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David Safier - „Mieses Karma“

ISBN: 978- 3 - 499 - 24455 – 1

Klappentext:

Die Moderatorin Kim Lange erlebt einen Tag des Triumphes: Sie gewinnt den Deutschen Fernsehpreis. Schade eigentlich, dass sie noch am selben Abend von den Trümmern einer herabstürzenden russischen Raumstation erschlagen wird. Im Jenseits erfährt sie, dass sie in ihrem Leben viel zu viel mieses Karma gesammelt hat – und bekommt prompt die Rechnung präsentiert. Kim findet sich in einem Erdloch wieder, hat zwei Fühler, sechs Beine und einen überproportional großen Hinterleib: Sie ist eine Ameise! Kim hat wenig Lust, fortan Kuchenkrümel durch die Gegend zu schleppen. Außerdem kann sie nicht zulassen, dass ihr Mann sich mit einer Neuen tröstet. Doch als Ameise ist sie machtlos. Es gibt nur einen Ausweg: Gutes Karma muss her, damit es auf der Reinkarnationsleiter wieder aufwärts geht!

Inhalt:

Kim Lange, erfolgreich im Beruf, als Mutter jedoch mit einem ziemlich schlechten Gewissen geplagt. Und als sie dann von einem Waschbecken erschlagen  wird, nachdem sie ihren Mann betrogen hat, wir d sie als Ameise wiedergeboren. Um in der Reinkarnationskette wieder noch oben zu steigen, braucht sie gutes Karma.

Kim kommt von nun an öfter auf die Welt. Als Meerschweinchen, als Kuh, als Regenwurm und Hund. Schließlich und endlich dann auch wieder als Mensch. - Von nun an kann sie sich ihre Familie zurück erobern. Was gar nicht so einfach ist, da ihr Mann inzwischen eine neue Frau hat. Doch echte Mutterliebe kann siegen.

Leseprobe:

… Die Ameisen hämmerten weiter auf ihn ein, aber er schien das nicht mehr wahrzunehmen.

Er konzentrierte sich nur auf mich.

«‹Unmenschlich… das Wort … kennen Ameisen nicht … sind … sind Sie … auch … wiedergeboren?»

Ich war elektrisiert: Ich war nicht der einzige ehemalige Mensch hier. Ich war nicht allein mit meinem Schicksal! Und wenn es noch mehr reinkarnierte Menschen in diesem Ameisenstaat gab, dann könnten wir uns vielleicht gemeinsam retten. Irgendwie?

Ich versuchte, die anderen Ameisen daran zu hindern, weiter auf den wiedergeborenen Menschen einzuschlagen: «Hört endlich auf!

Ihr bringt ihn ja um!»

Zu meiner großen Überraschung sagte Krttx:

«Sie hat recht. Es reicht.»

Die Ameisen ließen von ihrem Opfer ab. Regungslos lag er da, zu schwach, um noch irgendetwas zu sagen. Es schien ihn seine ganze verbliebene Kraft zu kosten, den Blickkontakt mit mir zu halten. Krttx baute sich vor dem Flüchtling auf, streckte ihm ihren buckligen Unterkörper entgegen, wackelte etwas hin und her und sprühte ihm einen Riesenschwall schwarzer Flüssigkeit ins Gesicht. Ameisensäure.

Ich fragte ihn noch hastig: «Wie heißt du?»

Er antwortete: «C… Ca … ss …» Und fiel in eine tiefe Ohnmacht.

Die anderen Ameisen schleppten den Flüchtling fort. Ich fragte die kleine Fss, was mit ihm geschehen würde, und sie antwortete:

«Das entscheidet die Königin.»

«Und was wird sie entscheiden?», hakte ich nach.

«Entweder lässt sie ihn öffentlich hinrichten…»

«Oder?», schluckte ich.

«Sie lässt ihn ohne Zuschauer hinrichten.»

Ich schluckte noch heftiger. Es war so gemein: Da hatte ich einen anderen wiedergeborenen Menschen getroffen, nur um seiner baldigen Bestattung beiwohnen zu müssen.

4

Aus Casanovas Erinnerungen: Nach dem wenig erbaulichen Liebesakt hätte ich der Königin auf deren Frage «War es für dich auch schön?» wohl nicht so wahrhaftig Auskunft über ihre erotischen Qualitäten erteilen sollen.

5

Aus Casanovas Erinnerungen: In all meinen tristen Ameisenleben kreuzten nur drei andere wiedergeborene Menschen meine Wege. Der erste war der berüchtigte Dschingis Khan. Er hatte, so schilderte er, schon einige andere Leben durchlitten, etwa als Schweinefloh. Als ich dies hörte, amüsierte ich mich königlich.

Er aber bebte ob meines Gelächters erzürnt:

«Früher hätte ich dich in siedendes Öl werfen lassen. Aber jetzt bin ich friedlicher.» Sprach’s und machte in meine Fühler einen gordischen Knoten. Fortan mied ich es tunlichst, die Wege des «friedlichen» Khans zu kreuzen. Der zweite reinkarnierte Mensch, dem ich begegnete, war eine Ameise, die sich mir als Albert Einstein vorstellte. Albert nahm sein Schicksal duldsam hin und merkte nur an, dass das Universum anscheinend noch sehr viel relativer war, als er es je für möglich gehalten hätte.

Und der dritte reinkarnierte Mensch, mit dem ich als Insekt Bekanntschaft schließen durfte, war Madame Kim. Das Wesen, das mein jämmerliches Dasein von Grund auf verändern sollte.

11.KAPITEL

Während die anderen Ameisen schlummerten und dabei schnarrend nach Luft röchelten, zuckten einige von ihnen unruhig hin und her

– sie träumten. Vielleicht von Futter. Oder von dem Flüchtling. Oder davon, in welche Körperöffnungen Krttx ihre Fühler stopfen konnte.

Dass Ameisen auch träumen konnten, hatten Wissenschaftler nie bemerkt. Aber die haben es ja eh nicht drauf. Sonst hätten die Herrschaften längst schon einen Instantkaffee erfunden, der schmeckt. Stattdessen lassen sie Raumstationen auf die Köpfe unschuldiger Leute abstürzen. Na, vielen Dank. Ich malte mir aus, wie ich den russischen Wissenschaftlern, die für meinen Tod verantwortlich waren, Ameisensäure ins Gesicht spritzte.