ich-geb-dir.info
Home.
Delfine.
Hunde.
Literatur.

Kerstin Gier - „Silber – das erste Buch der Träume“

ISBN: 3-841-42105-9

Klappentext:

Geheimnisvolle Türen mit Eidechsenknäufen, sprechende Steinfiguren und ein wildgewordenes Kindermädchen mit einem Beil … Liv Silbers Träume sind in der letzten Zeit ziemlich unheimlich. Besonders einer von ihnen beschäftigt sie sehr. In diesem Traum war sie auf einem Friedhof, bei Nacht, und hat vier Jungs bei einem düsteren magischen Ritual beobachtet.

Zumindest die Jungs stellen aber eine ganz reale Verbindung zu Livs Leben dar, denn Grayson und seine drei besten Freunde gibt es wirklich. Seit kurzem geht Liv auf dieselbe Schule wie die vier. Eigentlich sind sie ganz nett.

Wirklich unheimlich – noch viel unheimlicher als jeder Friedhof bei Nacht – ist jedoch, dass die Jungs Dinge über sie wissen, die sie tagsüber nie preisgegeben hat – wohl aber im Traum. Kann das wirklich sein? Wie sie das hinbekommen, ist ihr absolut rätselhaft, aber einem guten Rätsel konnte Liv noch nie widerstehen …

Inhalt:

Liv und ihre Schwester sind Umzüge gewohnt. Sie sind halt schon immer den Jobs ihrer Mutter hinterher gereist.

So auch in diesem Fall, wo es die Geschwister nach London verschlägt. Wovon keine Rede ist, ist allerdings von dem Mann, der ihre Mutter sehr zu mögen scheint. So sehr dass sie schon bald, in  seinem Haus wohnen und mit seinen Kindern so etwas wie eine Patchworkfamilie bilden.

Liv ihr neuer Stiefbruder verhält sich sehr seltsam. Ein geliehenes Sweatshirt von ihm, entführt Liv in eine Welt der Träume, von der sie in der Form noch keine Ahnung hatte. Und ehe sie es sich versieht ist sie nicht nur, verliebt, sondern auch in einem seltsamen Dämonenkult gefangen.

Leseprobe:

… „Wenn sie auch nur eine Bemerkung macht...“, murmelte Mia drohend vor sich hin.

Wir hatten Lottie nicht verraten, wie sehr sich Florence gewehrt hatte, ihre Räumlichkeiten abzutreten, selbst Mum war nicht die kleinste Andeutung über die Lippen gekommen. Wir alle wussten, dass Lottie sonst entweder gar nicht mitbekommen wäre oder, was wesentlich wahrscheinlicher war, darauf bestanden hätte, in die Besenkammer zu ziehen.

„Oder wenn die irgendwie blöd guckt...“, fuhr Mia fort.

Ich wiederum starrte den Fürchterlichen Freddy vor der Eingangstür der Spencers an und konnte mir gerade noch verkneifen „Ydderf, Ydderf, Ydderf“ zu sagen, anstatt zu klingeln. Seltsam, wie vertraut mir die übergewichtige Steinfigur im Laufe der vergangenen Nächte geworden war. Fast erwartete ich, dass sie mir zuzwinkerte.

Wir waren von der Bushaltestelle bis hierher gerannt und hatten Mum und Lottie abgehängt, die jetzt erst keuchend um die Ecke in die Einfahrt bogen. Bedauerlicherweise gleichzeitig mit einem großen Mann in Cordhosen und Rollkragenpulli, der aus der anderen Richtung kam und es ähnlich eilig zu haben schien. Er stolperte über die Hundeleine, das fand Butter gar nicht komisch, sie fing an zu kläffen und herumzutoben und nach den Cordhosen zu schnappen, und es entstand ein kleiner Tumult. Mia und ich versuchten, Butter am Halsband zu packen, aber das war gar nicht so einfach, Butter wand sich wie ein Aal. Die extralange Hundeleine wickelte sich um Lotties Füße und die Beine des Mannes und brachte sie beide zu Fall, während Mum danebenstand und wenig hilfreich ungefähr zehnmal hintereinander „Böser Hund!“ rief.

Schließlich gelang es mir, Buttercup am Halsband wegzuziehen, und Lottie und der Mann konnten sich aufrichten. Dabei stießen sie mit ihren Köpfen zusammen, und als Lottie „Au!“ sagte, hätte Buttercup sich nur zu gerne erneut ins Getümmel gestürzt. Sie bellte vorwurfsvoll.

„Böser Hund“, sagte Mum mit schwacher stimme.

Der Mann rieb sich die Stirn. „Alles in Ordnung?“, erkundigte er sich bei Lottie, und das musste man ihm wirklich hoch anrechnen. Jeder andere an seiner Stelle hätte mit einem Anwalt gedroht.

„Entschuldigung“, sagte Lottie ein wenig atemlos und strich sich eine braune Locke aus dem Gesicht. „Normalerweise bin ich ein ganz lieber Hund.“

Mia hielt sich die Hand vor den Mund, um nicht loszukichern.

„Ähm, sie, meine ich“, stotterte Lottie und lief rot an. Offenbar schien der Anblick des Mannes sie kollosal zu verwirren. „Sie ist ein lieber Hund. Ich... äh... sie mag nur keine Briefträger.“

„Oh, ich bin kein Briefträger“, versicherte ihr der Mann. „Ich bin das schwarze Schaf der Familie Spencer, Ernest Bruder Charles. Und ihr müsst unser neuer Familienzuwachs sein. Freut mich, euch alle kennenzulernen.“

Jetzt, wo wir Zeit ahtten, ihn näher in Augenschein zu nehmen, wunderte uns dies Eröffnung nicht wirklich, denn Cahrles wies eine geradezu fatale Ähnlichkeit mit Ernest auf: die gleich breitschultrige Statur, die gleichen blauen Augen, die gleiche Neigung zur Glatzenbildung, die gleichen riesigen Elefantenohren. Sogar seine stimme klang ganz ähnlich.

Er schüttelte uns nacheinander die Hand, und wir stellten uns mit unseren Namen vor und versicherten, dass wir uns ebenfalls freuten. Als Lottie an der Reihe war, war sie noch röter geworden und erklärte, sie hieße Tollie Hastlwuber und sei das Minderkädchen.

„So ähnlich jedenfalls“m murmelte Mum.

Mia und ich tauschten einen alarmierten Blick. Was war denn nur mit Lottie los? Wir trauten unseren Ohren kaum, als unser Minderkädchen jetzt auch noch Einblick in bisher verborgene Familiengeheimnisse gewährte.

„Ich war übrigens auch mal das schwarze Schaf der Familie“, erklärte sie eifrig. „Aber dann hat meine Cousine Franziska sich in ihre Putzfrau verliebt, deshalb war sie dann das schwarze schaf. Bis mein Cousin Basti sie abgelöst hat, weil er sein Hotel in einen Swingerclub umge...“

„Lass uns die Einzelheiten doch auf später verschieben“, fiel Mum ihr hastig ins Wort und drückte energisch den Klingelknopf. „Es gibt schließlich eine Menge Möbel zu rücken … Oh, hallo, Ernest, Liebling! Entschuldige die Verspätung. Aber an mir lag es nicht.“ ...