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Charles Stross – „Dämonentor“

ISBN: 978-3-453-52313-5

Klappentext:

Die Menschheit in Gefahr: Durch mysteriöse Dimensionstore dringen immer mehr Dämonen und andere unheimliche Wesen in unsere Welt ein. Nur eine Sonderabteilung des britischen Geheimdienstes kann die okkulten Mächte abwehren. Einer ihrer Agenturen ist Bob Howard: jung, ehrgeizig, chaotisch. Zu ehrgeizig womöglich – und definitiv chaotisch ...

Inhalt:

Es handelt sich in diesem Buch nicht wirklich um „Dämonen“. Vielmehr geht es um eine Organisation, welche mit Computertechnik im Geheimen gegen Dämonen und Kriminalität kämpft.

Der Protagonist ist in dieser Organisation im „Büro“ tätig, rutscht aber in den Außendienst und muss nun auch direkt an der Front mitmachen. Seine Chefin legt ihm dabei Steine in den Weg, was am Schluss aber aufgelöst wird.

Außerdem lernt er „Mo“ kennen. Sie ist eine Professorin und er soll sie bespitzeln, während einem Außeneinsatz. Er zeigt allerdings zu viel Einsatz und rutscht so immer tiefer in die „Dämonengeschichte“ rein.

Leseprobe:

… »Natürlich bin ich mir sicher. Aber was den Inhalt betrifft – na ja, darüber bin ich nicht allzu glücklich. Zum einen verstehe ich nicht, warum wir nichts über Lizenzen und Support lernen. Das sollte doch zuerst kommen. Ein Pakt mit dem Teufel und so mag ja schön und gut sein, aber ich muss wissen, wen ich anrufen kann, wenn ich mal technische Unterstützung brauche.«

Ich seufze. »Wie wäre es, wenn du mit Dr. Vohlman reden würdest«, schlage ich vor und wende mich – vielleicht etwas unhöflich – ab. Es gibt immer einen, der im falschen Kurs gelandet ist, aber das erst nach zwei Tagen zu merken, bedarf doch einer gewissen Blödheit, die so rasch nicht zu schlagen sein dürfte.

Alle leeren ihre Becher, und die Raucher tauchen plötzlich von irgendwoher wieder auf. Gemeinsam marschieren wir zurück in den Hörsaal. Dr. Vohlman hat inzwischen einen archaisch anmutenden Prüftisch hereingerollt. Die elektrischen Vorrichtungen, die darauf montiert sind, sehen teilweise so aus, als würden sie aus dem Motor eines alten Morris Minor vom Schrottplatz stammen. Die Kabel des Drudenfußes sind aus massivem Silber, das über die Jahre schwarz angelaufen ist.

»In Ordnung, Leute. Wir wollen uns jetzt die Dinge, die wir vorher theoretisch besprochen haben, mal ganz praktisch betrachten.«

Vohlman kehrt mit großer Begeisterung den Schulmeister heraus. »Wir fangen erst einmal mit einer kleineren Beschwörung an, einer sogenannten Typ-3-Beschwörung, und benutzen dabei die Koordinaten, die ich an die Tafel geschrieben habe. Dabei sollte es zu einer Manifestation namenlosen Horrors kommen, wobei es ein ziemlich manipulierbarer namenloser Horror sein wird, solange wir uns an die Vorschriften halten. Es wird einige unangenehme visuelle Verzerrungen und etwas intelligent anmutendes Geplapper geben, das aber nicht klüger ist als das von einem Reporter der Boulevardpresse. Also nicht klug genug, um wirklich gefährlich zu werden. Das heißt aber noch

nicht, dass es ungefährlich ist. Man kann recht schnell in Teufels Küche kommen, wenn man mit dieser Art von Ausrüstung unsachgemäß hantiert. Falls Sie es vergessen haben sollten: Wir haben es hier mit Starkstrom zu tun. Jetzt bilden Sie bitte alle um mich einen Kreis, denn jeder muss innerhalb der Sicherheitszone sein, wenn ich den Strom anstelle. Manesh, wenn Sie bitte das ›BETRETEN VERBOTEN‹-Schild anschalten würden …«

Wir stellen uns alle um den Prüftisch, wobei ich mich etwas im Hintergrund halte. Solche Experimente sind mir nicht unbekannt. Ich habe einige wesentlich exotischere bereits im Keller von Chateau Cthulhu selbst ausprobiert. Im Vergleich zu den wahnwitzig komplexen Beschwörungen, die Brain schon mit seiner Lasermatrix geschafft hat, ist das, was uns Dr. Vohlman hier bietet, extrem harmlos.

Es ist allerdings interessant, die anderen Kursteilnehmer zu beobachten. Babs, eine fröhlich plappernde Blondine mit großer Brille, betrachtet den Prüftisch, als ob es sich um eine noch nicht detonierte Bombe handelt. Ich vermute, sie erlebt das alles zum ersten Mal und stellt sich wahrscheinlich vor, dass gleich wie beim Exorzisten Köpfe erscheinen und grüner Schleim in alle Richtungen spritzt. John, Manesh, Dipak und Mike benehmen sich wie gelangweilte Jungbeamte, die froh sind, wieder einmal eine Woche nicht hinter dem Schreibtisch sitzen zu müssen. Fred aus der Buchhaltung wirkt wie immer verwirrt und sieht so aus, als ob er sein Gehirn irgendwo liegen gelassen hätte, während Callie sich schon lange verabschiedet hat, um sich die Nase pudern zu gehen. Kann man ihr nicht vorwerfen, wie ich finde. Diese Art von Experiment ist genauso witzig, wie wenn man in einem Schullabor zeigt, was man unter einer thermischen Reaktion versteht – es kann alles nach hinten losgehen. Ich versichere mich noch einmal, dass der Feuerlöscher nur zwei Schritte hinter mir an der Wand hängt.

»Ok. Jetzt passen Sie auf. Keiner darf die Matrix berühren. Keiner darf auch nur ein einziges Wort sagen, sobald ich einmal angefangen habe. Und keiner darf den roten Kreis auf dem Boden verlassen. Wir befinden uns hier in einem geerdeten Käfig, aber wenn wir auch nur den Fuß hinausstrecken …«