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P.H. Lovecraft - „Stadt ohne Namen“

ISBN:  3-51839-256-5

Klappentext:

Tief in die Vergangenheit zurück führt H. P. Lovecraft seine Leser. In eine Vergangenheit, in der vormenschliche Wesen und Gottheiten von fernen Sternen die Erde bevölkerten. Sie hinterließen Spuren wie Brandmale, es ist gefährlich, sich den unheiligen Überresten ihrer Zivilisation auch nur zu nähern. Aber gerade das ist die Profession der Lovecraftschen Helden, allesamt versponnene Privatgelehrte oder Abenteurer, sich der Gefahr auszusetzen.

Inhalt:

Bei "Die Stadt ohne Namen" handelt es sich um eine Sammlung von 14 Horrorgeschichten.

Lovecraft bedient sich in deren Inhalt unter anderem dem Aberglauben der stark religiösen Menschen. So fürchtet sich ein Protagonist vor einem seltsamen Luftzug in einem Höhlensystem. Oder aber ein Arzt forscht an einer Flüssigkeit, mit dem man Tote wieder beleben kann. Ein Onkel und sein Neffe untersuchen ein Haus auf dem ein Fluch zu lasten scheint und alte, unbewohnte Häuser werden zum Uhrsprung seltsamer Geräusche und religiöser Bräuche.

Leseprobe:

… Die Leichen mussten außerordentlich frisch sein, sonst würde die leichte Verwesung der Hirnzellen eine vollkommene Wiederbelebung unmöglich machen. Es war in der Tat das größte Problem, sie frisch genug zu bekommen – West hatte während seiner heimlichen Versuche im College mit Leichen zweifelhafter Herkunft schreckliche Erfahrungen gemacht. Das Resultat einer teilweisen oder unvollkommenen Wiederbelebung war viel schrecklicher als die völligen Fehlschläge, wir hatten furchtbare Erinnerungen an derartiges. Stets seit unserer teuflischen Sitzung in dem verlassenen Farmhaus auf Meadow Hill in Arkaham hatten wir eine herannahende Bedrohung verspürt, und West, obwohl er in mancher Beziehung ein ruhiger, blonder und blauäugiger wissenschaftlicher Automat war, gestand mir oft ein schauderndes Gefühl heimlichen Verfolgtwerdens ein. Er hatte stets halb das Gefühl, daß jemand hinter ihm her sei – psychologische Wahnvorstellungen seiner erschütterten Nerven, noch verstärkt durch die unzweifelhaft beunruhigende Tatsache, daß zum mindesten eines seiner wiedererweckten Versuchsobjekten am Leben sei – ein grauenhaftes, fleischfressendes Wesen un einer Tobsuchtszelle in Seiton. Dann gab es noch ein anderes, unser erstes, dessen genaues Schicksal wir nie herausbekamen.

Wir hatten in Bolton leidliches Glück mit unseren Versuchsobjekten. Wir hatten uns noch nicht eine Woche dort niedergelassen, als wir uns ein Unfallopfer in der Nacht seines Begräbnisses verschafften, und brachten es fertig, daß es mit einem staunenswert vernünftigen Ausdruck die Augen öffnete, eher die Lösung versagte. Es hatte einen Arm verloren – wenn es ein unversehrter Körper gewesen wäre, hätten wir vielleicht einen besseren Erfolg erzielt. Zwischen damals und dem darauffolgenden Januar verschafften wir uns drei weitere, einen völligen Versager, einen Fall deutlicher Muskelbewegung und ein reichlich schauerliches Wesen – es richtete sich von selbst auf und stieß einen Ton aus. Dann folgte ein Zeitraum, in dem wir gar kein Glück hatten; Beerdigungen waren selten, und die, die stattfanden, betrafen Objekte, die zu sehr von Krankheit gezeichnet oder zu verstümmelt waren.

In einer Märznacht erlangten wir indessen ganz unerwartet ein Versuchsobjekt, das nicht aus dem Potters Fiel stammte. In Bolton hatte der herrschende Geist des Puritanismus das Boxen verboten – mit dem üblichen Resultat. Häufige, schlecht organisierte Kämpfe zwischen den Fabrikarbeitern waren an der Tagesordnung, und gelegentlich wurde ein bescheidenes Berufstalent eingeführt. In diesem Spätwinterabend hatte ein solcher Kampf stattgefunden, offensichtlich mit verheerenden Resultaten, da zwei verängstigte Polen mit zusammenhanglos geflüsterten Bitten zu uns kamen, sich eines heimlichen und hoffnungsvollen Falles anzunehmen. Wir folgten ihnen zu einer verlassenen Scheune, wo der Rest einer Menge verschreckter Ausländer eine still auf dem Boden liegende schwarze Gestalt betrachtete.

Der Kampf hatte zwischen Kid O`Brien, einem tölpelhaften, jetzt wie Espenlaub zitternden jungen Mann mit einer gänzlich unhibernischen (un-irischen) Hakennase, und Bück Robinson. „The Harlem Snoke“ („Der dunkle Harlemer“), stattgefunden. Der Neger war k. o. Geschlagen worden und eine kurze Untersuchung zeigte uns, daß er es für immer bleiben würde. Er war ein widerliches, gorillaähngliches Geschöpf mit abnorm langen Armen, die ich nicht umhinkonnte, Vorderbeine zu nennen, und einem Gesicht, das aus den unaussprechlichen Geheimnissen des Kongo und der Tamtam-Trommeln unter einem unwirklichen Mond hervorgezaubert worden war. Der Leichnam mußte im Leben sogar noch fürchterlicher ausgesehen haben – es gibt eben viele häßliche Dinge auf der Welt; Furcht lag über der ganzen bedauernswerten Menge, denn sie wußten nicht, was das Gesetz von ihnen fordern würde, wenn man die Angelegenheit nicht geheimhielte, und sie waren dankbar, als West, trotz meines unwillkürlichen Abscheus, vorschlug, das Ding heimlich beiseite zu schaffen – für einen Zweck, der mir nur zu gut bekannt war. …