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Christiane F. Felscherinow und Sonja Vukovic - „Christiane F. – mein zweites Leben“

ISBN: 978-3-943737-14-1

Klappentext:

Die Kultfigur und Antiheldin einer Generation ist zurück: Christiane Felscherinow alias "Christiane F." erzählt erstmalig und schonungslos ihre ganze Geschichte. Wie ging es weiter nach dem Welterfolg von "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo"? Es begann ein Leben mit Rockstars, Prominenten und Drogen-Exzessen - als könne es kein Morgen geben. Aber Christiane F. hat überlebt und ist nun 51 Jahre alt. Bis heute kämpft sie gegen die Sucht und für "das Einzige, was ich im Leben richtig gemacht habe": ihren Sohn.Das Schicksal der damals 14-jährigen, drogenabhängigen Prostituierten Christiane F. aus "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" ging um die Welt. Millionen Menschen weltweit sind mit dem Mythos Christiane F. aufgewachsen. Aber wie ging es weiter?

35 Jahre später erzählt Christiane Felscherinow ihr ganzes Leben. Eine Geschichte von Hoffnung und Hölle, glücklichen Jahren in Griechenland, Überlebenskampf im Frauenknast, Abenteuern unter Rock-Idolen, Literatur-Stars und Drogenhändlern. Im Mittelpunkt aber steht ihr Kampf, trotz aller Rauschgift-Exzesse eine gute Mutter für ihr Kind zu sein. Gemeinsam mit der Journalistin Sonja Vukovic hat sie nun ihr Leben rekapituliert. Das Ergebnis ist eine erschütternde, aber auch hoffnungsvolle Autobiografie. Eine Begegnung mit einer Gesellschaft, die den Rausch auslebt, aber den Süchtigen verachtet. Die Vollendung einer Story, die das Lebensgefühl von Generationen prägte - und damit auch ein Dokument deutscher Zeitgeschichte.

Inhalt:

Christiane F. Lebt, sie hat die Hölle vom Bahnhof Zoo hinter sich gelassen und ist trotz allem nicht hundertprozentig clean.

In diesem Buch berichtet sie davon, was mit ihr geschah, nachdem ihr Buch „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ erschienen ist. Wie sie sich der Presse immer wieder erwehren musste.

Eine Zeit lang flüchtet sie aus Deutschland. Doch auch im Ausland wird sei nicht glücklich. Sie lässt sogar einmal ein Kind abtreiben. - Mutter wird sie aber trotzdem Jahre später.

Christiane F. Kämpft sich durchs Leben. Sie hat es nicht leicht, ist gesundheitlich sehr angeschlagen und sieht es trotzdem nicht ein, auf die Ärzte zu hören.

Christiane F. Hat ihr zweites Leben gelebt. Und das ganz nach ihrer Fasson.

Lesprobe:

… Ich lebte zwar noch in der Vierer-WG in Hamburg, aber die Musiker waren oft unterwegs, auf Tournee, im Tonstudio oder auf irgendeinem Gig, weshalb ich dann meist für ein paar Tage bei Miriam und Guido einzog. Ich wollte nicht allein sein, ich war nie gern allein. Und da stand nun dieser schwarze Fremde und fragte nach den beiden, sonst sagte er nichts, nicht einmal seinen Namen. Doch sie waren nicht da, hatten dem Mann aber offenbar versprochen, dass er seine Kiste auf dem Dachboden lagern dürfe. Was sollte ich machen? Der Typ stand da an der Türschwelle mit dem Karton und starrte mich an. Ich hatte irgendwie Angst vor ihm, also ließ ich ihn seine Lieferung nach oben bringen, dann ging er wieder mit einem genuschelten „Tschüss“. Und ich versuchte, ihn zu vergessen.

Ich konnte mir denken, was in dem unheimlichen Paket war. Meine Ahnung wurde eines Tages Gewissheit, als ich mal wieder bei Miriam und Guido zu Besuch war und in die Küche trat. Da saß Guido am Tisch, vor ihm ein aufgefaltetes Blättchen aus silbernem Papier, so wie das, aus dem Kaffeeverpackungen gefertigt sind. Ein sogenanntes Paper. Guido kratzte braunes Pulver daraus. Er habe nicht gewusst, dass dieser farbige Kerl, den er nur um drei Ecken kenne, Heroin gemeint habe, als er darum bat, ihren Dachboden als Bunker nutzen zu dürfen. Jetzt sei der Typ verhaftet worden, und da wollten Miriam und er in aller Vorsicht einmal nachsehen, welche Ware sie da oben unterm Dach gelagert hatten. Dann hätte sie der Schlag getroffen. Mit Heroin wollten die beiden nichts zu tun haben. Auch jetzt, wo es kiloweise umsonst bei ihnen gelandet war, wollten sie es nicht verkaufen. Aber in den Müll kann man so etwas ja auch nicht werfen, also stellten sie es erst einmal wieder zurück auf den Dachboden.

Neben der WG in Hamburg, wo wir meist nur noch wegen der Musik waren, hatten Alexander Hacke und ich jetzt auch wieder eine winzige Wohnung in Kreuzberg nur für uns zwei. So sind wir viel gependelt, aber im Grunde war ich sehr oft allein. Die Jungs, auch Klaus Maeck und die anderen aus der WG, waren einfach viel unterwegs. Irgendwann hielt ich mich also wieder ein paar Tage bei Guido und Miriam auf, die tagsüber zur Arbeit waren, sie verdienten auch als Musiker, so kamen sie überhaupt erst in die Szene.

Irgendwie, ich weiß auch nicht warum, ging ich auf den Dachboden. Ich kann wirklich nicht erklären, was mich da getrieben hat.

Es war, als ob mein Unterbewusstsein die Gelegenheit nutzen wollte, um den Druck abzubauen, den ich die ganzen Wochen seit meiner Begegnung mit dem Fremden gespürt hatte.

Erst versuchte ich noch, mich selbst zu verarschen. Ich las die Bild-Zeitung, die auf dem Küchentisch lag, tönte mir die Haare braunrot, weil ich am Abend wieder nach Berlin zu Alexander fahren und schön für ihn aussehen wollte. Irgendwie konnte ich mich nicht entscheiden, was ich tun sollte. Die eine Seite in mir wollte unbedingt mal wieder einen Turn, die andere wusste genau, was das alles für Schmerzen und Scheiße nach sich ziehen würde. Naja, was soll ich sagen? Nach einer Weile ging ich nach oben und steckte mir einfach ein paar Gramm ein. Zu dem Zeitpunkt war ich seit fünf Jahren clean.

Aber ich habe dieses Heroin lange nicht angerührt. Als ich zwei, drei Wochen später wieder bei Guido und Miriam war, steckte es immer noch in einem Seitenfach von meinem Portemonnaie. Ich kann nicht behaupten, dass ich Größe gezeigt und der Versuchung widerstanden hätte, nein, ich hatte einfach nicht mehr daran gedacht. Mein Hund Igor hatte mich in Beschlag genommen, der tolle große Chow-Chow, den Kai Hermann mir einst geschenkt hatte, als ich nach Hamburg gezogen war.

Igor und ich, das war Liebe auf den ersten Blick, und so bettelte ich Kai immer wieder an, mir das Tier zu überlassen. Aber Kai wollte ihn mir nicht geben, was ich ihm ja auch nicht wirklich verübeln konnte. Trotzdem habe ich es immer wieder versucht, wenn ich die Hermanns auf ihrem Bauernhof in Lüchow-Dannenberg besuchte. Und eines Tages, ich war ganz neu in Hamburg, haben seine Frau und er dann tatsächlich nachgegeben: „Damit du in deiner neuen Heimat nicht so einsam bist.“ Das war eines der größten Geschenke, die ich je bekommen habe. …