ich-geb-dir.info
Home.
Delfine.
Hunde.
Literatur.

Mary Janice Davidson - „Weiblich, ledig, untot“

ISBN: 978-3-8289-9417-1

Klappentext:

Betsy Taylor hat eine fürchterliche Woche hinter sich -- erst verliert sie ihren Job, dann kommt sie bei einem Autounfall ums Leben - und stellt schließlich fest, dass sie gar nicht wirklich tot ist! Außerdem wird sie ständig von einem unheimlichen Heißhunger auf Blut geplagt. Ihre neuen Freunde halten sie für die lange prophezeite Königin der Vampire. Betsy ist da anderer Meinung, doch die Vampire ködern sie mit einer Geheimwaffe, der sie nicht widerstehen kann: Designerschuhe. Mindestens ebenso verlockend ist der Vampir Sinclair ...

Inhalt:

Betsy Taylor wird an einem Tag gekündigt und von einem Lkw überrollt. Anschließend wacht sie untot in einem Bestattungsinstitut wieder auf, stellt fest, dass sie in den ältesten Schlappen ihres Stiefmonsters steckt und ein wirklich billiges Kostüm an hat.

Als wäre das noch nicht genug, merkt sie einen ungewöhnlichen Durst an sich, stellt fest, dass sie untot ist und macht sich dann auf die Socken, sich zu rächen.

Zunächst ihr Stiefmonster, die Frau hat sich gleich mal ihre Markenschuhe unter den Nagel gerissen.

Ihre Mutter nimmt ihre Auferstehung ziemlich praktisch und hat dann später auch kein Problem mit ihrem neuen Lebenswandel.

Betsy ist ein besonderer Vampir. Weihwasser, Kreuze und heilige Worte machen ihr nichts aus. Sie vergeht nicht im Sonnenlicht und wird gleich von zwei rivalisierenden Vampiren verfolgt, die sie beide für ihre Zwecke bei sich haben wollen.

Leseprobe:

… Er löste das kleine Kreuz von seinem Kragen und gab es mir. Ich schloss meine Finger darum und zuckte in Erwartung des Schmerzes vorsorglich zusammen, aber nichts passierte.

Ich schüttelte es. Funktionierte das Ding überhaupt? Immer noch nichts.

Ich gab es dem Priester zurück. »Vielen Dank.

Macht nichts.«

»Sie können es behalten.«

»Nein, danke. Ist schon gut.«

»Wirklich. Ich möchte, dass Sie es behalten.«

Seine Wangen waren gerötet, und das Rot wurde tiefer, als ich nach seiner Hand griff, das Kreuz hineinpresste und seine Finger mit Gewalt darum schloss. »Vielen Dank, aber es gehört Ihnen. Sie sollten es keiner Fremden schenken.«

»Einer schönen Fremden.«

»Was?« Erst der Hausmeister, jetzt der Priester. Verknallt in ein totes Mädchen. Bah!

Als könnte er meine schockierten Gedanken lesen, blinzelte er einmal und schüttelte dann langsam den Kopf. »Vergeben Sie mir. Ich weiß nicht, was über mich gekommen ist.« Abwesend berührte er seinen Ehering. Das schien ihm die Kraft zu geben, mir in die Augen zuschauen. »Bitte, fahren Sie fort.«

»Mehr gibt es nicht zu sagen. Ich fühle mich verloren«, schloss ich, »und habe nicht die leiseste Ahnung, was ich jetzt tun soll. Ich weiß, Sie denken, ich sei verrückt, und ich kann es Ihnen nicht einmal verübeln. Aber könnten Sie nicht einfach so tun, als glaubten Sie mir? Geben Sie mir einen Rat!«

»Sie sind nicht verrückt. Und ich glaube nicht, dass Sie lügen«, beruhigte er mich. Er hatte einen leichten Südstaatenakzent, der mich an Hafergrütze und Magnolien erinnerte.

»Es ist offensichtlich, dass Sie gerade Schweres durchgemacht haben und jemanden brauchen, mit dem Sie darüber sprechen können.

Und vielleicht sollten Sie sich ausruhen.«

Na klar, ausruhen. Im Grab? Das wäre schön.

Doch es war wahrscheinlicher, dass ich mich bald an einem Ort ausruhen konnte, wo so schöne Körbe geflochten und so schöne Topflappen gehäkelt wurden und wo die Wände so schön gepolstert waren. Ich war zu müde, mir den Kaffeelöffel ins Herz zu stoßen, um ihm zu beweisen, dass ich recht hatte.

Stattdessen nickte ich und starrte in meine Tasse. Wenn ich sie vielleicht zerbrechen und die Scherben essen würde . . . ?

»Es ist ziemlich klar, warum die Bibel Ihnen keinen Schaden zugefügt hat, mein Kind. Gott liebt Sie immer noch.«

»Oder die Regeln gelten für mich nicht«, erinnerte ich ihn. Doch schon als ich es aussprach, fiel mir auf, wie arrogant und lächerlich das klang. Gottes Regeln galten für jeden Menschen auf diesem Planeten, ohne jeden Unterschied. Außer für Betsy Taylor! Tsss ... selbst ich konnte nicht so vermessen sein! »Sie meinen also, ich sollte die Selbstmordversuche unterlassen?«

»Unbedingt.« Er berührte immer noch seinen Ring, und seine Stimme war wieder kräftiger, weniger verträumt. »Sie haben selbst gesagt, dass Sie der Frau und ihrer kleinen Tochter geholfen und niemanden gebissen haben. Ganz eindeutig haben Sie noch Ihre Seele.« Er zögerte und traute sich dann. »Eines meiner Gemeindemitglieder arbeitet in . . . äh . . . in einer hübschen Einrichtung in der Innenstadt von Minneapolis. Darf ich Ihnen ihre Karte geben?

Falls Sie keinen Wagen haben, wäre es mir eine Freude, Sie zu fahren . . . «

»Vielen Dank für die Karte, ich nehme sie gerne«, sagte ich und fügte dann verlogen hinzu: »Ich rufe sie am späteren Vormittag an.«

Der Priester und ich trennten uns freundschaftlich. Als ich ging, rüttelte er den Hausmeister wach.

Ich war eine herzlose Bewohnerin des Reichs der blutrünstigen Untoten, und der Durst nach Blut (Bähh!) wurde immer drängender. Aber viele Wege führen bekanntlich nach Rom. Ich musste kein Blutsauger auf zwei Beinen sein, wenn ich es nicht wollte. Immerhin gab es mindestens sechs Blutbanken in dieser Stadt.

Und Gott liebte mich immer noch. Und anscheinend ebenso der Hausmeister und der Priester. Ich sah nun alles in einem klaren Licht und wunderte mich, warum ich das Offensichtliche nicht vorher erkannt hatte: Wenn man sechs oder siebenmal vergeblich versucht,sich umzubringen, ist man dazu bestimmt,weiterzuleben. Zumindest für eine Weile.

So unglaublich, so erstaunlich es war: Ich bekam eine zweite Chance. Ausgerechnet ich! ...