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Andreas Eschenbach - „Herr aller Dinge“

ISBN: 978-3-404-16833-0

Klappentext:

Schon als Kind hat Hiroshi die Idee für eine Erfindung, die den Unterschied zwischen Arm und Reich für immer aus der Welt schaffen könnte. Als Erwachsener setzt er alles daran, diese Erfindung in die Tat umzusetzen – um damit endlich auch Charlotte zu gewinnen, die Liebe seines Lebens.

Was mit einer bahnbrechenden Idee bgeinnt, die die ganze Welt in einem nie gekannten Ausmaß verändern könnte, wird jedoch rasch zu einem gefährlichen Unterfangen. Denn die Erfindung entwickelt ein ungeahntes Eingenleben und führt Hiroshi auf die Spur eines uralten Geheimnisses – und des schrecklichsten aller Verbrechen …

Inhalt:

Hiroshi ein kleiner Junge aus kleineren Verhältnissen, freundet sich ausgerechnet mit der Tochter des französischen Botschafters an, sie wollen Freunde bleiben, verlieren sich aber aus den Augen.

Während ihrem Studium treffen sie sich dann wieder, aber anstatt ein Paar zu werden, brechen sie ihr Studium ab und verlieren sich wieder aus den Augen.

Hiroshi forscht an seinem Traum weiter, den er schon als Kind hatte. - Doch ein erster Versuch geht schief. Hiroshi zieht sich aus der Öffentlichkeit zurück und forscht in seinem Haus weiter. - Doch erst Charlotte hilft ihm hier. Die macht nämlich auf einer Expedition eine Entdeckung, die sie wieder an Hiroshi denken lässt.

Hiroshi hält sich nicht ganz an die Abmachungen, kommt dadurch aber in seinen Forschungen extrem voran.

Hiroshi macht ein Experiment, mit welchem er aber über das Ziel hinaus schießt. - Doch er macht weiter. Er macht so lang weiter bis er als Gefahr für die gesamte Menschheit wird. Eine Hetzjagd auf ihn bricht los.

Hiroshi kann nicht ewig fliehen, also plant er den finalen Schritt den er dann auf, höchst eindrucksvolle Weiße auch durchzieht.

Leseprobe:

… Sie blieb auf der Schwelle stehen, gab ein abgrundtiefes Seufzen von sich. „Ah ja. Das ist ja fast... kuschelig.“ Sie musste lachen, fuhr sich mit den Händen übers Gesicht, als wollte sie sich die Augen reiben. „Sieht ein bisschen aus wie ein Computerfachgeschäft für den gehobenen Bedarf, ehrlich gesagt.“

Hiroshi ging voran. „Das sind keine gewöhnlichen Computer, wie du sie in einem gewöhnlichen Laden kaufen kannst.“, erklärte er. „Das sind hochleistungsfähige UNIX-Workstations mit Parallelprozessoren, sogenannte Supercomputer. Wenn du mehr Rechenleistung willst, als ich hier in diesem Raum habe, dann musst du zur NASA gehen oder zu IBM oder in die Labors, wo sie Atombombenexplosionen simulieren.“ Das war sogar nur ein bisschen übertreiben. Er war ziemlich stolz darauf, was er hier mit vergleichsweise bescheidenen Mitteln realisiert hatte. Und in weitaus ästhetischerem Rahmen als diese langweiligen Rechnercluster in ihren trostlosen klimatisierten Hallen.

Charlotte folgte ihm; es sah aus, als müsse sie sich überwinden, die Schwelle zu überschreiten. Der Annäherungsschalter löste aus und ließ die Bildschirme angehen, einen nach dem anderen. Sie zeigten die gerade laufenden Simulationen.

Sie blieb zwischen den Monitoren  stehen und verschränkte die Arme. Sie betrachtet die Darstellungen, als befände sie sich in einer Kunstgalerie.

„Was sind das für Bilder?“, fragte sie schließlich. „Das sieht aus wie Moleküle oder so etwas. Riesige Moleküle.“

„Ganz genau“, sagte Hiroshi.

Sie drehte sich herum, geradezu indigniert. Ich dachte, dein Ding sind Roboter?“

„Das sind Roboter, was du da siehst.“

„Das sind Moleküle. Hast du gerade selber gesagt.“

Er zog ihr einen der Stühle heran. „Setz dich erst mal. Das wird ein bisschen dauern.“

Sie setzte sich gehorsam, verschränkte die Arme, sah immer wieder zwischen ihm und den Bildschirmen hin und her.

Er ließ sich ihr gegenüber nieder. Er war sich nicht sicher, ob er das alles auf eine Weise würde erklären können, die außer ihm jemand verstand. Er hatte nich tdamit gerechnet, dass ihn Charlotte wirklich besuchen würde, und dass sie nun tatsächlich hier war, so schön wie eh und je, wenn nicht noch schöner geworden, irritierte ihn mindestens genau so sehr, wie es ihm mit Freud erfüllte. Sehr kompliziert das alles.

„Das Problem bei den Robotern auf Paliuk damals“, begann er, „war mangelnde Genauigkeit in der Replikation. Die Elemente der ersten Generation waren Ebenbilder der originalen Elemente, aber eben nur zu soundso viel Prozent. Sie waren ein kleines bisschen ungenau. Das hatte zur Folge, dass die Elemente der zweiten Generation noch ungenauer wurden, und diese Fehler haben sich mit der Zeit aufsummiert. Es war unvermeidlich, dass irgendwann ein Element entstanden ist, das in einem wichtigen Moment nicht zu einem anderen passte, dessen Greifnuten zu eng oder zu weit waren, das zupackt und danebengriff, das irgendetwas falsch einsetzte – was auch immer, das jedenfalls so ungenau war, dass das Zusammenspiel innerhalb des Komplexes nicht mehr funktionierte.“

Charlotte nickte. „Ich erinnre mich. Das hat man auf den Videoaufnahmen damals gesehen.“

„Genau.“ Richtig, da war sie noch dabei gewesen. Jetzt fiel es ihm wieder ein. „Ursache dafür war der Herstellungsprozess. Sie haben zum Beispiel Gussformen hergestellt, Bauteile gegossen und sie nachbearbeitet, wie man es bei Gussteilen machen muss. Aber die Genauigkeit, mit der sie das tun konnten, war begrenzt. Technisch begrenzt. Wenn ich es hätte präziser haben wollen, hätte ich die Elemente größer und komplizierter konstruieren müssen. Das wiederum hätte bedeutet, dass für die Replikation mehr Teile herzustellen gewesen wären, mit höherer Genauigkeit, was wiederum konstruktiv komplizierter geworden wäre … ja ja, und so weiter. Es lief auf ein Wetttrennen hinaus, auf eine geometrische Reihe, die ins Unendliche gegangen wäre.“

Charlotte wirkte skeptisch. Vielleicht bedauerte sie es inzwischen, dass sie gekommen war. „Das klingt, als ob es grundsätzlich nicht ginge.“

„Ja, das hab eich eine Weile auch befürchtet. Aber dann ist mir ein andere Weg eingefallen. Einer, der solche Ungenauigkeiten nicht nur von vornherein vermeidet, sondern darüber hinaus auch noch ganz andere Möglichkeiten eröffnet.“

„Nämlich?“

„Neue Elemente nicht Teil für Teil herzustellen, sondern Atom für Atom.“

Ihre Augen wurden groß. „Nanotechnologie.“

„Ja, das ist der populäre Begriff dafür. Wobei das ein weites Feld unterschiedlichster Technologien und Ansätze ist, die hauptsächlich gemeinsam haben, dass sie sich eben im Nanometer-Bereich abspielen, wo andere Gesetzmäßigkeiten gelten als die, die wir aus dem Alltag gewohnt sind.“

Charlotte furchte die Stirn. Dahinter arbeitet es, das war unverkennbar. Offensichtlich konnte sie etwas mit dem Begriff anfangen – nun, kein Wunder, wer nicht? Nanotechnologie war der große Hype der letzten Jahre gewesen. Er selber hatte auch tu an diesem Trend verdient, mit ein paar Erfindungen, die nebenbei abgefallen waren. Kaum ein Autohersteller, der heute keine Nano-Lacke anbot, die angeblich nicht mehr zerkratzten und immer sauber blieben und Waschanalgen überflüssig machten. Eine Zeit lang waren Toiletten mit Nanobeschichtung der Renner gewesen, von denen es geheißen hatte, man müsse sie nie putzen, weil an ihrer nanotechnisch behandelten Innenseite schlicht nichts haften blieb, weder Schmutz noch Bakterien. Leide hatte sich bewahrheitet, was Hiroshi nach einer Analyse dieser Beschichtung gleich geahnt hatte, nämlich dass sie mit der Zeit unweigerlich kaputtging – aufgrund ganz normaler Umwelteinflüsse, Reaktionen der Moleküle mit Sauerstoff oder durch einfallendes ultraviolettes Licht -, und das dann Schmutz darauf umso fester haftete, tatsächlich kaum mehr abzukriegen war. Seit das publik geworden war, waren Toiletten mit Nanobeschichtung keine Renner mehr. …