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Richard Laymon - „Nacht“

ISBN: 978-3-453-67536-0

Klappentext:

Es scheint eine ganz normale Nacht im Leben der jungen Alice zu werden: Sie passt auf das Haus zweier reicher Freunde auf, das am Rande eines Waldes liegt. Doch plötzlich taucht ein Fremder am Pool auf, schwimmt, sieht sie im Haus und flieht, als das Telefon klingelt. Am Apparat ist ein anderer Unbekannter, der einfach nicht verstehen will, dass Alice keine Hilfe braucht. Er kommt trotzdem vorbei – und Alice streckt ihn mit einem Säbel nieder, da sie in ihm den unheimlichen Fremden vom Pool vermutet. Ein fataler Irrtum! Und die Nacht hat gerade erst begonnen …

Ein furioser Psycho-Thriller: Nach den Bestsellern Die Insel und Das Spiel zementiert Richard Laymon mit Nacht entgültig seinen Status als Kultautor.

Inhalt:

Alice hütet das Haus von Freunden während die im Urlaub sind. Doch was zunächst wie ein Urlaub im Paradies wirkt, entpuppt sich als Knochenjob.

Ein seltsamer nächtlicher Badegast jagd Alice einen riesigen Schrecken ein. Durch einen Bluff kann sie ihn aber wieder los werden. Dafür bezahlt jedoch Tony, der ihr helfen möchte, seinen Besuch mit den Leben.

Nun muss Alice die Leiche los werden und Spuren verwischen. Dabei zieht sie noch weitere Personen in die Sache mit hinein. Doch irgendwann scheint sie alles überstanden zu haben und will zu Hause nur noch vergessen, als die Mordwaffe nicht mehr an ihrem Platz hängt, eine weitere Leiche im Gästeklo liegt und der seltsame Badegast wieder da ist. Nur diesmal hat er die Waffe und Alice ist wehrlos.

Leseprobe:

… Die Sache ist die“, sagte ich schnell, „wir haben seit unserem Umzug überhaupt keine Zeitung mehr bekommen, und ich wollte mich erkundigen, ob da vielleicht etwas durcheinandergeraten ist und Sie vielleicht immer noch unsere alte Adresse in der Washington Avenue haben.“

„Nein“, sagte Yvonne. „Hier steht: Neue Adresse: 8448 Adams Avenue. Stimmt die etwa nicht?“

„Doch, sie stimmt“, sagte ich und lachte. „Dann muss es wohl einen anderen Grund haben, dass wir unsere Zeitung nicht bekommen.“

„Ich sorge dafür, dass Sie Ihre Zeitung bekommen. In einer stunde liegt die heutige Ausgabe vor Ihrer Haustür.“

„Herzlichen Dank.“

„Ich danke Ihnen und möchte mich im Namen der ehester Tribüne für Ihre Unannehmlichkeiten entschuldigen.“

„Keine Ursache. Auf Wiederhören.“

Ich legte auf und grinste.

Nachdem ich mich vergewissert hatte, dass mich auch niemand beobachtete, wischte ich das Telefon mit einem Papiertaschentuch ab und verließ das Restaurant.

Ich würde jetzt zu Tonys Haus fahren und einfach in seine Wohnung spazieren. Bestimmt stand die Tür offen. Extra für mich.

Aber gewiss doch.

Träum weiter.

Zu blöd, dass ich Tonys Schlüssel nicht mehr hatte, dann hätte ich einfach aufschließen können. Aber letzte Nacht war ich mir noch hundertprozentig sicher gewesen, dass ich die neue Adresse nie herausfinden würde.

Außerdem hatte ich sein Schlüsseletui schon ins Feuer geworden, bevor mir Judy endlich verraten hatte, dass er eine Wahlwiederholungstaste hatte.

Hätte ich die Schlüssel nur behalten!

So eine geniale Idee, sie ins Feuer zu werfen!

Alle Beweise verbrennen! Super, super Idee!

Scheiße!

Aber Moment mal! Den Schlüsseln hatte das Feuer sicher nichts anhaben können. Ich musste nur eben kurz den in den Wald fahren, die richtige Stelle finden, die Schlüssel aus der Asche klauben und weiter zu Tonys neuer Adresse fahren.

So einfach war das.

Und wenn die Polizei inzwischen Tonys Leiche fand?

Wenn sie sie nicht schon längst gefunden hat.

Und mich vor Tonys Haus erwartete.

Tonys Wohnung in der Adams Avenue war nur ein paar Straßen von Judys Appartment entfernt, deshalb machte ich sicherheitshalber einen kleinen Umweg und fuhr an Judys Haus vorbei. Wenn man in der Tiefgarage Tonys Leiche schon gefunden hätte, würde es dort vor Polizei und aufgeregten Nachbarn nur so wimmeln. Aber alles war ruhig, also fuhr ich weiter zur Adams Avenue.

Wieder fragte ich mich, wie ich in die verdammte Wohnung kommen sollte.

Ich hatte keine Ahnung.

Ich verließ mich auf die Inspiration des Augenblicks.

Und Sie denken jetzt sicher: Ist sie denn noch zu retten? So ein Aufwand wegen dieser schwachsinnigen Wahlwiederholungstaste?

Vielleicht bin ich nicht mehr zu retten.

Kann sein.

Aber ständig hatte ich dieses Bild vor Augen: Ein Polizist steht in Tonys Wohnung und glotzt das Telefon an. Er sieht die Wahlwiederholungstaste und denkt: Dann wollen wir mal sehen, wen der zuletzt angerufen hat! Wenn das mal nicht die Nummer des Mörders ist! Und dann drückt er auf den Knopf, und drei Sekunden später hört er Charlies Stimme auf dem Anrufbeantworter: „Schön, dass Sie anrufen, aber im Augenblick sind wir leider nicht zu Hause. Hinterlassen Sie uns doch eine Nachricht nach dem...“

Und dann kommt der Polizist so richtig in Fahrt. Und wenn er dann auch noch den Einzelverbindungsnachweis der Telefongesellschaft bekommt hat, geht für ihn die Sonne auf. Da sieht er nämlich, wann Tony das letzte Gespräch geführt und wie lange es gedauert hat. Und dann steht er in null Komma nichts vor Charlies Tür.

Und Charlie wird ihm sagen, dass er und Serena in der fraglichen Zeit verreist waren.

Und niemand Zugang zu Haus und Telefon hatte außer mir.

Das gefiel mir alles überhaupt nicht.

Jetzt hatte ich noch die Chance, den Lauf der Geschichte zu ändern.

Aber dazu musste ich in Tonys Wohnung kommen und ein einziges Mal telefonieren.

Das war das Risiko wert, oder?

Fand ich schon.

Aber es ist natürlich auch möglich, dass die Erlebnisse der letzten Nacht mein Denkvermögen getrübt hatten.