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Mary Janice Davidson - „Happy Hour in der Unterwelt“

ISBN: 978-3-8025-8125-0

Klappentext:

Betsy muss feststellen, dass das Dasein als Königin der Vampire jede Menge Nachteile mit sich bringt. Einmal abgesehen davon, dass sie beim Mitternachts-Schnäppchen-Shopping stets in der ersten Reihe steht. Die Angestellten ihres Nachtclubs machen ihr das Leben zur Hölle, seit sie den ehemaligen Chef getötet hat …Dritter Roman der begeistert aufgenommenen Serie um die Vampirin Betsy. Sexy, witzig und wunderbar turbulent! Mit einem kräftigen Schuss Fantasy! Ausgezeichnet mit dem Romantic Times Award!

Inhalt:

Betsy Taylor, Königin der Vampire, hat mit alles anderem als königlichen Problemen zu kämpfen.

Da wäre zunächst einmal die Liebe. Sie glaubte sich der Liebe von Sinclair sicher, doch dann verletzt sie ihn durch, unbedachte Taten.

Dann liest sie im Buch der Toten. Sie kennt die Warnung, liest dann aber doch zu lang und wird wahnsinnig. In einer Art Abstellkammer erwacht sie am hellichten Tag und muss durchs Fenster ins Freie fliehen.

Und dann ist da noch die Tochter des Teufels. Sie ist die Halbschwester von Betsy und laut dem Buch wird sie die Weltherrschaft an sich reisen. Dieses Mädchen muss gefunden werden. Und dann stellt sie sich als ein absolut liebliches Geschöpf heraus.

Leseprobe:

… »Sag du mir nicht, was ich zu tun habe.

Niemals.« Hmmm, das klang weniger drohend als beabsichtigt. Nun gut. Sie würde früh genug begreifen, was geschehen war. Raus mit dem Alten, rein mit dem Neuen. Großreinemachen eben.

»Was ist passiert?«, weinte sie.

Ich schwang meine Faust in ihre Richtung, aber sie war zu schnell und plötzlich steckte mein Arm bis zum Handgelenk in der Wand.

»Verdammt!« Ich zog meine Hand zurück und schüttelte den Putz ab. Ich würde meine Liste der zu erledigenden Aufgaben erweitern müssen. Jetzt brauchte ich nicht nur jemanden, der das Kopfteil des Bettes reparierte, sondern auch jemanden, dertapezierte und eine neue Tür einbaute.

Aber jetzt gab es Dringenderes zu erledigen.

Ich sah mich um, auf der Suche nach dem Kreuz. Das Ding könnte ich ihr einfach durch die Stirn rammen und endlich würde es heißen: bye-bye, Tina. Sie würde vorSchmerzen schreien, wenn sie starb, und das war gut so. Solange sie nur starb.

Aha, da lag es ja, neben dem kleinen Tischchen, auf das wir immer unsere Schlüssel warfen, wenn wir nach Hause kamen. Ich bückte mich, um es aufzuheben, als Tina nach meiner Schulter griff und mich so heftigzurückriss, dass ich in die gegenüberliegende Wand segelte.

»He!« Jetzt wollte ich sie wirklich leiden sehen. »Behalt deine Hände bei dir, blöde Kuh.«

»Es tut mir leid, Majestät.« Sie stand ganz still, einen guten Schritt links neben dem Kreuz. Vorsichtig und interessiert betrachtete sie mich, wie eine Katze, die ein Mauseloch beobachtet. »Aber ich werde Euch nichterlauben, mich zu töten. Ich will Euch helfen.

Was stimmt nicht mit Euch?«

»Du kannst mir helfen, indem du stillhältst«, gab ich zurück und warf mich auf sie. Als Dank für meine Mühe erhielt ich einen Tritt in die Brust und zertrümmerte im Fallen einen Stuhl.

Verdammich! »Du hast dich ganz schön fit gehalten, die letzten hundert Jahre oder so.«

»Das ist einer der Vorteile, wenn man unsterblich ist«, sagte sie ruhig. Es war schon beeindruckend, wie schnell sie sich von ihrer Verblüffung erholt hatte und mich nun kühl begutachtete. Als wenn ich nicht schon genug Gründe hätte, sie zu töten. »Man hat sehr vielZeit zu lernen, wie man kämpft. Was ist passiert?«

»Nichts Besonderes. Ein bisschen leichte Lektüre am frühen Abend. Die gute Nachricht ist, dass ich jetzt alles über meine Schwester weiß. Die schlechte: Du musst gehen, Tina. Tut mir leid.«

»Sie ist verrückt geworden, Tina. Sei vorsichtig.« Ich sah hoch. In einer der Türen stand Jessica, blutüberströmt und mit grauer Gesichtsfarbe. Eine Hand presste sie an ihre Stirn, um das köstliche Blut zu stoppen. Wie hatte sie sich an uns heranschleichen können?

Scheiße! Dieses Haus hatte entschieden zu viele Bewohner und sie alle, bis auf ein oder zwei, würden gehen müssen.

Jessica schwankte ein wenig und hielt sich am Türrahmen fest. »Ich meine, wirklich verrückt. Ich glaube ... ich glaube, sie hat zu lange in dem Buch gelesen.«

»Das habe ich mir gedacht. Oh, Majestät.«

Tina schüttelte den Kopf. »Was sollen wir nun mit Euch machen?«

Diese neue Entwicklung war, um es vorsichtigauszudrücken, unerfreulich. »Du hältst die Schnauze, verdammt noch mal. Und hau ab, das geht nur Vampire etwas an. Und du, halt endlich still.« Ich durchquerte den Raum so schnell, dass Tina es nicht bemerkenkonnte . . . aber sie sah mich doch und wich mir aus. Das war okay; so kam ich dem Kreuz ein bisschen näher. Ich bückte mich, um es aufzuheben. Tina würde ich mit einer Axt töten und Jessica eine solche Abreibung verpassen, dass sie in Zukunft künstlich beatmet werden musste. Das würde sie lehren, mich zuverpfeifen!

Das WUSCH hörte ich eine Nanosekunde, bevor ich den Schlag spürte. Die Sonne musste heute früh aufgegangen sein, denn mein Kopf füllte sich mit Licht.

Und dann fiel das Sonnenlicht. Und ich ebenfalls.

13

Stöhnend öffnete ich die Augen. Ich hatte einen unglaublichen Kater. Hatte ich wirklich ein Buch gelesen oder doch einen Liter Wodka gekippt?

Ich musste blinzeln, so hell war es, und versuchte die achtzehn Millionen Gedanken zu sortieren, die mir durch den Kopf schossen.

Ein Gutes hatte der ganze Schlamassel: Jetzt wusste ich sehr viel mehr über die Tochter des Teufels. Aber da gab es noch ganz andere Sachen, die ich . . .

Einen Augenblick.

War das Licht?

Ich sah mich um. Ich lag in einem kleinen Raum im Westflügel des Hauses. Es gab keine Möbel, dafür aber eine gute, solide Eichentür.

Eigentlich sollte dies hier unser Weinkeller werden, bis Sinclair, der Besserwisser, anmerkte, dass wir wohl kaum Wein in einem so hellen Raum lagern würden. Also hatten wir die Flaschen alle in den Keller verfrachtet und dieses Zimmer hatte leer gestanden und . . .

Licht.

Es war die Sonne.

Ich sprang auf (ich trug immer noch meinenMorgenrock) und ging zum Fenster.

Die Sonne.

Ich starrte. Lange. Der große goldene Ball stand genau über den Baumwipfeln.

Wahrscheinlich war es Spätnachmittag.

Seit meinem dreißigsten Geburtstag im April hatte ich die Sonne nicht mehr gesehen.

Ich hatte im Buch der Toten gelesen und zugelassen, dass es mich zu einem richtigen Arschloch gemacht hatte. Das war schlimm, sehr schlimm. Andererseits konnte ich nun bei Tageslicht aufwachen. Das war gut, sehr gut.

Und da ich nun einmal die Königin war und mich die Sonne nicht verbrannte, konnte ich auch hinausgehen. Einfach herumspazieren und die Sonnenstrahlen auf meinem Gesicht spüren, ihre Wärme. …