bestellten Beamten bei der Ausübung seiner Pflichten“, knurrte Denton. „Aus dem Weg, Detektive Carmichael. Oder soll ich dafür sorgen, dass die Dienstaufsicht nicht nur Ihre Vorgesetzte, sondern auch Sie unter die Lupe nimmt?“

„Schon gut, Ron“, schaltete sich Murphy ein.

„Ich bin sowieso gerade fertig.“ Carmichael schaute zu mir auf, starrte mich an und wollte offenbar etwas sagen. Auch Denton und seine Leute machten erstaunte Gesichter. Denton schien überrascht, schob seine Emotionen aber rasch wieder beiseite. Roger, der rothaarige Bursche, der für Denton arbeitete, starrte mich unverhohlen und entgeistert an. Benn, die am vergangenen Abend Murphy angegriffen hatte, beobachtete mich eher gelangweilt, während der übergewichtige Wilson zufrieden grunzte.

„Lieutenant“, sagte Carmichael, „Sind Sie sicher?“

„Er hatte gestern Abend eine Auseinandersetzung mit dem letzten Mordopfer. Ich kann ihn mit mindestens einem Bewohner des Hauses in Verbindung bringen und außerdem mit einigen.... Dekorationen im Haus. Ich nehme ihn wegen Behinderung der Staatsgewalt und Mordverdachts in Gewahrsam. Stecken Sie ihn ins Auto, Carmichael, und dann sehen Sie zu, dass Sie nach oben kommen.“ Mit einem Stoß beförderte Murphy mich zu Carmichael. Ich stolperte, er fing mich auf.

„Also los, Denton“, sagte Murphy. Sie drehte sich um und stolzierte davon. Der FBI-Agent warf mir einem ausdruckslosen Blick zu, winkte seinen Kollegen und folgte Murphy ins Haus.

Carmichael schüttelte den Kopf und führte mich zu einem Streifenwagen. „Verdammt, Dresden, da war ich schon fast bereit, meine Meinung über Sie zu ändern. Aber ich bin ja nur ein dummer Handlanger.“ Carmichael öffnete die hintere Wagentür und legte mir eine Hand auf den Kopf, um mich hineinzuschreiben. „Achten Sie auf Ihren Kopf. Mein Gott, was ist nur mit Ihrem Kinn passiert?“

Ich setzte mich in den Fond des Wagens, starrte geradeaus und schenkte mir die Antwort. Carmichael sah mich noch einen Augenblick an, dann schüttelte er den Kopf. „Also, wir lassen Sie in die Stadt fahren, sobald der Tatort gesichert ist. Dann können Sie mit Ihrem Anwalt Kontakt aufnehmen.“

Ich starrte weiter geradeaus, ohne ihm zu antworten. Carmichael betrachtete mich noch eine Weile, schließlich richtete er sich auf und warf die Wagentür zu. Ich schloss die Augen.

Schon öfter im Leben habe ich mich mies gefühlt und Dinge erlebt, die mich fertig gemacht haben, bis ich am Boden kroch und wünschte, ich wäre tot. Ungefähr so erging es mir auch in diesem Augenblick. Der Grund war nicht, dass ich den Mörder nicht ausfindig gemacht hatte – ich war auch schon früher verprügelt worden, hatte Kinnhaken eingesteckt, mich aufgerappelt und in die nächste Runde gestürzt. Ich weiß, wie man sich mit dem Schlag abrollt. Was mir dagegen zusetzte, war das Gefühl, eine Freundin verraten zu haben.

Ich hatte Murphy versprochen, ihr nichts zu verschweigen – und im Grunde hatte ich ihr auch nichts verschweigen. Genau genommen hätte mir das alles viel schneller zusammenreimen müssen, mein Instinkt hätte es mir sagen müssen. Vielleicht konnte ich als Entschuldigung vorbringen, dass ich abgelenkt war, weil man mir in der Vollmondwerkstatt beinahe ein Loch in den Kopf geschossen hätte. Auch der Seelenblick mit dem Anführer der Straßenwölfe hatte mich aufgewühlt – und natürlich das Wissen, dass er mich töten wollte. Das reichte jedoch alles nicht aus, um die Sache mit Murphy wieder wieder in Ordnung zu bringen. Schwer zu sagen, ob das überhaupt noch möglich war. Ich fühlt mich einsam und war zutiefst frustriert. Es ging mir echt mies.

Gliech darauf wurde alles noch viel schlimmer, als ich durchs Autofenster zum Vollmond hinaufschaute und etwas erkannte, das ich schone eine Stunde vorher hätte bemerken müssen – der oder die Täter waren noch da draußen unterwegs.