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Deon Meyer - „Der Atem des Jägers“

ISBN: 978-3-8412-2017-2

Klappentext:

Südafrika - spannend, mystisch, einzigartig Benny Griessel war der beste Mann der Polizei Kapstadts - bis er zu trinken begann. Nun ist er am Ende, seine Frau hat ihn hinausgeworfen. Einzig sein Chef glaubt noch an ihn und übergibt ihm seinen größten Fall: Jemand läuft durch die Stadt und tötet Kinderschänder, die vor Gericht freigekommen sind. In der mysteriösen Christine, die ihr Kind bedroht sieht, findet Griessel eine Verbündete. Thobela, ein ehemaliger Befreiungskämpfer, hat mit seinem Ziehsohn ein stilles Glück gefunden – bis der kleine Pakamile an einer Tankstelle erschossen wird. Thobela wird zum Rächer all der Kinder, denen Gewalt angetan worden ist. Die Polizei Kapstadts steht vor einem Rätsel. Doch dann übernimmt Detective Griessel den Fall: Er ist ein erfahrener Polizist – und ein Alkoholiker, den seine Frau nach einem handfesten Streit hinausgeworfen hat. Aber Griessel will es sich beweisen. Wenn er diesen Fall aufklärt, hat er noch eine Chance, seine Frau zurückzugewinnen. In seiner Not versucht er, Thobela eine Falle zu stellen. Plötzlich aber nimmt der Fall ungeahnte Dimensionen an.

Inhalt:

Zwei Morde, eine Familie. Zurück bleibt ein Vater, der am gesamten Justizapparat zweifelt und so dazu übergeht, selber Urteile an Leuten zu vollstrecken, deren Verbrechen irgendetwas mit Kindern zu tun hat.

Benny Grissel, ein versoffener Bulle, wird mit dem Fall betraut und muss gleichzeitig um den Erhalt seiner Familie kämpfen, da ihn seine Frau wegen dem Alkohol rausgeschmissen hat.

Unfreiwillig involviert ist eine Nutte, die ein Kind hat und einen Klienten zu nah an sich und ihre Tochter heran lässt. Das führt zu Problemen aus denen Sie nur durch einen Trick raus kommt. Das wiederum ruft den gebrochenen Mann ins Boot, der sich eben jenen Klienten vornimmt.

Grissel jagt den ominösen Mörder aber längst nicht mehr für die Polizei.

Leseprobe:

...»Zweitens. Ich habe nicht um dich gebeten. Du bist mir zugeteilt worden. Mit der Anweisung, daß ich dir beibringen soll, was ein Detective so macht. Drittens. Um das zu lernen, mußt du zuhören. Verstanden?«

»Ich bin ein verfluchter Detective.«

»Du bist ein verfluchter Detective? Dann sag mal, Mister verfluchter Detective, wo sucht man nach einem Mörder? Wo sucht man als allererstes?«

»Okay«, sagte Keyter langsam.

»Okay, was, Jaaa-mie?«

»Okay, ich habe verstanden.«

»Was verstanden?«

»Was du gesagt hast.«

»Sag’s mir, Jaaa-mie.«

»Warum nennst du mich immer so, Jaaa-mie? Ich hab’s verstanden, okay? Zuerst sucht man in der Nähe des Opfers.«

»Und hast du dort gesucht?«

Keyter sagte nichts, er klammerte sich bloß in der Zehn-Uhrzwei-Uhr-Position an das Steuerrad.

»Du bist nicht mal der Arsch eines Detectives. Zwei Jahre in der Wache Table View sind gar nichts. Einbrüche und Autodiebstähle zählen bei uns nichts, Jaaa-mie. Also halt die Klappe und hör zu und lern. Oder du kannst jetzt sofort zu Matt Joubert gehen und ihm sagen, daß du nicht mit mir zusammenarbeiten kannst.«

»Okay«, sagte Keyter.

»Okay was?«

»Okay, ich sage nichts.«

»Und lerne.«

»Und lerne.«

»Dann kannst du wieder aussteigen, denn wir sind hier noch nicht fertig.« Er trat einen Schritt zurück, damit die Tür sich öffnen ließ. Keyter stieg aus, schloß die Tür und legte die Arme über der Brust über Kreuz. Er lehnte sich an seinen Wagen.

»Sind wir sicher, daß sie es nicht war?« fragte Griessel. Keyter zuckte mit den Achseln. Als er sah, daß das nicht reichte, sagte er vorsichtig: »Nein?«

»Hast du gehört, was ich dort drinnen gesagt habe?«

»Ja.«

»Glaubst du, sie könnte es gewesen sein?«

»Nein.«

»Aber sie wollte?«

»Ja.«

»Jetzt denk mal nach, Jaaa-mie. Tu mal so, als wärst du sie.«

»Häh?«

»Denk so, wie sie denken würde«, sagte Griessel und unterdrückte den Drang, himmelwärts zu schauen.

Keyter entfaltete die Arme und drückte zwei Finger gegen seine Schläfen.

Griessel wartete.

»Okay«, sagte Keyter.

Griessel wartete.

»Okay, sie ist zu klein, um Laurens zu erstechen.« Er schaute Griessel an, der als Bestätigung nickte.

»Und sie weiß nicht, wo der Revolver ist.«

»Das stimmt.«

Wieder die Finger an den Schläfen.

»Nein, Dreck, ich weiß nicht«, sagte Keyter wütend und richtete sich auf. »Wie würdest du dich fühlen?« fragte Griessel; seine Geduld neigte sich dem Ende zu. »Dein Kind ist tot. Deine Partnerin ist dafür verantwortlich. Wie würdest du dich fühlen? Du bist voller Haß, Jamie. Du sitzt hier im Haus und haßt. Sie sitzt in einer Gefängniszelle, und du weißt, daß sie irgendwann gegen Kaution rauskommt. Und du wünschst dir, du könntest sie totschlagen für das, was sie getan hat. Du stellst es dir vor, wie du sie erschießt, erstichst. Und dann hörst du im Radio von diesem Mann, der Leute ersticht, die sich an Kindern vergreifen. Oder du liest es in der Zeitung. Was machst du dann, Jamie? Du weinst, und du hoffst. Du wünschst. Denn du bist klein und schwach und brauchst einen Superhelden. Du denkst: Was wäre, wenn er mit seinem großen Assegai kommt? Und die Vorstellung gefällt dir. Aber die Woche ist zu lang, Jamie. Später denkst du dir: Und was, wenn er nicht kommt? Bothma sagt, der Revolver wäre versteckt gewesen. Zehn zu eins hat sie danach gesucht. Warum, Jamie? Falls der Assegai-Mann nicht kommt. Und was ist dann der nächste logische Schritt? Du suchst dir deinen eigenen Assegai-Mann. Und wo fängst du an zu suchen? Wo suchst du dir jemand, der Laurens genauso haßt wie du? Sie war jähzornig, hartherzig. Wo fängst du an zu suchen?« »Okay«, sagte Keyter und trat mit seinem Nike Crosstrainer nach einem Grasbüschel. »Okay, klaro. Man sucht hier, auf dem Gelände.«

»Es gibt noch Hoffnung für dich, Jamie.«

»Die Arbeiter?«

»Genau. Wer mistet den Stall aus? Wer füttert die Pferde? Wen hat Laurens angebrüllt und verflucht, wenn sie zu spät zur Arbeit kamen? Wer tut dir für fünfhundert Rand einen kleinen Gefallen?«

»Klaro.«

»Ich möchte, daß du losgehst und mit den Leuten redest, Jamie. Beobachte ihre Körpersprache, sieh ihnen in die Augen. Mach keine Vorwürfe. Rede einfach. Frag, ob sie etwas gesehen haben. Ob Laurens eine schwierige Arbeitgeberin war. Sei mitfühlend. Frag sie, ob sie von dem Assegai-Mann gehört haben. Gib ihnen die Gelegenheit zu reden. Manchmal reden sie gern und zuviel. Hör gut zu, Jamie. Hör zu mit beiden Ohren und Augen und Hirn. Bei einer Mordermittlung ist das so. Erst einmal schaut man aus der Ferne, man sieht sich alles an. Dann tritt man einen Schritt näher und schaut genauer hin. Und noch einen Schritt. Man bricht nicht einfach ein – man schleicht sich an.«...