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Andrea Schacht - „Mac Tiger – Ein Highländer auf Abwegen“

ISBN: 978-3-641-01807-8

Klappentext:

1744, im schottischen Hochland: Auf Drumnadruid Castle findet eine erbitterte Clan-Fehde ihr blutiges Ende. Auch Schlosskater MacTiger wird, ehe er sichs versieht, hinterrücks gemeuchelt. Die einzigen Überlebenden des Gemetzels sind eine Kinderfrau und ihr Schützling, die kleine Mary McIain. Völlig verstört, sieht Mary den entleibten Kater neben ihrer Schwester liegen und will ihn ein letztes Mal streicheln, doch die Kinderfrau zerrt sie fort. Während die beiden aus dem zerstörten Gemäuer fliehen, bleibt MacTiger, die arme Katzenseele, zurück - dazu verdammt, dort in Einsamkeit umzugehen …

Inhalt:

Eine alte schottische Sage, die ihre Fühler bis in die Gegenwart ausstreckt, streift Margita in ihrem Urlaub, den sie mit ihrer Tante auf  Drumnadruid Castle verbringt.

Auf der Bustour zum Schloss, geht es der Tante nicht besonders. So kommt es, dass die beiden in dem Hotel auf die Rückkehr der Busgruppe warten, statt mit ihr weiter zu reißen.

Margita, die von allen aber nur Maggi genannt wird, vertreibt sich die Zeit indem sie die Umgebung erkundet, in alten Sagen stöbert, sich mit dem Gärtner unterhält und einen Yuppie quasie zähmt. Dabei gelangt sie hinter das „Geheimnis“ ihrer Geburt und findet einen lang verloren geglaubten Menschen aus ihrem Leben wieder.

Sie erfährt die Wahrheit über ihre Tante und ihre Mutter und bekommt die Tante sogar etwas lockerer, was in dem Fall eine wirklich stolze Leistung ist.

Ganz nebenbei kann sie sich auch noch einen Traum erfüllen.

Leseprobe:

… »Jähzorn und Wut, stimmt, so ähnlich war das Gefühl, das mir eben Angst eingejagt hat. Nun ja, diese Highlander waren nicht eben als sanfte Lämmlein bekannt, nicht?«

»Nein, sie hatten einen recht strengen Ehrbegriff. Und verletzter Stolz führt oft zu großer Wut. Dies hier ist ein Gebäude gewesen, in dem viele Generationen gelebt haben, geboren wurden und gestorben sind. Natürlich sind hier heftige Gefühle aufgetreten. Aber, warte mal, Ken. Ich habe noch etwas gesehen.«

Die Luft war immer noch stickig, aber mir ging es inzwischen wieder besser. Ich ging zu der Stelle, wo sich der Kamin befunden hatte, und tastete die verbliebene Umrandung ab. Moos war über die Mauern gewachsen, feine Wurzeln hatten sich in Risse und Spalten gezwängt, Blättchen und Blüten rankten sich um geborstene Steine.

»Hast du ein Taschenmesser dabei?«

»Nein, ich bin ein schlechter Pfadfinder. Kannst du das gebrauchen?«

Er reichte mir einen spitzen Stein. Mit diesem Hilfsmittel kratzte ich an einer Stelle am Kaminsims das Moos ab. Und richtig, meine Vermutung bewahrheitete sich. Nach und nach zeigte sich die Steinmetzarbeit darunter.

»Zwei Wölfe... Gut gemacht, Margita. Es ist das gleiche Wappen wie auf dem Breitschwert in der Halle.«

»Ja, nicht wahr. Ich denke, das Schwert stammt von hier. Es wird das Wappen der MacLeods sein. Und der zornige Alte war vermutlich einer der Chieftains.«

»Hochachtung, Margita. Mit deinen Fähigkeiten wärst du die ideale Gefährtin für jeden archäologischen Sineologen.«

»Mit oder ohne Pandabären?«

»Entschuldige.«

Ken stand vor dem Kamin und fuhr nachdenklich

das Wappen mit den Fingern nach.

»Du sagtest, die MacLeods seien ausgelöscht worden?«

»So berichtet man.«

»Mh. Mir kribbeln die Finger.«

Nächtliche Pläne

Es interessierte mich als Kater natürlich stark, was mit dem verletzten Kätzchen passiert war. Nachdem sich meine Wut auf diesen niederträchtigen MacDuffnet verflüchtigt hatte, konnte ich mich sogar darüber amüsieren, zu welchen ungeheuren Taten ich in der Lage war. Es gab mir fast ein Gefühl von Körperlichkeit. Dabei hätte ich das schon viel früher haben können, wäre nicht dies Unbehagen gegenüber diesen Kribbelfeldern gewesen. Mein dummes Vorurteil entstand, als man vor Jahren Leitungen in die Wände gelegt hatte und ich vor diesem komischen Mauseloch im Mauerwerk saß, aus dem keine Maus kam. Natürlich musste ich meine Pfote hineinstecken - und das hatte ein gigantisches Kitzeln zur Folge gehabt.

Nun ja, ich suchte also nach der kleinen Katze. Sie war nach diesem hässlichen Tritt in den Garten geflogen. Das war das Letzte, was ich von ihr gesehen hatte.

Sorgfältig suchte ich das Gebüsch ab, aber dort war sie nicht mehr. Weit konnte sie hingegen nicht sein, und mir drängte sich ein unangenehmer Verdacht auf. Ob etwa Arthur Dougal sie …

Ungern, höchst ungern schlüpfte ich wieder einmal durch die dichte Hecke und die Feldsteinwand seines Hauses. Ja, er war da und das Kätzchen auch. Er beugte sich über sie und brummelte vor sich hin. Vorsichtig kam ich näher. Vielleicht war er zu beschäftigt, um mich wahrzunehmen.

»So, so, Silver. Gleich ist es gut. Schön stillhalten.«

Er wickelte einen Verband um das Hinterbein, und Silver ließ es sich, ohne zu zappeln, gefallen.

»Brrraves Mädchen, das rrrothaarige vom Schlosshotel.«

Das rothaarige Mädchen? Das spillerige etwa? Interessant. Die werde ich mir heute Nacht vornehmen. Ob sie dann wohl erstaunt ist - in this home by horror haunted? ...