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Marc Elserg - „Black Out – Morgen ist es zu spät“

ISBN: 978-3-442-38029-9

Klappentext:

An einem kalten Februartag brechen in Europa alle Stromnetze zusammen. Der totale Blackout. Der italienische Informatiker Piero Manzano vermutet einen Hackerangriff und versucht, die Behörden zu warnen – erfolglos. Als Europol-Kommissar Bollard ihm endlich zuhört, tauchen in Manzanos Computer dubiose E-Mails auf, die den Verdacht auf ihn selbst lenken. Er ist ins Visier eines Gegners geraten, der ebenso raffiniert wie gnadenlos ist. Unterdessen liegt ganz Europa im Dunkeln, und der Kampf ums Überleben beginnt...

Inhalt:

In ganz Europa fällt an einem Freitag Abend der Strom aus. - Was als harmloser Zwischenfall beginnt, weidet sich mit den Tagen zu einer Katastrophe aus. Die Wasserversorgung steht nicht mehr. Nahrung wird knapp und die Kriminalität steigt rapide an.

Manzano, ein ehemaliger Hacker, entdeckt den Fehler, hat hart zu kämpfen um überhaupt gehört zu werden und wird dann auch noch verdächtigt, selber mit an der Situation schuld zu sein.

In den Atomkraftwerken kommt es zur Kernschmelze die, Todesopfer werden mehr und mehr, als man dann doch wieder ein Stromnetz zur Verfügung stellen kann. Alles scheint überstanden zu sein. Doch so ganz ist es wohl doch noch nicht vorbei.

Leseprobe:

… Zum wiederholten Mal sah Shannon in den Rückspiegel. Jetzt war der graue Audi wieder da. Die Straßen waren so leer, dass fast jeder Wagen Aufmerksamkeit erregte, gleich, ob er Shannon entgegenkam oder in ihrem Rückspiegel auftauchte. Minutenlang hatte sie versucht, einen Radiosender einzustellen, doch in den Lautsprechern krachte es nur. Sie konnte sich kaum auf die Straße konzentrieren, ihre Gedanken flogen von ihren Eltern zu ihren noch lebenden Großeltern, die über die gesamten Vereinigten Staaten verstreut waren. Freunde fielen ihr ein, Studienkollegen, die sie seit Jahren nicht gesehen hatte. Boston, New York, wo sie vor ihrer Reise eine Weile gelebt hatte. Drohte ihnen jetzt dasselbe Schicksal, wie die Menschen es hier bereits seit einer Woche erlebten? Dieser graue Audi war immer noch da. Zufall?

Ein paar Minuten lang wurde sie von einem kilometerlangen Militärkonvoi auf der Gegenfahrbahn abgelenkt. An der Stadtgrenze von Düsseldorf erschien der Audi wieder. Shannon musste an Manzanos Laptop in ihrer Tasche denken. Wenn der Italiener mit seiner Geschichte recht hatte, durfte sie kein Risiko eingehen. Mit dem Diebstahl des Computers hatte sie sich zu Manzanos Komplizin gemacht.

Den Standort des Krankenhauses hatte sie bei ihrer Abfahrt ins Navigationssystem gespeichert. Sie konnte ein paar Umwege wählen, und es würde sie trotzdem zurückführen. Kurz entschlossen bog sie von der angesagten Route ab, während ihr Blick zwischen Straße und Rückspiegel hin- und hersprang.

Der Audi folgte ihr.

Noch ein Test.

Ihr Verdacht wurde bestätigt.

Wer saß in dem Auto hinter ihr? Es konnte sich nur um Hartlandts Männer handeln. Deren Methoden hatte sie schon kennengelernt. Manzano hatten sie kaltblütig angeschossen, als er zu flüchten versuchte. In Filmen gaben die Fahrer an dieser Stelle Gas und hängten ihre Verfolger in waghalsigen Verfolgungsjagden ab. Ein Wettrennen mit mehr als zweihundert Pferdestärken unter dem Hintern und Polizeiprofis im Nacken würde höchstwahrscheinlich schnell an einer Düsseldorfer Hauswand enden. Hatte sie eine Wahl?

Shannon beschleunigte. Spürte, wie sie in den Sitz gedrückt wurde. Test mit dem Pedal, kurzer Blick in den Spiegel. Der Audi blieb zurück. Der Motor röhrte, der Tachometer wanderte auf hundertdreißig Stundenkilometer. Hoffentlich lief jetzt niemand vor ihr auf die Straße oder bog aus einer Seitenstraße ein. Bei der nächsten Kreuzung bremste Shannon scharf, bog nach rechts ab und beschleunigte erneut. Ohne einen Blick zurück wiederholte sie das Manöver bei der nächsten Kreuzung. Shannon hatte keinen Schimmer, wo sie sich befand. Sie schien sich in einem Industriegebiet verloren zu haben. Nach der siebten oder achten Abzweigung wagte sie zum ersten Mal einen Blick nach hinten. Der Audi war weg. Sie drosselte das Tempo und atmete durch.

Die Frauenstimme des Navigationsgeräts gab ihr die neue Route an. Shannon folgte.

Ihr Magen verkrampfte sich, als sie den Audi abermals in den Spiegeln entdeckte. Resigniert ließ sie sich vom Navi zurück auf die Einfallstraße führen. Spätestens nach diesem missglückten Fluchtversuch musste ihren Verfolgern klar sein, dass Shannon sie bemerkt hatte. Nun würden sie noch aufmerksamer sein, aber nicht mehr unauffällig. Sie verringerten ihren Abstand und fuhren unverhohlen hinter ihr her.

Shannon nestelte den Laptop auf den Beifahrersitz aus der Taschen, dann die Kameras und den restlichen Kram. Aus dem Handschuhfach zog sie die Bedienungsanleitung heraus, die so dick war wie ein Telefonbuch, und steckte sie in die Tasche. Mit einem Knopfdruck öffnete sie ihre Scheibe und warf das Bünde. Hinaus. Im Seitenspiegel verfolgte sie, wie die Tasche sich mehrmals überschlug. Der Audi wurde langsamer. Jemand sprang aus dem Auto, hob die Tasche auf. Shannon trat das Gaspedal durch. Schnell wurde das Auto im Rückspiegel kleiner. Bei der nächsten Kreuzung bog sie in eine Nebenstraße und tauchte in das Gewirr kleinerer Straßen eines Wohngebietes ab.

Diesmal erschien der Audi nicht mehr in ihren Rückspiegeln.

Shannon lächelte mit schmalen Lippen, ohne sich zu freuen. Nach weiteren zehn Minuten wagte sie, den Anweisungen des Navigationssystems zu folgen. Die Raserei hatte die Treibstoffanzeige um ein Viertel sinken lassen. Musste sie im Krankenhaus eben noch einmal tanken. ...