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Simon Beckett - „Voyeur“

ISBN: 978-3-499-24917-4

Klappentext:

Für den Londoner Galeristen Donald Ramsey ist Leidenschaft ein Fremdwort. Die Schönheit von Frauen bewundert er nur in Kunstwerken. Sein plötzliches Interesse an Anna, der neuen Assistentin, ist daher ungewohnt für ihn. So ungewohnt, dass Donald jemanden anheuert, um die junge Fraue verführen zu lassen: Zeppo ist für diesen Job wie geschaffen – attraktiv, charmant und vollkommen skrupellos. Eine perfekte Intrige nimmt ihren Lauf. Doch Menschen sind keine Gemälde. Und ihr Preis hat nichts mit Geld zu tun.

Inhalt:

Donald Ramsey fühlt sich zu seiner Assistentin Anna hingezogen. Er mag ihren Freund nicht. Und als Anna dann auch noch mit diesem Typen nach Amerika gehen will, muss er aus dem Weg.

Donald selber ist zu körperlicher Liebe nicht Fähig. Deswegen soll Zeppo auch mit Anna schlafen. Donald will ihn dafür bezahlen. Doch Anna ist ihrem Freund treu. Der Typ muss also weg und die beiden planen das perfekte Verbrechen.

Beide rechnen aber nicht mit den Reaktionen von Anna und dem Vater des verschwundenen Opfers. Am Ende war das Verbrechen wohl doch nicht so perfekt und Donald kann Anna wohl nie auf seine Weise besitzen.

Leseprobe:

… Ich wurde wieder gegen die Wand geknallt. Doch sein Zorn war durchbrochen. Zeppo blinzelte. „Was?“

Ich konnte seinen Atem spürten, der süßlich nach Whisky roch. „Du hast mich genau verstanden.“ Meine Stimme war heiser und erstickt. „Wenn du jemanden umbringen willst, dann such dir wenigstens jemanden, bei dem es sich lohnt.“

Er schaute mich ungläubig an. „Was redest du da, verdammte Scheiße?“

Er hatte mich gegen die Wand gedrückt, seine Fäuste krallten sich direkt unter meiner Kehle in mein Hemd. Ich wand mich ein wenig, um den Druck auf meine Luftröhre zu lockern. „Du solltest nicht auf mich wütend sein. Sondern auf Marty. Er ist für alles verantwortlich. Er hat dich gedemütigt. Wenn du jemanden umbringen willst, dann bring ihn um.“

Ich spürte, wie sein Griff in mein Hemd schlaffer wurde. Er starrte mich an. „Das ist nicht dein Ernst.“

„Nein?“

„Ich soll Marty umbringen?“

„Warum nicht?“

Er ließ mich los und wich zurück. „Gott, du meinst es tatsächlich ernst, oder?“

Ich massierte meinen Hals. Mein Hemd war zerrissen. „Vor wenigen Augenblicken warst du bereit, mich umzubringen. Also warum nicht ihn?“

„Das ist doch...“ Er drehte sich um und ging kopfschüttelnd ein paar Schritte davon. „Das wird ja immer besser.“

„Überleg es dir einfach.“

„Was? Einen Mord zu begehen, verdammte Scheiße? Vergiss es, Donald! Ich habe kein Interesse!“

„Weshalb?“

„Weshalb? Was soll das bedeuten? Weshalb wohl? Okay, dann habe ich eben gerade die Beherrschung verloren, aber das heißt noch lange nicht, dass ich einfach so jemanden umlegen.“

„Ich verlange von dir nicht, irgendetwas einfach so zu tun. Erzähl mir bitte mal, weshalb du nicht wenigstens darüber nachdenken willst, Marty zu töten? Fähig wärst du offenbar dazu.“ Nach seinem Schlag tat mir der Magen weh. Ich versuchte, den Schmerz zu ignorieren.

Zeppo schüttelte wieder den Kopf. „Mein Gott! Ich habe nicht die Absicht, den Rest meines Lebens im Gefängnis zu verbringen, nur weil du den Freund von irgendeiner Frau loswerden willst, verdammt!“

„Und wenn du es tun könntest, ohne dass jemand davon erfährt? Würdest du dann darüber nachdenken?“

„Ja genau, du hast bestimmt schon den perfekten Mordplan ausgearbeitet, oder?“

„Nein. Aber angenommen, wir könnten uns einen einfallen lassen?“

„Nein!“

„Warum nicht? Wenn du die Gewissheit hättest, nicht gefasst zu werden?“

„Ich kann nicht glauben, dass wir überhaupt darüber sprechen.“

Ein kleiner Teil von mir war genauso überrascht wie er. Selbst als ich sprach, fragte ich mich, wie lange diese Idee schon in meinem Unterbewusstsein gebrütet hatte. „Gib mir einen Grund! Warum willst du nicht?“

Er drehte sich zu mir um. „Na schön. Warum sollte ich?“

Mein Argument fiel mir so mühelos ein, als wäre es im Voraus geschrieben worden. „Aus dem gleichen Grund, aus dem du alles machst: wegen des Geldes.“

Er lachte auf. „O nein. Selbst für mich gibt es gewisse Grenzen.“

„Willst du mir sagen, dass du dich aus moralischen Gründen weigerst?“

„Wenn du so willst.“

„Das glaube ich dir leider nicht.“

Er drohte mir mit dem Finger. „Scheiß auf dich und auf deine dämlichen Ideen. Ich will morgen Nachmittag mein Geld haben, sonst werde ich deiner geliebten Anna genau erzählen, was ihr ach so netter Chef vorgehabt hat!“

„Sie ist in Amsterdam.“

„Dann erzähle ich es ihr eben, wenn sie zurückkommt!“

„In diesem Fall wird das Sittendezernat ein paar sehr interessante Fotos erhalten. Mit deinem Namen und deiner Adresse.“ Ich lächelte. „Was sowieso jederzeit passieren könnte.“ Er kam einen Schritt auf mich zu. „Und was auf jeden Fall passieren wird, wenn mir etwas zustößt.“ …